| Arne Dahl: "Tiefer Schmerz" |
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Ein neuer Dahl-Krimi um alte und neue Seilschaften |
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In der ersten Szene genießt ein junger griechischer Zuhälter - als ein solcher entpuppt er sich erst später - seinen frischen Stockholmer Aufenthalt. Auf dem abendlichen Rückweg zum Hotel fühlt er sich von unsichtbaren Gestalten verfolgt, gerät in Panik, schießt ziellos um sich, übersteigt in seiner Angst einen Zaun und landet schließlich, ohne es zu wissen, bei den Vielfraßen im Zoo. Am nächsten Tag findet die Polizei außer seiner Pistole nur einen abgenagten Knochen und einige Fasern seines Anzuges. Aufgrund der Umstände schließt man schnell auf einen Mord, steht aber vor einem Rätsel. Wenig später landet ein alter, hoch geehrter Professor der Hirnchirurgie und ehemaliger Insasse des KZs Buchenwald auf einem einsamen Freidhof, wo Skinheads ihr Unwesen an jüdischen Gräbern treiben. Am nächsten Tag wird er kopfüber an einem Baum über einem Grabstein hängend gefunden, mit einer langen Nadel in der Schläfe. Jetzt beginnt die Recherche-Maschine des A-Teams anzulaufen. Die Vergangenheit des Professors wird durchleuchtet und die Skinheads identifiziert. Schnell stellt sich heraus, dass letztere zwar für rassistischen Vandalismus, nicht jedoch für diese ausgefeilte Mordmethode in Frage kommen. Der Tote war jüdischer Schriftsteller, hat im Krieg Frau und Kind verloren und nach dem Krieg ein völlig neues Leben begonnen: Auswanderung nach Schweden, schnelles Erlernen der Sprache, Medizinstudium, Karriere als Hirnchirurg, keine schriftstellerische Tätigkeit mehr. Seine erwachsenen Kinder leben in Schweden, können aber keinen Beitrag zur Aufklärung leisten. Hier scheinen die Ermittlungen stehen zu bleiben. Gleichzeitig identifiziert man aufgrund von DNA-Spuren und Europol den Toten im Zoo als griechischen Zuhälter, der wegen polizeilicher Verfolgung aus Italien geflohen ist, wo er Kontakte zu höchsten Kreisen hatte. Die Frage, was ein ehemaliger KZ-Insasse mit einem jungen Zuhälter gemeinsam hat, bleibt weiterhin offen. Die weiteren Recherchen ergeben jedoch, dass in den letzten 18 Monaten europaweit mehrere Kriminelle - überwiegend Zuhälter - auf exakt die gleiche Weise ums Leben gekommen sind: an den Füßen aufgehängt und mit einer Nadel in der Schläfe. Europaweite Nachfragen bezüglich dieser speziellen Art des Tötens - geradezu eine Hinrichtung - führen zu einem Institut in Weimar, das über ein dem KZ Buchenwald angegliedertes medizinisches Labor forscht, in dem an lebenden Menschen - meist KZ-Insassen - über die Ursachen und Wirkungen des Schmerzes forscht. Die gleichzeitige Lektüre des KZ-Tagebuches des ermordeten Professors weist weitere Unklarheiten auf, die schließlich ebenfalls in dieses "Schmerzzentrum" führen. Wie bei einer Zwiebel entblättert sich die Wahrheit langsam Schale um Schale, bis sich ein schließlich Rachefeldzug gegen alte und neue verbrecherische Männerbünde herausschält. Die abschließende Entlarvung des Hauptschuldigen führt noch einmal in eine dunkle Vergangenheit und eine ebenso kriminelle wie vordergründig honorige Umgebung. Doch am Ende sind die Täter entweder gerichtet oder sind eines natürlichen Todes gestorben, wobei es in einem Fall noch für ein Mitglied des A-Teams eine bittere Pille zu schlucken gilt. Arne Dahl verbindet die beiden wesentlichen Erzählstränge über entkommene KZ-Täter und heutige Menschenhändler auf geschickte und glaubwürdige Weise miteinander. Dabei fällt angenehm auf, dass er nicht nur mit dem moralischen Zeigefinger auf Nazi- Deutschland zeigt, sondern einen der alten Verbrecher als rassistischen Schweden entlarvt. Damit internationalisiert er das Problem des fanatischen Rassenwahns und erlaubt niemandem, sich per Nationalität davon zu distanzieren. Inwieweit dieser "schwedischen Connection" historische Tatsachen stehen, ist eine andere Frage. Wie auch schon bei "Mistorioso" liest der Schauspieler Tille Hagen auf mitreißende Weise, so dass man nach einer längeren Pause schon der nächsten CD entgegen fiebert. Das Hörbuch besteht aus 7 CDs mit einer Spieldauer von 545 Minuten und ist im Verlag Sprechende Bücher unter der ISBN 3-88698-764-7 erschienen und kostet 24,990 €. |