| Christoph Hein:"Das Napoleon-Spiel" |
| Hintergründige Selbstanalyse eines Spielers | |
Dieses Buch ist nicht mehr ganz neu, dennoch einen Bericht wert. Stammt es doch von einem Autor, der seit dem Mauerbau freiwillig in Ostberlin gelebt hat und sich nach der Wende durch einige markante Bücher einen literarischen Ruf erschrieben hat.
Der Roman besteht fast vollständig aus dem Brief eines Untersuchungshäftlings an seinen Anwalt. Der Delinquent aus höchsten Berliner Kreisen hat im Wendejahr 1989 anscheinend völlig unmotiviert einen S-Bahn-Passagier getötet und wartet jetzt auf seinen Prozess.
Der Brief an den Anwalt entlarvt den Täter als Spielernatur, jedoch in einem höheren Sinne. Im Laufe des Lebens an Erfolg gewöhnt, hat er den Reiz am riskanten Spiel lieb gewonnen, aber nicht im Sinne eines Lotto- oder Toto-Spielers mit dem tumben Vertrauen auf ein wenig wahrscheinliches Glück, sondern als Manipulation von Menschen mit dem Risiko des Scheiterns. Sinn des Spiels ist des Erlebnis des existenziellen Risikos, der materielle Gewinn ist zweitrangig. Wie einen Drogenabhängigen treiben ihn gerade seine mitunter - zu - leicht errungenen Siege zu immer höherem Risiko, wobei er die Gefilde bürgerlicher Moral schon bald weit hinter sich gelassen hat. Die bittere Ironie der Realität weist ihn gleichzeitig als höchste Honoration des politischen und gesellschaftlichen Lebens aus, während er sich nur noch mit Napoleon vergleicht, der ebenfalls zum größten Risiko "Moskau" verdammt war, um seine Spielernatur angemessen zu befriedigen.
Das Buch ist im Aufbau Taschenbuch-Verlag unter der ISBN 3-7466-1128-8 erschienen und kostet 14,90 DM..
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