Gequälte Aufschreie der Opfer

Briefe von Autoren an Reich-Ranicki
 


Wer kennt ihn nicht, den literarischen Richter - und Henker - der Nation. Wen er im "Literarischen Quartett" lobt, der hat vorerst gewonnen, wen er zer- reisst, der wird für einige Zeit seines Lebens nicht froh. Und immer löckt er wider den Stachel, lässt erst die Kollegen - Sigrid Löffler und Helmut Karasek - vorsingen, bevor er seine pointierte Gegenmeinung formuliert.

Jochen Hieber hat jetzt in einem Taschenbuch die Briefe verschiedener Autoren von Alfred Andersch bis Carl Zuckmayer an ihren Kritiker, Freund und Widersacher herausgebracht. Hier bietet sich das gesamte Panorama menschlicher Empfindlichkeiten von beschwörender, ja nahezu 
liebedienerischer Gefallsucht über selbstbewusste Kommentare und Widerreden bis hin zu ungezü-  
gelter Wut und Empörung über vermeintlich oder tatsächlich ungerechte Kritiken.

Wer mag da im Nachhinein schon beurteilen, wer Recht hat, vor allem, da in diesem Buch nur die Reaktionen, nicht jedoch die sie auslösenden Kri- tiken enthalten sind. Bisweilen wirken die Ausfälle mangels beweisbarer Sachlage wie Spiegelfech- terei der Betroffenen, und nur der Ton (und unse- re Kenntnis des "Literarischen Quartetts") lässt ahnen, wie die Kritik geklungen haben mag.

Für den Leser eröffnet sich so manch aufschluss- reicher und bisweilen entlarvender Ausblick auf die Seelenlandschaft bekannter und renommierter Schriftsteller, die unerwartet von einer vernichten- den Kritik getroffen wurden. Da gerät so manches Lächeln zur Grimasse, und man sieht, dass auch Autoren tiefgründiger Bücher nur Menschen mit ihren Eitelkeiten sind....

Das Buch ist im Aufbau Taschenbuch-Verlag (AtV) unter der ISBN 3-7466-1235-7 erschienen und kostet 19,90 DM.