| Urs Widmer: "Skakespeare´s Geschichten" |
| Die Tragödien: Nacherzählt und gelesen von Urs Widmer selbst | |
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Der Schweizer Autor Urs Widmer hat sich nach eigenen Aussagen seit Jahren mit der Absicht getragen, Shakespeares Werke für ein modernes Publikum nachzuerzählen, hat aber lange gezögert, da er durchaus die Gefahren eines solchen Unterfangens sah. Auf der vorliegenden CD stellt er jetzt die Tragödien Troilus und Cressida, Coriolanus, Julius Caesar, Antonius und Cleopatra sowie Titus Andronicus in einer eigenen Version vor. Widmer hat die oben genannten Tragödien in moderne Prosa gefasst und entsprechend gekürzt. In etwa zwei Stunden bringt er den Stoff von fünf abendfüllenden Dramen zu Gehör. Das größte Problem liegt darin, diese Stücke in einer "kommensurablen" Form wiederzugeben, das heißt, den Eindruck dieser wuchtigen und schicksalgesättigten Tragödien bei der Transformation zu bewahren. Natürlich kann man das nicht durch die Wahl einer altertümlichen - an die Shakespeare-Zeit angelehnten - Sprache erreichen. Das hat auch Widmer erkannt und seine Prosa daher in zeitgenössischem Stil verfasst. Dabei bedient er sich einer ironisierenden Sprache, die Shakespeares Tragödien einen leicht burlesken Zug verleiht. So lässt er Mark Anton und Kleopatra stundenlang "f...." und bedient sich dieser Sprachebene auch in anderen Kontexten. Damit kann er zwar heute nicht mehr provozieren und beabsichtigt es wahrscheinlich auch gar nicht, jedoch verlieren die Stücke durch diese Technik ihre elementare Kraft und mutieren zu deftigen Geschichten um Liebe, Macht und Mord mit hintergründigem Humor. Dieser Humor ist Widmers Problem, da die Tragödien durch die flotte Sprache ihren tragischen Charakter verlieren und sich zur bloßen Unterhaltung verdünnen. Nun ist Unterhaltung an sich nichts Schlechtes, und würde man die Geschichten ohne Bezug auf Shakespeare hören, so könnte man von hohem Unterhaltungswert sprechen. Denn Widmer weiß anschaulich, lebendig und humorvoll zu erzählen. So kann gerade jemand, der weder die Stücke noch Shakespeare kennt, durchaus "Gewinn" aus der Hörversion ziehen. Doch wird sich voraussichtlich der typische Hörer durchaus mit Shakespeare auskennen - schon der Titel wird ihn locken - und dann Vergleiche ziehen. Diese werden jedoch bei aller löblichen Absicht des Autors nicht unbedingt positiv ausfallen, denn man fragt sich spontan nach dem Grund der Transformation und nach dem Vorteil gegenüber der Originalversion. Ist es ein "Shakespeare Light" oder "Fast Stratford"? Ein bekanntes Theaterstück presst alle Shakespeare-Stücke in ein einziges Slapstick-Stück - teilweise kommen nur Versatzstücke oder Einzelszenen eines Stückes zum "Einsatz" - und erzielt damit viel Heiterkeit. Nur, der Vorteil dieser Version ist die erklärte Absicht der Parodie und des Slapsticks, mehr will es nicht sein. Widmer dagegen will keine Shakespeare-Parodie abliefern sondern des Dichters Tragödien in angemessener Prosa wiedergeben. Das ist ihm jedoch nur teilweise gelungen. Das Hörbuch umfasst 2 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 125 Minuten und ist im Verlag Kein & Aber unter der ISBN 3-0369-1125-1 erschienen. |