| B. Baltzer/J. Kleine:"Etwas bleibt" |
| 100 Jahre, 100 Geschichten, 100 Gesichter | |
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Welt ist im Millenieum-Fieber, und auf dem Büchermarkt stapeln sich
die Jahrhundert- Bücher. Beachtung verdient das von dem Kulturjourna-
listen Burkhard Baltzer und dem Fotografen Jürgen Kleine herausgegebene
Werk "Etwas bleibt". Anhand von 100 Gesichtern, die 100 Geschichten über
die vergangenen 100 Jahre erzählen, erlebt der Leser und Betrachter
das vergangene Jahrhundert wie eine Lesereise aufs Neue.
Der Band beginnt mit dem Jahr 1900. Auf einer Mauer sitzend schaut Hans-Georg
Gadamer, Philosoph aus Heidelberg (geb. 1900), eindring- lich den
Betrachter an. Sein Anliegen war und ist es, "die Erfahrung von Geschichte
in Sinn zu ver- wandeln", und so hält er noch heute als alter Mann
Seminare, um die Jugend auf die Enttäu- schungen im Zeitalter des
Internet vorzubereiten.
1904 wurde Moses Rosenkranz geboren. Wie auf dem Totenbett liegt er
da mit geschlossenen Augen und verschränkten Händen. Sein Lebens-
bericht gibt Zeugnis von einem Leben, das von Schicksalsschlägen geprägt
ist. Er berichtet über Zeiten, als das tägliche Brot nicht gesichert war und politische Verfolgungen Leben zerstören konnten.
Moses Rosenkranz schrieb Gedichte, die berühren.
Ein Mensch aus jedem Jahrgang wird durch Bild und Text vorgestellt und
ist gleichzeitig ein Teil der letzten 100 Jahre. Neben Prominenten wie
Martin Walser, Egon Bahr, Beate Uhse und Henry Maske kommen auch Menschen
wie Du und Ich zu Wort, deren Namen unbekannt sind, die aber dennoch einzelne
Mosaiksteine in der Vielfalt menschlichen Daseins der letzten 100 Jahre
bilden.
Die letzten 20 Jahre des alten Jahrhunderts sind Jugendlichen und Kindern
gewidmet, und es ist spannend zu erfahren, welches Gedankengut sie geprägt
hat und welche Chancen die Zukunft für sie bereithält. Doch darüber
lässt sich nur speku- lieren.
Das letzte Bild zeigt die schwangere Branka Hold. Das Kind, das in ihrem
Bauch heranwächst, wird im Jahre 2000 zur Welt kommen. Die junge Frau
freut sich darauf, will dem Kind eine gute Mutter sein und grübelt
gemeinsam mit ihrem Mann über den Namen für das neue Lebewesen:
Lukas? Lea? Marvin? Die Eltern pendeln in der histori- schen Spanne zwischen
Altem Testament und Hollywood.
"Etwas bleibt...". Auch der Leser wird eingebunden in das alte Jahrhundert.
Ein Spiegel auf dem Buchumschlag wirft sein Portrait auf ihn zurück.
Das Buch ist im Haymon-Verlag unter der ISBN 3-85218-310-3 erschienen
und kostet 68 DM. |