| Robert Gernhardt: "Ich Ich Ich" |
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Gedanken über den Horror des weißen Blattes |
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Robert Gernhardt hat diese existenzielle Situation des schaffenden Künstlers in eine - autobiographisch gefärbte? - Satire gefasst, deren Protagonist, ein Frankfurter Maler, sich eben diesen Zwängen ausgesetzt sieht. Schlimmer noch, in seinem Atelier haust eine Spinne namens "Erinnerung", die jeden seiner selbstzufriedenen oder gar selbstlobenden Gedanken konterkariert, indem sie peinliche Punkte aus der Vergangenheit hervorzerrt oder hinter jedem Entschluss, jedem Gedanken und jedem Vorhaben den Hintergedanken, das Vorurteil oder die Ausrede entdeckt. Natürlich identifiziert unser Künstler die Spinne als rein lokales Problem und beschließt, sich in die Toskana, das Paradies aller Künstler, zu verziehen, um dort in südlicher Freiheit kreativ und unbelastet arbeiten zu können. Dort empfängt ihn das Haus allerdings - wie könnte es bei Gernhardt anders kommen - erst einmal mit profanen Problemen, und es dauert einige Zeit, ehe er den Kreislauf des täglichen Lebens in dem doch sehr einfachen Landsitz in Gang setzen kann. Unglücklicherweise verfolgt ihn die Spinne auch hier, und wenn er im Stillen über seine großen Malerkollegen von Braque bis Picasso und ihre Unfähigkeit aufzuhören lästert, unterstellt sie ihm Neid und ähnliche degoutante Empfindungen. Gernhardt thematisiert in diesem von ihm selbst gelesenen Text die Situation des frei schaffenden Künstlers, den man in der Öffentlichkeit gern hofiert und sich mit ihm sehen lässt, der jedoch unter steter Versagensangst und permanentem Publizitätsdruck lebt, vordergründig großzügig und hintergründig angstvoll die erfolgreicheren Kollegen beäugt und ständig nach Anerkennung durch das im Grunde genommen verachtete Publikum lechzt. Neben der übersensiblen Befindlichkeit der Künstler kommt jedoch auch das Drumherum - sprich: der Kulturbetrieb - auf den satirischen Prüfstand und muss so manchen Seitenhieb einstecken. Im Gegensatz zu anderen Texten des Autors regiert hier dicht die scharfzüngige Satire sondern eher der introvertierte Ton, der die Vorgänge im Künstler selbst in den Vordergrund rückt. Genau beobachtete psychologische Details, gewonnen aus der Selbstbefragung und einem wachen Blick auf seine Künstlerumwelt, gewinnen im Schatten einer eher milden Ironie Kontur. Gernhardt - das merkt man deutlich - ist mit Leib, Seele und Liebe Künstler, und beschreibt ihre Ängste und Marotten mit fast liebevoller Nachsicht. Doch die allgegenwärtige Ironie und der immer wieder durchschimmernde Sarkasmus bewahren ihn vor falscher Sentimentalität und lobheischender Klage über das schwere Künstlerleben. Eine wirklich hörenswerte Lesung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Das Hörbuch besteht aus 2 CDs mit einer Spieldauer von ca. knapp 3 Stunden und ist im HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89940-679-6 erschienen. |