Vladimir Nabokov: "Pnin"

Roman über einen versponnenen Professors
 

Mit seinem Aufsehen erregenden Roman "Lolita", der in sinnlich-bewegtem Stil die Liebe eines älteren Mannes zu einer Zwölfjährigen schildert, ist Vladimir Nabokov weltweit bekannt geworden. Alle seine Romane sind psychologische Darstellungen persönlicher, oft pathologischer Schicksale, verbun- den mit Gesellschafts- und Moralkritik. Als freier Schriftsteller und anerkannter "Lepidopterologe" (Schmetterlingskundler) residierte er mit seiner Frau im "Palace"-Hotel in Montreux am Genfer See, mit wechselnden Aufenthalten in St. Peters- burg, Prag, England, Deutschland, Südfrankreich und Amerika. Zahlreiche Gedichte, Erzählungen und Romane veröffentlichte er unter dem Pseudo- nym W. Sirin.

Timofey Pavlov Pnin - so der Titel der vorliegenden Geschichte - ist ein schrulliger Exilrusse, den es - wie Nabokov selbst - an ein amerikanisches College verschlagen hat, wo er von einem "pninschen" Missgeschick zum nächsten stolpert. Nabokovs Erfindung eines lachhaften Ritters von der traurigen Professorengestalt ist sein dreizehnter Roman und sein vierter in englischer Sprache. Viele literarische Qualitäten, die der auf den ersten Blick so harmlose "Pnin" in sich birgt, erschließen sich erst auf den zweiten oder dritten Blick, was bedeu- tet, dass man "Pnin" nicht immer gleich versteht und das Hörbuch so mehrfach genießen kann.

Die sieben Kapitel des Buches sind jedes für sich ein kleines literarisches Wunder. Mit der Naivität eines kleinen Kindes wundert sich der große Gelehrte Pnin über eine Welt, die es ihm unter anderem ermöglicht, sein neues Gebiss herauszu- nehmen und sich damit zuzulächeln. So entstehen Satz für Satz im anfangs leichten Plauderton Anekdoten, die den Zuhörer weniger durch eine spannende Handlung als vielmehr durch ihre assoziative Erzählweise in den Bann ziehen; und das in einem russisch-deutschen Jargon, der noch nie gesehene Bildfolgen im Kopf erscheinen lässt. Fasziniert wie von der fragilen Schönheit eines vielfarbi- gen Schmetterlings, staunt man über Nabokovs sprachverliebte Beschrei- bungen. Zeugnissen größter Belesenheit folgen Kalauer und sprachliche Slapstick- Einlagen, und immer wieder überraschen die Kommentare eines allwissenden Erzählers, der am Ende persönlich den armen Pnin aus seinem Paradies vertreibt. Man kann den "Pnin" getrost in einzelnen (CD-)Scheiben genießen. Seine ganze Tiefe aber erschließt sich erst im Zusammenhang des Gesamt- werkes.

Das Hörbuch umfasst 6 CDs mit einer Laufzeit von ca. 423 Minuten und ist im Audio-Verlag unter der ISBN 3-89813-196-3 erschienen.