| Robert Harris: "Pompeji" |
| Hörspiel über den Untergang einer Stadt nach dem gleichnamigen Roman | |
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Harris schildert den Untergang der italienischen Hafenstadt Pompeji im Jahre 79 n. Chr. nach dem großen Vesuv-Ausbruch aus der Sicht des Wasserbau-Ingenieurs und öffentlich bestellten "Aquarius" Attilius. Dieser kommt erst wenige Tage vor dem Ausbruch in die Gegend und sieht sich sofort mit seltsamen Stockungen im weitverzweigten System der Aquädukte konfrontiert. Da der Vesuv zum letzten Mal 1740 v. Chr. und damit lange vor der römischen Zeit und einer kontinuierlichen Geschichtsschreibung ausgebrochen ist, liegen in der Gegend keine entsprechenden Erfahrungen vor. Zwar ist der Ätna auf Sizilien 122 und 44 v. Chr. in größerem Umfang aktiv gewesen, aber auch hier darf man auf ein kurzes Gedächtnis der Bevölkerung in einer vorwissenschaftlichen Welt setzen. Entsprechend sind laut Harris auch die Reaktionen der Menschen in Pompeji, Herkulaneum und den anderen Orten der Umgebung, als die Natur um den rauchenden Berg herum Zeichen der Anspannung von sich gibt. Das Wohlleben und die mehr oder minder sauberen Geschäfte der ebenfalls mehr oder minder honorigen Bürger folgen ihrem üblichen Gang, und da fügen sich die Warnungen und Befürchtungen eines jugendlichen Wasserexperten in keiner Weise ein. Der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere ist zu dieser Zeit Präfekt der römischen Flotte im nahen Misenum. Ihn muss der junge und noch unbekannte Attilius erst mühsam überzeugen, ihm Männer und ein Schiff für die Untersuchung der plötzlichen Probleme mit den Aquädukten zur Verfolgung zu stellen. Plinius selbst stirbt aufgrund seiner Unterschätzung der Gefährlichkeit des Vulkanausbruchs bei dem Versuch, diesen vom Schiff aus zu beobachten. Harris baut um den jungen Attilius das Bild einer bereits dekadenten und korrupten Gesellschaft auf, in der freigelassene Sklaven auf dubiose Weise zu viel Geld kommen und ihren neuen Status geradezu mit Wollust genießen. Nach dem Motto "Sex and Crime" mischt er auch noch eine zarte Liebesgeschichte hinein, bei der - natürlich - eine nahe Verwandte des Bösewichts und der integre Wasseringenieur die Hauptrollen spielen. Versteht sich, dass sie am Schluss durch die Inspiration des Aquarius und göttliches Glück überleben, und wenn sie nicht gestorben sind........ Doch neben dieser eher konventionellen Machart des historischen Dramas flicht Harris auch eingehende wissenschaftliche Erklärung über das (Un-)Wesen der Vulkane und ihrer periodischen Ausbrüche ein. Man darf annehmen, dass diese fundierten Ausführungen im Roman einen größeren Raum einnehmen und dem Buch in nicht geringem Maße die ihm zugeschriebene Qualität verleihen. Im Hörspiel jedoch zerrinnen diese Ausführungen zu einer Kakophonie aus abgerissenen wissenschaftlichen Sätzen aus ernsten, aufgeregten und belehrenden Mündern. Man merkt deutlich, dass es dem Regisseur hier nicht um die Vermittlung von Sachinformationen sondern um die Schaffung einer erregten Atmosphäre geht. Dieses Geschäft betreibt er mit umfangreichen akustischen Hilfsmitteln, unter denen eine auf- und abschwellende, zeitweise bewusst dissonante Musik eine wichtige Rolle spielt. Das Ganze würzt er mit viel Hintergrundgeschrei sterbender oder verzweifelter Menschen, so dass sich vor dem Hörer ein akustisches Panorama des Schreckens auftut. Dieses dient zwar durchaus dem Zweck, das Grauen des Vulkanausbruchs zu verdeutlichen, nutzt sich jedoch nach einer gewissen Zeit ab. Darüber hinaus überlagern die mörderischen Intrigen gegen den jungen Mann, deren Grund nie ganz klar wird, die im Grunde genommen schon ausreichend spannende Geschichte des Vulkanausbruchs. Gerne hätte man mehr über die mittlerweile bekannten Abläufe dieser zwei Augusttage oder über entsprechende Vermutungen erfahren und dafür auf die persönlichen Querelen einiger fiktiver Personen verzichtet. So bleibt am Ende eine einigermaßen dramatische "Action-Story" über den plakativen Ausbruch des Vesuv mit viel Geschrei und Sterben sowie einem "Happy Ende " für die Guten....... Unter der Regie von Sven Stricker treten neben dem Erzähler Peter Fricke fünfzehn weitere Sprecher auf, so Patrick Bach als der Aquarius Attilius, Christian Redl als Bösewicht Ampliatus und Céline Fontanges als die junge Corelia.
Das Hörbuch umfasst 2 CDs mit einer Gesamtspielzeit von 133 Minuten und ist im
HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89940-879-9 erschienen. |