| Armin Müller-Stahl: "Hannah" |
| Der Autor selbst liest sein Werk | |
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In "Hannah" steht Herrmann, ein Endsechziger, vor einem Treffen mit einem alten Schulfreund. Während der inneren Vorbereitung auf das Gespräch lässt er den Zuhörer teilhaben an einer alten Schulfreundschaft, die jedoch immer an der mangelnden Achtung des Freundes ihm gegenüber litt. Was er auch tat, sein Freund Arnold versuchte, es ihm zu verderben. Unter anderem prophezeite er ihm, dass sein Jugendtraum, Schriftsteller zu werden, nie in Erfüllung gehen werde. Jetzt jedoch, nach einem halben Jahrhundert. kann er sich ihm als erfolgreicher Autor vieler Romane präsentieren und mit ihm abrechnen. Denn das ist der Grund für das Gespräch. Obwohl er, der Erzähler, bei Helen einst das Rennen gewonnen hat und mit dieser eine Tochter Hannah hatte, fühlt er sich Arnold in gewisser Weise immer noch unterlegen. Und so beginnt nach einer stillen "Henkersmahlzeit" im Restaurant die große Aussprache im Hotelzimmer, die jedoch zu einem großen, anklagenden Monolog gerät und in einer Schlusspointe Arnolds endet. Langsam schält sich heraus, dass Herrmanns geliebte Tochter Hannah nicht mehr lebt. Sie war eine begnadete Geigerin, und als Requiem für Hannah und wie eine Strafe präsentiert Herrmann seinem alten Weggenossen eine Auswahl von Hannahs Aufnahmen von Bach bis Brahms auf dem Kassetten-Recorder. Er ahnt, dass dieses Vorspiel auch für Arnold eine Qual sein muss, obwohl er die wahren Hintergründe nur zu kennen meint. Herrmanns Anklage zeigt ihn als einen Menschen, der nicht nur den Stoff für seine Romane seinem eigenen Leben entnahm und dies auch immer offen eingestand, sondern der auch das Leben wie ein Romanautor zu gestalten und seine Mitmenschen wie Marionetten auf der Bühne des Lebens zu führen versucht und vermeint. Mehr und mehr wird aus dem souveränen Schriftsteller ein geradezu paranoider Charakter, der alles um sich herum kontrollieren muss und nichts dem Zufall überlassen kann. Genauso, wie er das Zusammenleben mit seiner Frau Helen in einer letztlich unzumutbaren Weise verplant und dieser keinen Bewegungsspielraum gelassen hat, versuchte er auch zu Lebzeiten seiner Tochter, ihre Karriere, ihr Privatleben und ihre Weltanschauung zu gestalten. Und in diesem Drang, alles selbst zu regulieren, zerstört er schließlich auch Hannahs Weltbild mit einer rigorosen Wahrheitsauffassung, die keine Sensibilität kennt. Die Schuld an der anschließenden tragischen Wendung in Hannahs Leben sieht er jedoch nicht bei sich selbst, sondern projiziert sie in seinen Freund Arnold. Daher diese späte Abrechnung, die auch zum Teil seiner Frau Helen gilt, die den Tod der Tochter nur kurz überlebt hat. Als Hermann am Ende seiner Anklage schließlich Arnold zum abschließenden Schuldbekenntnis auffordert, sieht er sich mit einer durchaus anderen Sicht der Wahrheit konfrontiert und muss erkennen, dass seine eigene Lebensführung nicht nur auf falschen Annahmen sondern auch auf einer egozentrischen Weltsicht beruhte. Armin Müller-Stahl verbindet in diesem Roman, der übrigens in vielem an Sandor Marais "Glut" erinnert, die Auseinandersetzung zweier Männer um das Leben einer Frau mit einer Hommage an die Musik. Doch in ihrem Gespräch kreisen die beiden sowohl um das Wesen Hannahs wie auch um die Musik, ohne zum wahren Kern vorzustoßen . Die Musik ist für Herrmann immer nur Reminiszenz an seine Tochter, die er in der Rückschau wie einen verlorenen Besitz höchsten Wertes betrachtet. Die Musik lebt nur als Verweis auf Hannah. Arnold, der musikalischere der beiden, scheint dagegen sowohl Musik als auch Hannah in sich aufzunehmen, bleibt aber bis zu seinem Schlusswort stumm. Und obwohl am Ende die Fäden geordnet und die Missverständnisse aufgeklärt sind, bleiben Hannah und ihre Musik für beide ein Rätsel. Der Autor selbst liest sein Werk in einer außerordentlich dichten Art und Weise, die den Zuhörer keinen Augenblick aus der Geschichte entlässt und ihn bis zum Schluss gefangen hält. Das Hörbuch umfasst 3 CDs und ist bei Der Audio-Verlag unter der ISBN 3-89813-295-1 erschienen. |