| Lion Feuchtwanger:"Erfolg" |
| Eine ahnungsvolle Geschichte aus Münchner Bierkellern | |
Der Münchner Lion Feuchtwanger kam aus gutem jüdischen Hause und verschrieb sich bald der "unseriösen" Kunst. Nach der Machtergreifung floh er vor den Nazis in die USA und starb dort 1958. In seinem Roman "Erfolg" schildert er die bewegten Jahre nach dem ersten Weltkrieg bis 1923 in München. Mit hoher Beobachtungsgabe gesegnet, beschreibt er die unterschiedlichen Archetypen der Münchner Gesellschaft, die damals noch nicht von der "Bussi"-Schickeria des ausgehenden 20. Jahrhunderts geprägt war, sondern von bodenständigen, erzkonservativen Bayern. In einem breiten Stammtisch-Porträt erfahren Politiker und Künstler der damaligen Zeit entsprechende Würdigung, und Rückschlüsse auf historische Personen sind nicht nur erlaubt sondern geradezu erwünscht. Kenner der Materie werden Ähnlichkeiten mit Ganghofer und Ludwig Thoma, Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger selbst erkennen. Als lächerliche und doch - in der Rückblende - bedrohliche Figur erscheint der politische Schwadroneur Kuzner, der sich mit rollendem "R" über den Niedergang der Nation und das Judentum auslässt. Die Syntax des Namens lässt den Namenspaten deutlich erkennen, doch der Roman konnte die wahre Entwicklung nicht voraussehen.... Und dennoch zeigt der Roman den Nährboden, in dem Hitler und seine Gefolgschaft wachsen und gedeihen konnten. Die bierselige, reaktionäre Gesinnung von Bürgern und Politikern, die Vettern- wirtschaft und das Obrigkeitsdenken lassen den Eindruck entstehemn, als habe der Erste Weltkrieg mit seinen Schrecken nicht stattgefunden. Die Handlung beschränkt sich auf einzelne Episoden und Diskussionen zwischen den einzelnen Figuren und dient mehr der Charakterisierung der Typen denn einer Spannungserzeugung. Der Vorleser Jörg Huber wird begleitet von der Musik-Gruppe "Biermösl Blosn", die satirische Lieder im urtümlichen bayerischen Dorffest- Stil präsentieren. So volksnah und lustig dieser Gesang musikalisch wirkt, so zugespitzt, scharf und gar nicht bayerisch-lustig sind die Inhalte. Da werden politische Ereignisse der letzten vierzig Jahre kommentiert und typisch bayerisch-konservatives Brauchtum durch den Kakao gezogen. Vieles in diesem Hörbuch wirkt fast gemütlich, und man kann sich die Personen mit rotem Biergesicht, vorstehendem Bauch, Uhrkette und dröhnender, der eigenen Bedeutung Aus- druck verleihenden Stimme bildlich vorstellen. Nur leider lauert hinter dieser liebenswürdig-konservativen Idylle das Vorurteil und die Suche nach dem nationalen Sündenbock, die denn ja auch einige Jahre später fündig wurde.... Das Hörbuch umfasst zwei CDs mit einer Laufzeit von 130 Minuten und ist im Audio- Verlag unter der ISBN 3-89813-132-7 erschienen. |