Jakob Arjouni: "Kismet"

Krimi im Frankfurter Unterwelt-Milieu
 

Kemal Kayankaya ist Privatdetektiv in Frankfurt, der Stimme des Sprechers nach zu urteilen ein noch recht junger, fast unbedarfter. Das Timbre des Sprechers will jedenfalls nicht so recht die Asso- ziation an Philip Marlowe oder Mike Hammer auf- kommen lassen, eher die an einen Gymnasiasten mit feierabendlichen Detektiv-Ambitionen.

Doch sei´s drum, die Wahl der Sprecher ist ja nur eine Seite der Medaille. Die Handlung selbst ist gnadenlos genug. Da sitzen Kemal und sein Freund und Kollege Slibulsky zu Beginn in einem Schrank ihres brasilianischen Freundes und Res- taurantbesitzers Romario, um einige Schutzgeld- erpresser auf frischer Tat zu ertappen, die Romario vor einigen Tagen gedroht haben. Als diese, blond perückiert, gepudert und BMW-bestückt, tatsäch- lich eintreffen, entwickelt sich die als kräftige Prü- gelei geplante Überrumpelung zur tödlichen Schie- ßerei, bei der die Erpresser das Zeitliche segnen. Kemal und Slibulsky rufen jedoch nicht die Polizei, sondern entsorgen die Leichen im Taunus, und Kemal folgt den im BMW gefundenen Spuren, um seinem tödlichen Tun nachträglich einen Sinn zu geben.

Bei seinen Recherchen gerät er immer tiefer in die dunklen Machenschaften kroatischer Schutzgeld- erpresser, die das Frankfurt-Offenbacher Revier von der alteingesessenen Russen- und Italiener-Mafia übernehmen wollen. Damit ist allerdings der Hand- lungsfaden auch schon an seinem Ende, die Böse- wichter sind schnell identifiziert, und der Rest des Hörspiels dient nur noch dazu, den Showdown vorzubereiten und effektvoll in Szene zu setzen.

Arjouni hat mit diesem Krimi nicht gerade ein Meisterwerk der Dramaturgie abgeliefert. Zu schnell sind die Strukturen klar, und Span- nung will eigentlich nicht so recht aufkommen. Selbst die anfangs mysteriös angelegte Geschichte um das junge Mädchen in der Ausländerunterkunft kann sich nicht mehr zu dramatischer Spannung aufraffen und verläuft eher im Sande. Am Ende besiegt Kemal im Verbund mit diesmal halbwegs anständigen weil selbst betroffenen Albanern die bösen Kroaten in einem blutigen Finale und leckt sich anschließend fernab jeder polizeilichen Einflussnahme seine dezent ausgewiesenen moralischen Wunden.

Man muss dieses Hörspiel nicht unbedingt gehört haben, doch für Freunde des harten Vorstadt-Krimis mag es durchaus einigen Unterhaltungswert aufweisen.

Das Hörbuch umfasst 1 CD mit einer Laufzeit von ca. 69 Minuten und ist im Audio-Verlag unter der ISBN 3-89813-204-8 erschienen.