Das Goldene Wilhem-Busch-Album

Liebevolle Hommage an einen ernsten Humoristen
 

Max und Moritz, Hans Huckebein, Die fromme Helene ..... wer kennt sie nicht, die listig-satirischen Geschichten aus dem prallen Leben. Natürlich - und leider - wird ihr Schöpfer immer noch mehrheitlich unter die lustigen Humoristen gezählt, deren Bildergeschichten man gerne abends den Kindern vorlas und -liest. Dabei versteckt sich nicht nur hinter den vermeintlichen Kindergeschichten mehr oder minder versteckte Kritik an den Zuständen einer zu Lebzeiten des Autors durchaus noch von Zensur geprägten Gesellschaft, sondern neben den allseits bekannten Bilderbögen hat Wilhelm Busch auch kritische Lyrik und sogar Prosa verfasst. Vor allem der Gedichtzyklus "Kritik des Herzens" kam mit seinen so gar nicht lustigen, entlarvenden Reimen über menschliche Schwächen beim spaßgewohnten zeitgenössischen Publikum nicht an.

Die meisten Bildergeschichten - Pater Filucius, Die Jobsiade, Der Heilige Antonius - karikieren und kritisieren die bürgerliche und klerikale Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wurden und werden jedoch meist aufgrund ihrer humoristischen Außenverkleidung als amüsante Unterhaltung verkannt. So mancher fast schwermütige Zweizeiler spiegelt Buschs Seelenleben wieder, wirkt jedoch vordergründig spaßig, bisweilen vielleicht ein wenig makaber - mehr nicht.

Wilhelm Busch teilt das Schicksal all derer, die durch frühen Erfolg in eine bestimmte Kategorie einsortiert werden. Heute sind es die Seriendarsteller im Fernsehen, denen auch eine spätere Theaterkarriere wenig hilft - Derrick bleibt Derrick! Damals hatte sich der begabte aber aus verschiedenen Gründen wenig erfolgreiche Kunstmaler Busch plötzlich als reimender Karikaturist profiliert und ein für allemal seinen Stempel erhalten. Diese falsche Einordnung hat dem ewig Grübelnden und oft Depressiven zugesetzt und ihn einige Male zu literarischen Ausbruchsversuchen genötigt. Geholfen hat es ihm zu Lebzeiten und in der Nachwelt wenig. Max und Moritz bleiben auf ewig seine Erstgeborenen!

Der umfangreiche Band des Fackelträger-Verlages versucht das Busch-Bild zurechtzurücken. Neben einer ausführlichen Würdigung zu Beginn und am Schluss des Buches durch Friedrich Bohne tragen auch die Prosa-Stücke "Eduards Traum" und "Der Schmetterling" zum Verständnis des Künstlers und Menschen Wilhelm Busch bei. Sein eigener Beitrag "Von mir über mich" ergänzt diese Charakterisierung aus der Sicht eines gründlich missverstandenen und verkannten Künstlers und Philosophen.

Das Buch ist im Fackelträger-Verlag unter der ISBN 3-7716-1079-6 erschienen.