| Auguste Lechner: "Alexander der Große" |
| Hörspielversion eines biographischen Romans | |
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Bereits der Hinweis auf die Romanform zeigt, dass es hier nicht in erster Linie um die historischen Fakten geht sondern mehr um eine spannende Darstellung der Person Alexanders und seiner Umgebung. In dieser Form der Behandlung historischer Personen und Ereignisse nehmen sich die Autoren grundsätzlich die Freiheit heraus, vor allem das private Umfeld des Helden aus der eigenen Vorstellung heraus zu gestalten, wobei die Phantasie mangels vorliegender Dokumente den Ausschlag gibt. Die dünne Faktenlage dient dabei lediglich als "Passepartout" für die Handlung, die sich natürlich an den Forderungen "Spannung" und "Leidenschaften" ausrichten muss, um nicht zu sagen "Sex and Crime". Auguste Lechner ist diesen Weg konsequent gegangen. Das Verhältnis Alexanders zu seiner Mutter wird bis in die Details und Motivationen nachgezeichnet, ebenso seine Beziehungen zu Freunden und Frauen, wobei die Publikumstauglichkeit, sprich Eingängigkeit, eine große Rolle spielt. Zwar werden die Feldzüge, Schlachten und Eroberungen chronologisch aufgezählt und lebendig dargestellt, jedoch spielen dabei strategische, politische oder gar kulturell-philosophische Hintergründe eine geringe Rolle. Bei den Schlachten zum Beispiel werden selten die militärtaktischen Gründe für die überraschenden Siege analysiert, sondern eher Alexanders ungestümer Einsatz und sein persönliches Charisma als Grund genannt, offensichtlich, weil diese Art der Schilderung sich einfach spannender liest bzw. anhört. Nun ist diese Art historischer Romane durchaus etabliert und liefert auch einen Beitrag zum Verständnis der jeweiligen Epoche, im Falle von Ausnahmepersönlichkeiten wie Alexander des Großen wird sie jedoch dem Gegenstand nicht gerecht. Alexander war eben nicht einer der "drei Musketiere" sondern eine der wenigen historischen Personen von einmaliger Größe, ohne dieses Attribut hier mit einer moralischen Wertung zu verbinden. Für die damalige Zeit waren seine Erfolge sozusagen "überdimensional", und von einem Roman über ihn erwartet man mehr als nur die spannend geschriebene Darstellung seiner Feldzüge und seiner privaten Neigungen und Eigenarten. Das Sachbuch "Alexander der Große" kann als gutes Beispiel für eine historische-kritische Würdigung Alexanders gelten, die sich nur auf vorhandene Dokumente stützt und sich doch spannend liest. Das könnte ein Roman zwar auch leisten, aber nur, wenn er auf vordergründige Publikumseffekte verzichtet. Bei Auguste Lechners Roman ist das nicht der Fall. Die Präsentation des Hörbuchs folgt der Struktur des Romans weit gehend und weist Züge der Schulfunkliteratur auf. Die Personen erscheinen alle in einem leicht fasslichen psychologischen Rahmen, lassen Komplexität und Tiefenschärfe vermissen und handeln nach vorhersehbaren Mustern, ja Klischées. So wird Alexanders Mutter in eine pseudo-magische Zauberin mit archaischen Rache- und Machttrieben verwandelt, jedoch weniger auf der Basis eines gesicherten Wissens als um des Effektes willen. Und der junge Alexander zeigt immer wieder die schablonenhaften Züge des jungen, ungestümen Helden, wie wir ihn aus Märchen und Mythen kennen. Diese "Eindimensionalität" der Protagonisten kommt im Vortrag noch deutlicher zum Ausdruck als bei der Lektüre. Wer von einem geschichtlichen Roman eher eine spannende Darstellung der Fakten erwartet, ist mit diesem Hörbuch sicher gut beraten. Wer jedoch Hintergründe und seriöse psychologische und politische Analysen der Ereignisse und Personen erhofft, wird diese hier nicht finden. Das Hörbuch umfasst 5 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 320 Minuten und ist im Megaeins Verlag unter der ISBN 3-9808723-9-4 erschienen. |