Slavenka Drakulic: "Als gäbe es mich nicht"

Das Leiden bosnischer Frauen im jugoslawischen Bürgerkrieg
 


Was Frauen in Kriegs- zeiten ertragen müssen, wie sie gequält und geschunden werden, berichtet Slavenka Dra- kulic in ihrem dokumen- tarischen Roman "Als gäbe es mich nicht". Sie nennt die Gräueltaten beim Namen, beschönigt nichts und bleibt bei ihrer kompromisslosen Schil- derung dennoch distanziert.

Der Roman über das Schicksal der jungen bos- nischen Lehrerin "S." beginnt im Stockholmer "Karolinska" Krankenhaus. Als Asylantin nach Schweden gekommen, hat "S." gerade ein Kind geboren. Sie hat die unvermeidliche Geburt hinter sich gebracht, aber das Kind interessiert sie nicht. Sie fühlt sich nicht als Mutter, denn das Kind ist das Ergebnis einer Vergewaltigung und hat daher mit ihr nichts zu tun. Und doch ist dieses Wesen 
unschuldig an all den Vergewaltigungen, die seine Mutter in einem serbischen Konzentrationslager über sich ergehen lassen musste.

Trotz der sachlichen Schilderung geht der Roman für einen in Frieden und Sicherheit lebenden Leser an die Grenze des Erträglichen. Man muss sich mit hellem Bewusstsein durch die Beschreibung der schrecklichen Vergehen gegen die Menschlichkeit durchkämpfen, und auf literarischen Genuss darf man nicht hoffen.

Dennoch liegt mit diesem Buch ein weiteres wich- tiges Zeugnis darüber vor, wie der Krieg Men- schen zu grausamen Penigern ihrer Artgenossen werden lässt und wie die Frauen immer am Schlimmsten davon betroffen sind. Es ist ein einziger Aufschrei der Gequälten!

Das Buch ist im Aufbau-Verlag unter der ISBN 3-351-02876-8 erschienen und kostet 36 DM.