| Jozef Ignacy Kraszewski: "Gräfin Cosel" |
| Aufstieg und Fall der Geliebten von August dem Starken | |
Im 18. Jahrhundert waren die Mätressen der Herr- scher eine normale und weitgehend akzeptierte Erscheinung, basierten doch die Ehen weitaus häufiger auf dynastischen denn auf erotischen Grundlagen. Meist blühten sie nur einige Jahre in ihrer Rolle und wurden anschließend mit einem kleinen Landsitz abgefunden und verschwanden vom Hof. Anna von Brockdorff, die Gattin des Steuereintreibers des sächsischen Königs August der Starke, ist jedoch nicht bereit, diesen Gang zu gehen. Als August sie "entdeckt" und ihr umgehend Avancen macht, erklärt sie ihm, nur auf der Basis eines schriftlichen Eheversprechens sein Lager teilen zu wollen. Blind vor Begehren unterzeichnet August dieses Dokument und sieht sich von Anna reich belohnt. Schnell lernt Anna, die Fäden am Hofe zu ziehen, und schafft sich dadurch unter den eingesessenen Höflingen viele Feinde. Doch die Liebe Augusts schützt sie lange Zeit vor offenen Anfeindungen und Intrigen.
Irgendwann jedoch langweilen August die ewigen Querelen zwischen seinen wichtigsten Gefolgs- leuten und seiner Geliebten, und als sie schließ- lich gar seine Entscheidung zwischen ihr und seinem wichtigsten General verlangt, steht für ihn der Entschluss fest, sie loszuwerden. Seine Aktivitäten in Polen bringen ihm eine hübsche polnische Adlige nahe, und damit ist auch die erotische Nachfolge gesichert.
Anna jedoch weigert sich abzutreten und beginnt zu kämpfen. Ihr Faustpfand dabei ist das Ehever- sprechen, das August unbedingt zurück erhalten muss, um dynastische Erbfolgeprobleme zu verhindern.
Doch bald schon zeichnet sich ab, dass eine einzelne, auch noch so couragierte Frau ge- gen einen absoluten Herrscher nicht gewin- nen kann. Sie wird von Stadt zu Stadt gejagt und schließlich für den Rest ihres Lebens festgesetzt. So endet das Leben einer der schönsten und klügsten Frauen in einer fer- nen sächsischen Festung nach jahrzehnte- langer Haft.
Unter der Regie von Walter Niklaus lesen bekannte Sprecher wie Corinna Kirchhoff (Anna), Thomas Thieme (August), Ernst Jacobi (Erzähler) und andere. Die Personen wirken durchweg lebensnah und erzeugen sogar ein gewisses Zeitkolorit, so dass der Leser sich in die Zeit des frühen 18. Jahr- hunderts zurückversetzen kann.
Wer etwas über das Hofleben dieser Zeit er- fahren will, sollte sich dieses dokumentari- sche Hörspiel nicht entgehen lassen.
Die CD mit einer Laufzeit von 134 Minuten ist im Audio-Verlag unter der ISBN 3-89813-156-4 erschienen.
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