"Dies alles habe ich Hans Castorp mitgegeben"

Thomas Manns "Zauberberg" in einer Hörfassung
 



"Der Zauberberg" ist eines der zentralen Werke des großen deutschen Romanciers. Die Geschichte des jungen Hans Castorp, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg seinen Vetter in einem Davoser Lungensanatorium besucht und dort als unvermutet Kranker sieben Jahre lang bleibt bis der Krieg ausbricht, ist vom Bayerischen Rundfunk in einer aufwendigen Produktion mit 35 verschiedenen Rollen akustisch umgesetzt worden.

Hans Castorp kommt als vermeintlich gesunder Absolvent eines Schiffbau-Studiums aus dem hanseatischen Hamburg nach Davos und trifft dort auf eine morbide Gesellschaft, die dem Lungentod tapfer entgegenlächelt, in einer eigenen, abgeschlossenen Welt lebt und den anfangs skeptischen und eher belustigten Hans Castorp zunehmend in ihren Bann schlägt. Die Bewohner des Sanatoriums sind ein Spiegelbild einer dekadenten und todgeweihten Gesellschaft, die unwissentlich dem Untergang im Ersten Weltkrieg entgegen dämmert. Alle Archetypen der vorletzten Jahrhundertwende sind hier vertreten: die russische Gräfin, die schwindsüchtigen jungen Mädchen, der bitteren Intellektuelle und Philosoph, die abgehärteten und wenig sensiblen Ärzte, die das Ableben der Patienten mit salopp-strammen Sprüchen begleiten.

Um diesen handlungsarmen Gesprächsroman für den Zuhörer attraktiv zu gestalten, hat Dramaturgin Barbara Schäfer alle Rollen mit unterschiedlichen Sprechern besetzt. Die Aufnahmen erfolgten unter großem Aufwand und hatten zum Ziel, nicht nur die Atmosphäre des "Berghofs" wiederzugeben, sondern auch die ersten Erfahrungen der Protagonisten mit den aufkommenden Tonträgern akustisch nachzuempfinden. Dazu musste man eigens ein Grammophon aus dieser Zeit requirieren und die Tonwiedergabe dieses Geräts in das heutige Hörspiel integrieren.

Eine separaten CD enthält unter dem Titel "Das alles habe ich Hans Castorp mitgegeben" Aussagen von Thomas Mann zur Entstehungsgeschichte des "Zauberbergs", gelesen von Udo Samel.

Die Aufnahmen zu dem zehnteiligen Hörspiel begannen unter der Leitung von Regisseur Ulrich Lampen im Mai 2000 und dauerten 26 Tage. Nach Abschluss der Aufnahmen wurden die Ton-Sequenzen zwei Monate lang zusammengeschnitten und mit den entsprechenden Geräuschen und der Hintergrundmusik versehen. Das Ergebnis stellt einen Meilenstein in der Hörspielproduktion dar. Vom ersten Moment ist der Zuhörer gefangen von der morbiden und doch so dichten Atmosphäre dieses Romans, dem man eigentlich keine Hörwirkung zutraute. Thomas Manns ausgefeilte und weit tragende Sprache stellt dabei ein wichtiges Element der eindringlichen Wirkung dar.

Wer Thomas Mann - und seinen "Zauberberg" kennt und - damit auch - schätzt, sollte sich die Hörfassung nicht entgehen lassen. Sie wird vom 27.12 bis zum 5.1. täglich um 11 und 19 Uhr in Bayern 2 ausgestrahlt und ist - alternativ - beim HÖR-Verlag unter der ISBN 3-9584-813-1 (8 Kassetten) bzw. 3-9584-182-X (10 CDs) zum Preis von 98,90 DM (MC) bzw. 149 DM (CD) erhältlich.