Ignazio Silone: "Wein und Brot"

Autobiographischer Roman über das arme Süd-Italien
 

Ignazio Silone hat in diesem Roman seine eigene Lebensge- schichte als von Mussolinis Polizei gesuchter Kommu- nist aufgearbeitet. Fast deckungsgleich wie der Autor selbst verliert Pietro Spina früh seine beiden Eltern und wendet sich in den zwanziger Jahren aus Verbitterung über die trostlosen sozialen Verhältnisse und das feu- dale Ausbeutersystem in Süd-Italien dem Kommu- nismus zu, nur um ihm Jahre später wegen des Stalinismus wieder abzuschwören. Über Jahre lebt er im Ausland, dann unter einer falschen Identität in den Abruzzen.

Silone schildert das kärgliche Leben der Landbe- völkerung und ihren Fatalismus gegenüber Staat und Regierung. Die Kirche bildet den eigentlichen Halt dieser Menschen, und fast wider Willen wird Spina in seiner priesterlichen Tarnung zum christ- lichen Wohltäter. Das ist nicht ohne Humor, wenn auch die Realität des Untergetauchten alles andere als humoristisch ist. Am Ende ereilt ihn das Schicksal, was dem Autor glücklicherweise erspart blieb, der erst in den 70er Jahren in vorgerücktem Alter starb.

Reinhold Joppich liest den mehr melancholischen denn empörten Rückblick in die dunkle Zeit des italienischen Faschismus mit viel Gespür für die Ironie und den stillen Humor hinter den Schilde- rungen des täglichen Lebens eines politisch Verfolgten.

Das Audio-Book mit 2 Kassetten und einer Gesamtlaufzeit von 180 Minuten ist beim HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89584-806-9 erschienen.