| |
Das Münchner Original Karl Valentin ist einer der wenigen zeitlosen Kleinkünstler, die auch nach 60-70 Jahren nicht an Aktualität und Witz eingebüßt haben. Seine überraschenden Paradoxien entwickeln oftmals geradezu philosophischen Glanz und entlarven die Monotonie und Gedankenlosigkeit des täglichen Lebens. Ein besonders gutes Beispiel ist dabei der "Buchbinder Wanninger", der mit zunehmender Verzweiflung versucht, die Mitteilung über die fertiggestellten Bücher bei der Baufima Meissner loszuwerden. Man reicht ihn von Ansprechpartner zu Ansprechpartner weiter, in geradezu kafkaesker Weise erreicht er nie den zuständigen Mitarbeiter und muss seine Mitteilung mit wachsender Desintegration der Sprache immer wieder neu formulieren. Am Ende ist er seine Botschaft nicht erfolgreich losgeworden, aber an den Menschen und der Sprache verzweifelt. Dem Zuhörer bleibt zum Schluss das Lachen im Halse stecken.
Die vorliegende CD enthält noch eine Reihe weiterer Sketches, so die Geschichte vom "hohlen Zahn", "Das Aquarium" und andere. Allerdings schwankt die Qualität dieser Texte stark und unterschreitet bisweilen die Grenze zum platten Kalauer, obwohl auch dieser noch einen gewissen - begrenzten - Charme verbreitet.
Wer jedoch vor allem Karl Valentin und seine Partnerin Liesl Karstadt schätzt und auch vor simpleren Geschichten nicht zurückschreckt, findet auf dieser CD amüsante und oft überraschend paradoxe Unterhaltung.
Die CD mit einer Laufzeit von 68 Minuten ist im HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89584-881-6 erschienen.
|