Arne Dahl: "Böses Blut"

                                                                    
Serienmorde mit weltpolitischem Hintergrund
 

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Die Romane dieses Autors stellen insofern eine Besonderheit dar, als er sich in jedem Roman sowohl personell als auch hinsichtlich der Ereignisse auf die jeweils vorhergehenden Romane bezieht. Damit zieht sich ein konsistenter roter Faden durch die Romanserie, und mit jedem neuen Roman muss der Autor zusätzliche Historie berücksichtigen. Doch gerade die Referenzen machen die Romane lebendig, vor allem für Leser oder Hörer, die alle Geschichten um das Stockholmer "A-Team" kennen.

Das vorliegende Buch spielt irgendwann nach dem ersten Golfkrieg, jedoch eindeutig vor dem 11. September 2001. Ein Serienmörder aus den USA hat nach 15 Jahren Pause wieder mit dem Morden begonnen und sein Tätigkeitsfeld plötzlich ohne einen ersichtlichen Grund nach Schweden verlegt. Seine Spezialität liegt darin, die Opfer auf höchst "professionelle" Weise zu foltern und sie dann an den Folgen der Folter sterben zu lassen. Das FBI hatte Mitglieder einer höchst geheimen Kommandoeinheit aus dem Vietnamkrieg im Visier, stieß jedoch bei der Verfolgung dieser Spur auf Widerstände und konnte keine gerichtsfesten Beweise beschaffen. In Schweden kommt ein Beamter des Außenministeriums auf diese Weise ums Leben, der für den Außenhandel mit Saudiarabien zuständig war, doch dieser Umstand reicht anfangs nicht für eine schlüssige Aufhellung der Hintergründe, da unter anderem ein anderer Mord im gleichen Umfeld ganz andere Merkmale aufweist. 
Wie üblich, zeigt Arne Dahl die mühsame Kleinarbeit der recherchierenden Polizisten mit viel Sachverstand und Sinn für kriminalistische Details. Wie auch in seinen anderen Romanen schafft er es, mit der hartnäckigen Verfolgung auch der kleinsten Spuren Spannung zu erzeugen und den Alltag der Kriminalisten lebendig werden zu lassen. Auch die menschelnd Komponente kommt dabei zu ihrem Recht - Beziehungs- und Identitätskrisen der Polizisten -, doch nie über Gebühr. Die kriminalistische Kleinarbeit und ein wenig Intuition führen schließlich zur Identifizierung des Serienmörders und des Hintergrundes seiner Mordserien. Dabei bestätigt sich die Theorie des FBI, und der Täter erweist sich als der eiskalte und höchst gefährliche Kopf der Sondereinheit aus dem Vietnamkrieg. Mit einer überraschenden und originellen Vorgehensweise gelingt seine Festsetzung, doch bei seiner ersten Vernehmung präsentiert er sich als Vertreter einer Weltmacht, die auch nach dem Vietnamkrieg die Notwendigkeit sah, mit allen Mitteln Informationen über vermeintliche Gefahren zu sammeln. Dahl lässt den Täter sein "Credo" eines übergesetzlichen Notstands nüchtern und sachlich darstellen und die Stockholmer Polizei mit der Alternative "Folter oder Atomwaffen in den Händen von Islamisten" konfrontieren. Denn darauf läuft laut dem Folterexperten alles hinaus, und der Beamte des Außenministeriums war seinen Informationen zufolge in die Beschaffung von Nuklearwaffen für saudiarabische Terroristen verwickelt. Als das auf diese Weise in höchste Alarmstufe versetzte "A-Team" schließlich die Frau des toten Beamten und die Gruppe angeblicher Waffenbeschaffer in letzter Minute aufspürt und abführt, werden alle vermeintlichen Verschwörer aus dem Hinterhalt erschossen. Vorher konnte jedoch die Frau ihre geheimen Verbindungen mit der Zugehörigkeit zu einer Hilfsorganisation für den Irak erklären, die auf geheimen Wegen hohen Offizieren der Armee Saddam Husseins die Flucht in den Westen ermöglichte. Diese Offiziere sollten für die USA katastrophale Tatsachen aus dem ersten Golfkrieg enthüllen, sind nun jedoch Opfer unbekannter Attentäter geworden. Zeitgleich hat sich der Folterexperte dank der Unfähigkeit seiner Bewacher aus dem Gefängnis befreit und ist auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Die Botschaft lässt sich auf ein Wort reduzieren: CIA! 

Bei aller Spannung, die auch diesem Roman von Arne Dahl wieder innewohnt, sind jedoch schwerwiegende Vorbehalte anzumelden. Dass er die CIA schmutziger Aktivitäten verdächtigt, darf man als legitim betrachten, ebenso wie die angebliche Existenz eines geheimen Sonderkommandos, das in Vietnam Informationen aus gefangenen Vietcong herauspresste. Auch die Fortdauer eines solchen Kommandos ist in sich schlüssig und nicht von der Hand zu weisen. Der eigentliche Schwachpunkt liegt in der plötzlichen Wendung zum Schloss, wenn von angeblich schwerwiegenden Vorfällen im Golfkrieg die Rede ist, die an keiner Stelle konkretisiert werden. Die Unlogik besteht darin, dass irakische Offiziere angeblich äußerst abträgliche Informationen über die USA besaßen, sie aber unter dem Regime von Saddam Hussein nicht äußerten. Spätestens nach dem Golfkrieg waren der Irak und die USA bittere Feinde, und auch die kleinste für die USA nachteilige Information wäre vom Irak propagandistisch bis zum Letzten ausgequetscht worden, wie es ja auch nach Bombenangriffen geschehen ist. Dass irakische Offiziere erst unter Lebensgefahr in den Westen fliehen müssen, um dann gegen die USA auszusagen, entbehrt schlichtweg jeder Logik. Von ähnlich schwacher Logik ist die plötzliche Präsenz einer höchst professionellen Attentätertruppe in einer kleinen schwedischen Hafenstadt, zumal die Polizei den Ort des "Showdowns" erst in letzter Sekunde in kleinstem Kreis ermittelt hat und sich Hals über Kopf per Hubschrauber bei schwerem Wetter dorthin begibt. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass eine illegale Truppe der CIA der Polizei sozusagen mit einer zeitlichen Synchronität dieses Ausmaßes folgt, in kürzester Positionen mit bestem Schussfeld bezieht, mit je einem Schuss aus größerer Entfernung alle Zielpersonen tötet und unerkannt entkommt. das ist eher ein "James Bond" der schlechteren Sorte! Desgleichen hinkt die Logik bei dem Ehepaar im Außenministerium, das auf viel zu großem Fuß lebt und damit den Verdacht unsauberer Geschäfte mit Islamisten weckt. Dass allerdings Gutmenschen, als die sie sich posthum entpuppen, mit Geldern eines karitativen Hilfsfonds einen mehr als gehobenen Lebensstil finanzieren, passt nicht in das abschließend aufgespannte Bild. Man muss kein USA-Fan und Freund der CIA sein, um die Auflösung dieses über lange Strecken spannenden Krimis als konstruiert zu empfinden. Die Ironie der Geschichte will es sogar, dass die vom Foltertäter aufgebaute Legende vom Nukleardeal mit Islamisten heute, fünf Jahre nach "Nine-Eleven", eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit aufweist als die uns vom Autor aufgetischte "Nichtlösung" seines Falles. Denn als Lösung kann man seinen Schluss nicht bezeichnen, wenn am Ende zwar die Polizisten und die Hörer die CIA hinter allem vermuten, aber keinerlei Beweise existieren.

Till Hagen erweist sich wie auch schon bei den anderen Hörbüchern Arne Dahls als hervorragender Sprecher, der Stimme und Tempo zu jeder Zeit den Geschehnissen so anzupassen weiß, dass die Spannung nie abbricht. An der Regie und dem Vortragenden liegt es jedenfalls nicht, wenn dieses Hörbuch unter dem Strich nicht befriedigt.

Das Hörbuch umfasst 6 CDs mit einer Gesamtspielzeit von 470 Minuten und ist im Verlag Sprechende Bücher unter der ISBN 3-88698-768-X erschienen.

Frank Raudszus

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