Oskar Maria Graf: "Unruhe um einen Friedfertigen"

Hörspiel über die Umbrüche im frühen 20. Jahrhunderts
 

Der Schuster Kraus lebt ein friedfertiges Leben im beschaulichen bayerischen Dorf Aufing. Nach dem Tod seiner Frau und dem Verschwinden seines Sohnes lebt er nur noch für seine Arbeit, die darin besteht, das Schuhwerk der Landbevölkerung in Ordnung zu halten. Man schreibt das Jahr 1913/14 und alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen, von lokalen Unglücksfällen einmal abgese- hen. Die Unruhe entsteht, als im Sommer 1914 erste Kriegsgerüchte aufkommen und Reservisten eingezogen werden. Kraus berührt alles wenig, er zieht sich in seine vier Wände und zu seinen Schu- hen zurück, hofft im Stillen auf eine Wiederkehr seines Sohnes.

Der Krieg zeichnet seine Spuren auch in die Aufinger Dorfgeschichte. Die beiden Söhne des Bürgermeisters fallen, und die Tochter eines anderen angesehenen Bauern erwartet ein Kind von einem russischen Kriegsgefangenen, was natürlich die bibeltreuen Bügrer und vor allem die Priester des nahen Klosters in Aufruhr versetzt, vor allem, als sich auch noch der Bürgermeister als Vormund für "das Bankert" einsetzen lässt. Kraus erhält irgendwann einen Bettelbrief von seinem durchge- brannten Sohn und versetzt zu diesem Zweck die alte goldene Uhr, die ihn schließlich als Abkömm- ling einer jüdischen Familie aus Odessa ausweist.

Mit dem Ende des Krieges brechen alle Wertvor- stellungen zusammen. Der Kaiser dankt ab, Rot- gardisten versuchen, die Landbevölkerung für sich zu gewinnen, es kommt zu Schießereien, und die ersten Toten dieser bürgerkriegsähnlichen Ausein- andersetzungen sind auch im Dorf zu beklagen. Ehemalige Frontsoldaten aus der Dorfbevölkerung zeigen deutlich ihren Hass auf die Schuldigen für die "Dolchstoßlegende", die Juden, und drohen ihnen schon einmal prophylaktisch Ungemach an, falls sie einmal an die Macht kommen. Die Dorf- bewohner nehmen diese jungen Spinner nicht ganz ernst, und vor allem der friedfertige Kraus hält sich aus allem heraus, bezieht keine Stellung und hofft, dadurch unbehelligt zu bleiben

Doch die Geschichte eilt voran: die Inflation nährt die sich langsam ins Braune färbende Brut der Judenhasser, es kommt zu schärferen Auseinan- dersetzungen, und die vereinzelten Linken des Dorfes ahnen bereits dunkel, was da auf sie zukommen wird.

So geht es weiter bis zu Hitlers Wahl zum Reichskanzler, der brutalen Machtergreifung "vor Ort" durch die SA, die Verfolgung Anders- denkender und vor allem der Juden. Stück für Stück werden die bürgerlichen Rechte und Freiheiten geschleift, ohne dass sich die Bewohner dessen so richtig klar werden. Als sie es merken, ist es zu spät.

Oskar Maria Graf hat in diesem Roman den ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik und Hitlers Aufstieg aus der Perspektive eines kleinen bayerischen Dorfes aufgerollt, viel Lokalkolorit beigemischt und auch an defti- gem Humor nicht gespart. Aber bei allem Volkstümlichen schimmert doch immer der wachsende Schrecken und die Bedrohung durch, so dass am Ende vom lustig-kernigen Bayerntum nicht viel bleibt.

Unter der Regie von Ulrich Heising agieren so renommierte Sprecher wie Irm Hermann, Walter Schmidinger, Günter Maria Halmer und viele Andere als Interpreten. Dazu liefern die "Biermösl Blasn" die Zwischenmusiken.

Das Hörbuch umfasst 2 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 144 Minuten und ist im Audio-Verlag unter der ISBN 3-89813-174-2 erschienen.