Andreas Wenderoth:

Eine abenteuerliche Reise durchs heutige Russland
 

Der Picus-Verlag hat es sich mit seiner Reihe "Picus Reportagen" zur Aufgabe gemacht, Reiseführer abseits der üblichen Norm her- auszubringen. Es geht dabei nicht primär um Sehenswürdigkeiten oder Restaurant- Tipps, sondern um Recher- chen, die das Land und seine Menschen beschreiben. So zeigt die Zugfahrt mit der Transsibirischen "Rossija" das heutige Russland in seiner desolaten politischen Situation aber auch den russischen Men- schen, der sich mit diesem Zustand von Ungewissheit und Un- sicherheit zu arrangieren versteht.

Die Zugfahrt an sich wird zum Überlebens- training. Wie in einem eigenen Mikrokosmos sammelt die "Rossija" verschiedenste Men- schentypen, die ihren unterschiedlichen Geschäften nachgehen. Die Regeln werden stündlich neu vorgegeben, und man muss schon hartgesotten sein, um das Ende der Zugfahrt noch gesund zu erleben. 

Während die endlose sibirische Landschaft vorbeifliegt, aufgelockert nur durch wenige 
windschiefe Häuschen mit noch schieferen Gartenzäunen, findet im Zug das pralle Leben statt. Knapp 10.000 Kilometer gilt es von Moskau nach Wladiwostok zu überwinden. Es geht durch acht Zeitzonen, über Sümpfe, durch Birken- wälder und ewiges Eis.

Der Autor Andreas Wenderoth, Jahrgang 1965, versucht vor allem den Menschen näher zu kommen. Er spricht mit Schaffnern, die mit Kriminellen umzugehen gelernt haben, berich- tet über Ärzte, die komplizierte Operationen unter einfachsten Bedingungen durchführen, und lernt einen Bettler kennen, der beim Bau der Berliner Mauer mitgeholfen hat. Er trifft auf einen abgehobenen Schamanen und einen charakterstarken Bürgermeister, der sich noch für Ideale und Werte in diesem korrupten Land einsetzt. Das Bewegende an diesem Reisebericht besteht gerade in den Begegnun- gen mit den Menschen, die in gewisser Weise einen Urzustand des Daseins bewältigen müssen, der keine verbindlichen Normen und Gesetze kennt.

Das Buch ist im Picus-Verlag, Wien, unter der ISBN 3-85452-724-1 erschienen und umfasst 137 Seiten.