Uwe Timm: "Der Schlangenbaum"

Eine spannende Abrechnung mit europäischer Arroganz
 

In diesem Roman beschreibt Uwe Timm die Abenteuer des deutschen Ingenieurs Wagner, der als Bau- leiter nach Südamerika geschickt wird. Er ist verantwortlich für den Bau einer Papierfabrik. Wagner nimmt den Auftrag bedenkenlos an, denn seine Bezieh- ung in Deutschland zu Frau und Sohn stagniert und erfüllt ihn nicht mehr. So sieht er in der Auf- gabe in Südamerika  für sich persönlich eine Chance zum Neuanfang. 

Was jedoch anfangs wie eine Flucht nach vorn beginnt, erweist sich schon bald als schier unlös- bare Aufgabe. In Südamerika mahlen die Mühlen anders als in Deutschland. Korruption, völlig andere Wetterbedingungen, Aberglaube und Gewalt prägen Wagners Aufenthalt. Mit deut- scher Gründlichkeit und Durchsetzungsvermögen versucht er, den Bau der Fabrik in den Griff zu bekommen und voran zu treiben, um termin- gerecht fertig zu werden. Bis er die Sinnlosigkeit seines Tuns erkennt, sind einige Bewährungs- proben erforderlich, die sogar seine Existenz bedrohen.

Uwe Timms Roman ist spannungsgeladen von der ersten bis zur letzten Seite. Die Geschichte packt den Leser dermaßen,dass er das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen vermag, ehe die letzte Seite gelesen ist. Dabei handelt es sich hier nicht um einen "Reisser" mit billigen Effekten sondern um ein kritisches Buch, das an unserem europäischen Selbstbewusstsein rüttelt und mit unserer Arroganz des intellektuellen Denkens und Besserwissens aufräumt.

Das Buch ist im Deutschen Taschenbuch Verlag unter der ISBN 3-423-12643-4 erschienen und kostet 16,90 DM.