F.W. Bernstein: "In mir erwacht das Tier"

"Nonsense-Verse" mit Hintersinn eines bekannten Spötters
   

Bernstein, Gernhardt, Henscheid, Wächter - das waren schon in den siebziger Jahren legendäre Namen der Frankfurter intellektuellen Szene, die unter anderem mit der "Neuen Frankfurter Schule" geistigen Heroen wie Adorno und Habermas satirisches Paroli boten und denen Leute wie Schmalenbach und Pfeifenberger das Wasser zu reichen sich verzweifelt bemühen. Ihre Plattformen waren "Pardon" und Titanic", und Otto Waalkes haben sie Branchegeflüster zufolge die Pointen geliefert.

Auf der vorliegenden CD trägt Bernstein eigene Gedichte und Geschichten vor. Die Übergänge gestaltet musikalisch ebenso parodistisch das Duo Anne Bärenz und Frank Wolf mit Klavier, Cello und Gesang. 

Hinter Bernsteins Gedichten sollte man keinen höheren oder tieferen Sinn suchen. Dieser liegt gerade im Spiel mit der Sprache, dem Wort- und Lautspiel, dem Sprechrhythmus und - ja - auch dem Kalauer. Mal sind es Zweizeiler wie "Die meisten Kritiker der Elche waren früher selber welche", dann geht es wieder arg erotisch und mit viel "Luscht" zu, alles natürlich mit der humoristischen Distanz, um am Ende - wie es sich gehört - beim "Weltuntergang" zu enden. Eine Aufzählung und "Interpretation" der einzelnen Zwei-, Vier- und "Tierzeiler" wäre hier fehl am Platze weil ohne die rechte Wirkung. So etwas muss man vorgetragen hören, und zwar am besten vom Autor selbst, denn nur der kann seinen eigenen Elaboraten die richtige satirische Schärfe verpassen. Wer Sinn für Sprachspiele und höheren Blödsinn hat, der beim zweiten Hinhören auch mehr als diesen vermeintlichen Blödsinn enthält, der sollte sich diese CD zulegen. Die Zwischenmusiken sind für Musikliebhaber ein eigener Genuss, decken sie doch alle Stile von Schubert bis Schunkeln ab.

Sie besteht aus 1 CD mit einer Spieldauer von ca. 72 Minuten ist im Verlag  Antje Kunstmann unter der ISBN 3-88897-360-0 erschienen.