Tom Wolfe:“Ein ganzer Kerl“

Roman über Geld, Geschäfte und politischen Klüngel
 

Charlie Croker ist wirklich ein „ganzer Kerl“. Ehemaliger gefei- erter Football- Star, hat der mittlerweile Sechzigjährige in Atlanta ein Immobilien- Imperium auf- gebaut und zählt diverse Villen, Luxuslimousi- nen und Flug- zeuge sein eigen. In seiner Freizeit geht er gern mit Geschäfts- freunden und solchen, die es werden sollen, Wachteln schießen in einem eigens dafür herge- richteten Areal. Auch dabei übertrifft der breit- schultrige und bärbeißige Erfolgstyp seine Jagd- gefährten. Doch die Wirklichkeit hat Charlie längst eingeholt: mit seinen Immobilienspekulationen hat er zu hoch gepokert, und im Grunde genommen steht er kurz vor dem Ruin. Als die Banken sich endlich ein Herz fassen und ihm ans Leder gehen, scheint sein letztes Business-Stündlein geschlagen zu haben....

Zur gleichen Zeit wird ein stadtbekannter farbiger Footballspieler – seines Zeichens Hoffnungsträger nicht nur des lokalen Sports sondern auch seiner schwarzen Brüder in der mehrheitlich von Farbigen bewohnten Stadt – der Vergewaltigung einer jungen Frau beschuldigt, die ausgerechnet auch noch die Tochter von Charlies wichtigstem Geschäftspartner ist. Noch ehe das Gerücht über diesen Verdacht umgeht, wählt der – farbige – Bürgermeister Atlantas ausgerechnet Charlie als potentiellen öffentlichen Fürsprecher für den verdächtigten Sportler aus: glaubwürdig als ehemaliger Footballstar und gleichzeitig erpressbar wegen seiner finanziellen Lage.... In dieser Situaton trifft Charlie auf Conrad, einen seiner ehemaligen Angestellten, der aufgrund der miesen Lage entlassen worden ist, durch einen dummen Zufall ins Gefängnis gerät, bei einem Erdbeben („deus ex machina“) entkommt und unter falschem Namen ausgerechnet als Pfleger dem frisch am Fuß operierten Charlie zugeteilt wird. Im Gefängnis ist dem eher schlichten Conrad ein Buch über die Stoiker in die Hände gefallen, das er in Ermangelung anderer Lektüre verinnerlicht und schließlich Epiktets stoischen Lebensregeln auf sein eigenes Leben bezieht.

Mit diesem Rüstzeug tritt er dem im tiefsten Schla- massel steckenden Charlie gegenüber, und es ergibt sich zwischen dem Jungen und dem Alten ein Gespräch über das Leben, in dem Conrad zu jedem von Charlie aufgeworfenen Problem einen Kommentar Epiktets anführen kann. Aufgrund dieses Diskurses zweier philosophischer Laien entwickeln sich die Dinge in Atlanta schließ- lich ganz anders, als Einige es sich gedacht oder geplant hatten. Doch mehr sei hier nicht verraten.

Tom Wolfe nimmt in seinem Roman – wie schon in „Fegefeuer der Eitelkeiten“ - wieder einmal die Gigantomanie des US-Business aufs Korn genom- men. Hier leben Tycoone von geliehenem Geld in geradezu wahnwitzigem Luxus, und Banken star- ren darauf wie Kaninchen auf die Schlange, per- manent in der Angst, ihr Geld durch gerechtfertigte Forderungen endgültig zu verlieren.

Die Gesellschaft ringsum liegt dem Spekulanten zu Füßen und drängt sich mit aller Macht in seinen Dunstkreis. Wenn sich jedoch das Ende abzeich- net, sucht jeder das Weite oder versucht sich im Plündern...... Charles Brauer, im „Tatort“ Kompagnon von Manfred Krug alias Kommissar Stöver, liest den Roman mit viel Sinn für den teilweise drastischen Humor und die satirischen Züge. Bei ihm werden die Figuren lebendig, allen voran der Urtyp Charlie Croker – ein „ganzer Kerl“.

Das Audio-Buch ist im HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89584-657-0 erschienen und umfasst 4 Kassetten mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 5 Stunden.