Carson McCullers: "Die Ballade vom traurigen Café"

                                                                    
Eine tragisch-komische Geschichte aus dem amerikanischen Hinterland
 

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Die amerikanische Schriftstellerin Carson McCullers (1917-1967) war bekannt für ihre atmosphärischen Schilderungen des Lebens im amerikanischen Hinterland, wo sich die Verlierer des "amerikanischen Traums" treffen, weit weg vom Glitzer und Reichtum der Großstädte. Ähnlich John Steinbeck lässt sie die ärmlichen und hoffnungslosen Biografien ihrer "Helden" an den Augen des Lesers vorbeiziehen und stattet sie trotz ihrer Aussichtslosigkeit mit dem stillen Heldentum des alltäglichen Überlebenskampfes aus.

In dem vorliegenden Roman geht es um einen kleinen Ort irgendwo im Süden der USA. Die resolute Miss Amelie betreibt - mehr oder minder am Rande der Legalität - eine kleine Whiskey-Brennerei, mit deren Erzeugnisse sie zu Spottpreisen den halben Ort versorgt. Aus den spontanen Ausgabeaktionen im Hinterhof ihres Hauses hat sich irgendwann so etwas wie ein kleines Café entwickelt - der Begriff "Schanklizenz" ist hier offensichtlich unbekannt - und vor allem die durstigen Männer treffen sich hier, um zu trinken und zu schwadronieren. Die Dinge ändern sich, als eines Tages der bucklige Lymon auftaucht, der behauptet, ein Vetter Amelies zu sein, und den sie tatsächlich wie einen verlorenen Sohn aufnimmt. Irgendwann legt sich auch die ephemere Aufregung über diesen seltsamen, ja dubiosen Neuzugang im Ort, und da sich schreckliche Gerüchte über Mord und Totschlag im Hause der Amelie als eben solche entpuppen, gleitet das tägliche Leben wieder in den üblichen Trott zurück, nun jedoch mit einem zusätzlichen Mitglied, das sich seinen bescheidenen Platz in der Hierarchie erarbeitet. 

Dramatisch entwickeln sich die Dinge erst, als Amelies erster und einziger Gatte Marvin aus dem Zuchthaus zurückkehrt. Die Ehe hatte damals ganze zehn Tage gehalten, bis Amelie ihn hinauswarf, und keiner durfte je nach den Hintergründen fragen. Nun ist er wieder da und verbreitet mit seiner brutalen und überheblichen Art heimlichen Schrecken. Zu Amelies und einiger Anwohner Entsetzen entwickelt sich jedoch ausgerechnet zwischen Marvin und dem buckligen Lymon ein bedenkliches Abhängigkeitsverhältnis, das entweder auf eine alte Beziehung oder schlicht auf die grenzenlose Bewunderung des starken und rücksichtslosen Marvins durch den behinderten Lymon zurückzuführen sein mag. Als sich die Situation immer mehr zuspitzt und Marvin anfängt, Amelie und den Ort zunehmend zu terrorisieren und dafür Lymons Beifall zu ernten, stellt die robuste Amelie ihren Ex-Gatten zum öffentlichen Zweikampf. Um sieben Uhr abends trifft man sich zum körperlichen "Showdown" vor Amelies Haus, und der ganze Ort nimmt daran teil.

Wie dieser Zweikampf ausgeht und welche weitere Folgen er zeitigt, wollen wir hier nicht verraten, um potentiellen Hörern nicht jede Spannung zu rauben. Doch soviel können wir sagen: wie auch bei John Steinbeck siegt nicht unbedingt das "Gute" sondern die Realität. Carson McCullers leidet mit diesen von der Natur und vom Leben vernachlässigten Seelen, die bereits bei ihrer Geburt wenig Chancen auf den amerikanischen Traum hatten und die dennoch von Tag zu Tag sich durchs Leben schlagen, sich gegen ihre Mitmenschen mit allen Mitteln verteidigen müssen und dennoch auch immer wieder eine erstaunliche Großherzigkeit an den Tag legen. Dank ernten sie dafür im Leben nie oder nur sehr selten, und so mancher zerbricht daran.

Elke Heidenreich, bekannt als Literaturmoderatorin in Presse und Fernsehen, liest zwar durchaus akzeptabel, aber man merkt ihr doch an, dass sie keine ausgebildete Schauspielerin bzw. Sprecherin ist. Ein professioneller Sprecher hätte dieses doch mit einigen Längen behaftete Hörbuch sicherlich variantenreicher präsentiert.

Das Hörbuch umfasst 3 CDs mit einer Gesamtspielzeit von 169 Minuten und ist im Diogenes-Verlag unter der ISBN 3-257-80014-2 erschienen.

Frank Raudszus

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