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Im stalinistischen Moskau der dreißiger Jahre treffen ein Lyriker und ein Re- dakteur in einem Parkauf einen seltsamen Auslän- der und geraten mit ihm in ein Gespräch über die Religion. Als linientreue Kommunisten leugnen beide die Existenz höherer Wesen und spotten über die Jesus-Verehrung aller christlichen Kirchen. Hoch erfreut stimmt Ihnen der Fremde zu, bestätigt allerdings Existenz und Tod von Jesus, da er selbst dabei gewesen sei. Den erstaunten Literaten erzählt er darauf hin die Geschichte von Jeshua Hanosri, der in Jerusalem vor Pontius Pilatus ange- klagt und zum Tod verurteilt wurde. Den beiden Männern prophezeit er nebenbei eine triste Zukunft: schnellen Tod dem Einen und Geisteskrankheit dem Anderen.
Als kurz darauf der eine der beiden diesen Spinner nur verspottenden Atheisten unter die Straßenbahn gerät, packt den anderen das nackte Grauen, und als er noch im Schock unter desolaten Begleitumständen der Polizei den Hergang des Geschehens erzählt, landet er folgerichtig in einer psychiatrischen Klinik.
Der aufgeklärte Leser merkt natürlich schnell, wer da mit den beiden bedauernswerten Männern gesprochen hat: der Teufel persönlich. Mit seinem seltsamen, den Märchen entlehnten Personal zieht er anschließend eine Spur der Vernichtung durch Moskau, jedoch nicht im Stil heutiger Horror-Filme, sondern auf satirische Weise, indem er Vertreter der Bürokratie und der Kultur durch seine teuflischen Fähigkeiten narrt, ruiniert und von ihren Posten verjagt.
Parallel zu dieser Moskauer Groteske wird die Geschichte der letzten Tage von Jesus wie aus dem Mund eines nüchternen Augenzeugen erzählt, ohne die mythische Überhöhung späterer Apostel und Kirchenmänner.
Michail Bulgakov(1891-1940) greift in seinem Roman zum Mittel der religiösen Satire, um die Zustände unter Stalin anzuprangern. Er schreibt einem sowieso nicht existenten Teufel exakt die Willkür des Stalinschen Machtapparats zu, um der Zensur zu entgehen, konnte aber seinen Roman dennoch erst in den 60ern veröffent- lichen. Wie von Geisterhand verschwinden Direktoren und Administratoren von ihren Posten oder kehren mit gewaschenem Gehirn zurück, andere enden in Irrenanstalten. Das alles geschieht offensichtlich ohne Plan und Grund, sondern nur aus einer Laune des Bösen.
Bulgakov verbindet die beiden knapp zweitausend Jahre auseinander liegenden Ereignisse nicht nur über den satanischen Erzähler, sondern auch über das Thema - gezielte Eliminierung unbequemer Geister - sowie über viele kleinere symbolische Kongruenzen, so die Bedeutung der Kleider bei der Kreuzigung und der Variete-Veranstaltung des Teufels in Moskau.
Doch trotz dieser Verbindungen bilden die beiden Handlungsstränge keine Einheit. Man merkt deut- lich, dass dieser Roman in mehreren Anläufen aus verschiedenen unabhängigen Entwürfen zusam- mengesetzt wurde. Das mindert zwar nicht den Charme der Satire und die Eindringlichkeit der Kreuzigungsszene, es hat aber eine Zweigleisigkeit zur Folge, die sich nur mit gutem Willen und über den Kopf auflösen lässt. Dazu kommt noch die erst am Ende des Romans eingefügte, titelgebende Episode des Meisters und seiner Margarita, die sich nicht aus der Handlung heraus ergibt und auch keinen befriedigenden Abschluss findet. Der
Moskauer Faden des Romans hängt in der Luft.
Dafür übernimmt die Kreuzigungs- und Todes- szene Jesu die Verantwortung für einen eindrucks- vollen Schluss des Romans.
Die Regisseurin Petra Meyenburg hat den Roman mit 75 Schauspielern aufwendig und eindrucksvoll in Szene gesetzt und dabei vor allem die satiri- schen Elemente der Moskauer Szenen und die realistisch- grausame Seite der Ereignisse im alten Jerusalem betont. Im Grunde genommen inszeniert sie mit dem Hörspiel zwei weitgehend unabhängige Hand- lungsstränge, die nur lose durch den Willen des Roman- Autors verbunden sind. Jede dieser beiden Geschichten ist jedoch so eindringlich und glaubwürdig dargestellt, dass sich sozusagen ein doppelter Hörgenuss ergibt. Man muss nur in der Lage sein, sich schnell auf den jeweiligen Kontext umzustellen.
Das Hörbuch ist im HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89854-672-4 erschienen und umfasst 4 Kas- setten mit einer Gesamt-Laufzeit von 375 Minuten.
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