Tieretöten als Neureichen-Hobby

T.C. Boyle: "Großwildjagd"
   

Bernhard Puff, Sohn eines ehemaligen Großwildjägers, hat schon als kleiner Junge die afrikanischen Jagdtrophäen seines Vaters bewundert und sich nach Afrika geträumt. Als cleverer Kalifornier entdeckt er denn auch später eine Marktlücke: neureichen Amerikanern kann man eine Menge Geld abknöpfen, indem man ihnen einmal die Möglichkeit gibt, ihre Allmachtsphantasien auszuleben und - gefahrlos - Großwild "abzuknallen". Dazu hat er sich eine heruntergekommene Ranch im Hinterland zugelegt, auf der er eine Reihe von alten, klapprigen und ausgelaugten Zirkus- und Zootieren hält: Zebras, Antilopen, Wasserbüffel, Nashörner, Löwen und sogar eine Elefantenkuh. Die Kunden haben durchweg wenig Ahnung von Tieren, sodass sie deren trostlosen Zustand gar nicht erkennen sondern nur die Fassade sehen. Üblicherweise hält Bernhard die "wilden" Tier in Käfigen, nur wenn Kunden kommen, lässt er sie in eine staubige und hässliche "Scheinwildnis" hinaus, um seinen Kunden den Kitzel echter Gefahr zu vermitteln. Schließlich zahlen sie für dieses Vergnügen ja Tausende von Dollars...

Eines Tages nun kommt der rasch reich gewordene Immobilienmakler Bender mit seiner modelhaft aufgeputzten und eiteldummen Frau sowie einer pubertären Tochter. Sein größter Wunsch besteht darin, einen kapitalen Löwen zu schießen und ihn später ausgestopft in das Foyer seines Büros zu stellen. Außerdem möchte seine Frau einige echte Zebrafelle für Schlaf- und Wohnzimmer schießen. Selbst Bernhard, der seinerseits nicht gerade reich mit Intellektualität beschenkt wurde und eine schlicht-geradlinige Art pflegt, gehen die neureichen Allüren dieser Kundschaft und die kindliche Sucht des Maklers nach dem blindwütigen Abschießen von Löwen auf die Nerven, doch das Geld winkt.

Als sich nach dem missglückten Abschuss einiger Zebras das Erlegen eines alten Löwen für Bender fast zum Desaster entwickelt, verlangt er zur Restaurierung seines geschundenen Selbstbewusstseins - seine Frau hat besser getroffen als er - die Elefantenkuh als ultimative Trophäe. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Wie das jedoch geschieht, soll der Zuhörer unmittelbar von der CD erfahren, wir werden es ihm hier nicht verraten.

T.C. Boyle hat in diesem Hörspiel die dekadente Dummheit bestimmter Geldkreise in den USA aufs Korn genommen. Tiere werden nicht als Lebewesen wahrgenommen, sondern nur als Ziele für das Gewehr, und das Abschießen dient nicht der Wildpflege sondern nur der Erhöhung des eigenen Egos. Natürlich steht man dazu auch nicht stundenlang nachts an, sondern wird vor das Tier geführt, hebt die Flinte und - "peng", erledigt. Mit bitterböser Satire beschreibt Boyle die Protagonisten dieser Klientel und lässt kein gutes Haar an ihnen. Nur sollten wir als Europäer nicht gar so überheblich über sie lachen, denn auch hier werden slowenische Bären und andere Tiere zahlungswilligen und schießwütigen "Jägern" für viel Geld vor die Flinte getrieben.....

Das Hörbuch enthält 2 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 137 Minuten und neben dem o.a.  Hörspiel noch ein weiteres mit dem Titel "Auf dem Dach der Welt". Es ist im Audiobuch-Verlag Freiburg unter der ISBN 3-89964-042-X erschienen.