| Paul Auster: "Timbuktu" |
| Der Tod aus der Sicht eines Hundes | |
Der zeitgenössische amerikanische Autor Paul Auster hat das Publikum immer wieder durch ausgefallene Sujets und Blickwinkel überrascht. In dem vorliegenden Roman behandelt er die elementaren Themen "Leben" und Sterben" aus der Sicht eines Hundes. Dieser Kunstgriff erlaubt ihm die nötige ironische Distanz, ohne die ein solches Buch leicht in falschen Tiefsinn abgleiten könnte.
Mr. Bones ist ein Hund, der mit seinem Herrchen Willy durch die Gegend zieht. Willy war vor langer Zeit einmal ein hoffnungsfroher Literat, der es jedoch nicht zu Ruhm und Wohlstand, sondern nur zum Alkoholiker und Obdachlosen gebracht hat. Einsam ziehen Willy und Mr. Bones durch die unwirtlichen Städte und versuchen, sich recht und schlecht am Leben zu erhalten. Willy jedoch hat unter Alkohol, Zigaretten und jetzt der Kälte zu sehr gelitten, um dem Winter noch viel Widerstand entgegensetzen zu können. Mr. Bone beobachtet seinen Niedergang sehr genau und macht sich schon Gedanken über das Leben nach Willys Tod. Willy erzählt in Ermangelung menschlicher Gefähr- ten seinem Hund die Tragödie seines Lebens, so, wie er vor Jahren eine Sammlung seiner ersten Gedichte zu einem Dollar das Stück verkaufte oder wie er schließlich die warme Unterkunft bei einer Frau verlor. An dem steten Niedergang ist Willy natürlich selbst schuld, aber er sieht dies nicht mehr so; er träumt statt dessen alten Zeiten nach und kann sich zu keiner Änderung seines Lebens- stils mehr aufraffen. Sein einziger verbliebener Traum ist der ferne Ort "Timbuktu", der Ruhe, Frieden und Wohlergehen verheißt. Doch dieses Timbuktu hat für Willy keine geographischen Stellenwert mehr, sondern steht für eine uneinge- standene Todessehnsucht.
Als Willy schließlich wirklich auf der Straße stirbt, muss sich Mr. Bones ein neues Zuhause suchen. Mit Glück findet er auch eine nette Familie mit Kindern, die ihn aufnehmen und ihn gut behandeln, auch wenn er dafür leider durch eine gezielte Operation beim Tierarzt seine Männlichkeiut einbüßt.
Als die Familie ohne ihn in die Ferien fährt und ihn im Tierheim unterbringt, ereilt Mr. Bones das Schicksal in Form von Spätfolgen der Operation. Im Fiebertraum sieht er Willy wieder, der ihn nach Timbuktu holen will, und mit letzter Kraft macht er sich auf den Weg dorthin.....
"Timbuktu" ist ein melancholischer Roman über die Schwierigkeiten eines gelungenen Lebens und die Unvermeidlichkeit des Todes. Doch bei aller Schwere des Themas schwebt bis zuletzt ein Hauch von Humor über dieser Geschichte, der das Abgründige relativiert. Warum verzweifeln, wenn es doch unvermeid- lich ist, scheint die Aussage zu lauten.
Volker Lechtenbrink als versoffener Willy und Lars Rudolph als Mr. Bones liefern hier ein kleines Meisterwerk der Darstellung ab. Beide finden genau den schmalen Grat zwischen Sentimentalität und falscher Abgebrühtheit und lassen den Zuhörer mit einer gewissen Betroffenheit zurück, die jedoch ein kleines Schmunzeln einschließt.
Das Hörbuch umfasst 1 CDs mit einer Laufzeit von ca. 71 Minuten und ist im Audio-Verlag unter der ISBN 3-89813-198-X erschienen.
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