Theodor Storm: "Der Schimmelreiter"

Die Novelle über die Ängste der Küstenbewohner als Hörbuch
 

Wer hat nicht als Schüler Storms Novelle über den reitenden Geist des Deichgrafen Hauke Haien gelesen, sei es gelangweilt in der Schule oder gebannt zu Hause. Wer das Hörspiel heute mit Abstand hört, entdeckt erstaunlich viel Kritik nicht nur an den ständischen Eitelkeiten der Zeit sondern an Neid und Missgunst als bestimmenden Faktoren des menschlichen Zusammenlebens. Die Geschichte des intelligenten und ehrgeizigen Jungen Hauke, der sich gegen alle gesellschaft- lichen Widerstände durchsetzt, um Deichgraf zu werden, der den Deichbau gegen die landläufige Ansichten seiner Mitbürger revolutioniert und sie dadurch vor Schaden bewahrt, und der schließlich mit seiner gesamten Familie in der Sturmflut unter- geht, asziniert auch heute noch durch ihre

Mischung aus hochromantischem Aberglauben und nüchterner Tatsachenbeschreibung. Theodor Storm hält in dieser Novelle den Übergang von der glaubensfixierten auf eine aufgeklärte Gesellschaft schnappschussartig fest. Die Rückblendetechnik aus der Sicht des Erzählers ist dabei eher als damals beliebte Form der Erzähliung zu verstehen.

Otto Mellies liest die Novelle mit überzeugender Kraft und Ausdrucksbreite. Da werden in einer einzigen Stimme die unterschiedlichsten Charaktere deutlich, sowohl der geradlinige und starke Hauke Haien wie auch der genusssüchtige alte Deichgraf oder der missgünstige Großknecht Ole Jensen. Die dramatischen Ereignisse zum Schluss der Novelle packen den Zuhörer auch noch nach 150 Jahren.

Das Hörspiel ist als Reclam-Hörbuch unter der ISBN 3-15-120005-2 erschienen und umfasst 4 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 257 Minuten.