| Isabel Allende: "Stadt der wilden Götter" |
| Hörbuch über eine gefährliche Reise auf dem Amazonas | |
Isabel Allende ist vor allem bekannt geworden durch ihre gesellschaftskritischen Bücher über die Zustände in Chile zu Zeiten der Militärdiktatur und über die feudalen Herrschaftsstrukturen in diesem Lande. Später hat sie ihre Themen ausgeweitet auf internationales Terrain mit eher hergebrachten menschlichen Problemen oder aktuellen Krisen.
In dem vorliegenden Roman wird der fünfzehnjährige Alex aus seiner heilen amerikanischen Familie gerissen, da seine Mutter schwer an Krebs er- krankt ist. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, nimmt ihn seine etwas knorrige und eigenwillige Großmutter mit auf eine Forschungsreise zu den Indianer im Amazonas-Gebiet, die sie als Journa- listin für ein Fachmagazin begleitet.
Der Hauptzweck der Teilnahme von Alex ist schnell erfüllt, denn die Menge der neuen Eindrücke, die täglich auf ihn einstürzen, raubt ihm schnell alle Gedanken an seine kranke Mutter, seinen Vater und seine Schwestern. Als er die kleine Tochter des einheimischen Führers der Expedition kennen- lernt, tun sich die beiden zusammen und verfolgen die Ereignisse als eingespieltes Team auf der Schwebe zwischen Kindheit und ersten Ahnungen eines anderen Verhältnisses.
Allerdings kommen sie kaum dazu, ihr fast kindli- ches Verhältnis zueinander zu überdenken, denn die Ereignisse überschlagen sich. Ein lokaler Geschäftsmann hat im Verein mit dem bestoche- nen Militärvertreter vor Ort Anderes im Sinn. Diesen Beiden passt es nicht, dass die Expedition die Indianer besuchen will und dabei eventuelle Ver- brechen an Umwelt und Urbevölkerung aufdecken könnte. Der Hörer erfährt nur Andeutungen finsterer Machenschaften und ahnt Schlimmes, die Expedi- tion jedoch verfügt nicht über den Einblick in das Wissen ihres Erfinders und Autors und fährt ahnungslos den Strom flussaufwärts in die grüne Wildnis hinein. Bald jedoch kommt es zu ersten Todesfällen und schweren Verletzungen, die teils von wilden Tieren herrühren und teils den angeblich brutalen Indianern angehängt werden. Als schließ- lich die letzten Begleitsoldaten in panischer Angst nachts mit dem einzigen verbliebenen Boot ver- schwinden, sitzt die Expedition allein im Dschungel am Flussrand und muss sich nun der Tiere des Dschungels und der angeblich mörderischen Indianer erwehren.
Und mitten unter ihnen sind die beiden Jugendlichen, die durch Zufall mehr wissen als alle anderen und deshalb umso mehr gefährdet sind....
Wer wissen möchte, wie diese spannende Geschichte ausgeht, sollte sich das Hörbuch beschaffen. Wir wollen hier niemandem die Spannung rauben. Das Hörspiel ist spannend und lehrreich zugleich aufgebaut, allerdings hat es den Charme und den Anflug von Biederkeit "guter" Jugendliteratur. Erwachsenen mit Hör- und Leseerfahrung kommt Vieles doch etwas naiv vor; außerdem stört etwas der Zeigefinger der politischen Korrektheit, die zwar von der Sache nicht angreifbar ist, sich aber etwas zu sehr in schwarz-weißen Charaktermasken ergeht. Die Bösen sind Bilderbuch-Böse, und die Guten strotzen vor Ehrlichkeit, trockenem Humor und Selbstlosigkeit. Halt so richtig ein Buch, das im Mittelwesten der USA "ankommt".
Das Hörbuch umfasst 8 CDs (in 4 Kssetten) mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 580 Minuten und ist im HÖR- Verlag unter der ISBN 3-89940-023-2 erschienen.
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