| Ludwig Laher: |
| Die Tragik eines unverschuldeten Schattendaseins | |
Söhne
großer Männer haben es schwer, sich gegen den Ruhm des Vaters
und die An- sprüche und Erwartun- gen der Gesellschaft zu behaupten.
So man- cher hat seinen Namen gewechselt oder ist in ferne Lande gezogen,
um dem unerträglichen Dauervergleich zu ent- gehen, manchen ist jedoch
selbst dieser Ausweg nicht vergönnt.
Der österreichische Germanist Ludwig Laher hat sich des bedauernswerten
Wolfgang Amadeus Mozart junior angenommen - wussten Sie, dass es den gab?
-, der dieses Schicksal auf sich nehmen musste.
Im Todesjahr des "großen" Mozart als Franz Xaver geboren und gleich
nach dem Tod des Vaters von Mutter Konstanze zwangsweise in Wolfgang Amadeus
umbenannt, hatte er keine Chance, sich gegen die "Klon"-Phantasien seiner
Mutter zu wehren. Schon als Kleinkind wurde er zur Reinkarnation des Vaters
hochstilisiert, natür- lich mit der Vorgabe, diesem gefälligst
an Genie mindestens gleichzukommen wenn nicht ihn zu übertreffen.
Laher breitet die Biographie dieses vergewaltigten Musikers, der er
ja schließlich war, in aller Nüchternheit und ohne überflüssige
Spekulationen oder Sentimentalitäten aus. Ihm geht es nicht nur um
den klinisch-psychisch interessanten weil seltenen Fall Mozart junior
sondern um eine Art Ehrenrettung dieses Menschen, der sowohl zu
Lebzeiten als auch noch heute eher als Kuriosität und passender
Anlass für musikalische Späße gehandelt wurde.
Mozart junior hat es im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Karl,
der klugerweise der Musik ganz entsagte, nicht geschafft, sich dem Einfluss
der Mutter und des übermächtigen Vaters zu entziehen. Beinahe
gehorsam und unauffällig ver- sucht er, dem übermächtigen
Anspruch so gut wie möglich gerecht zu werden. Seine Bescheidenheit
wird ihm als Tumbheit ausgelegt und die Gesell- schaft entblödet sich
nicht, auch noch im 20. Jahr- hundert dem Klatsch einer fragwürdigen
Vater- schaft nachzugehen.
Laher geht mit Zeitgenossen und späteren Bio- graphien streng ins
Gericht, und dabei schont er vor allem Salzburg und den österreich-weit
verkitschten Mozartkult ("Mozartkugeln") nicht. Der Junior war dabei immer
als kleiner Schatten vor dem Licht des Vaters gut genug. Dabei hat er durchaus
gute bis sehr gute Musik komponiert, die heute leider zu selten gespielt
wird.
Ludwig Laher setzt diesem Menschen in seinem Buch ein angemessenes und
unverklärtes Denkmal und holt damit einen Künstler aus der kulturellen
Versenkung hervor, der wahrlich Besseres ver- dient gehabt hätte denn
als "Tanzbär" der Musik- szene vorgeführt zu werden. Gleichzeitig
hält er damit einer Gesellschaft einen Spiegel vor, die den Künstler
weniger nach dem Gehalt seiner Kunst als nach seinem kurzfristigen gesellschaftlichen
Unterhaltungswert bewertet.
Das Buch ist im Haymon-Verlag unter der ISBN 3-85218-304-9 erschienen
und umfasst 175 Seiten. |