Michael Chrichton: "Welt in Angst"

Thriller über die andere Seite der weltweiten Öko-Bewegung

 

 

Das Umweltbewusstsein hat in den letzten Dekaden dramatisch zugenommen, und neben Greenpeace machen sich die unterschiedlichsten Vereinigungen und Gruppen für die Erhaltung und den Schutz der Umwelt stark - was immer sie darunter verstehen. Bei einem mittlerweile ideologisch derart aufgeladenen Thema nimmt es nicht Wunder, dass einige Gruppierungen auch zu stärkeren Mitteln greifen und auch vor - gut gemeinter - Gewalt nicht Halt machen. Michael Chrichton, Verfasser des mittlerweile verfilmten "Jurassic Park", hat sich jetzt des Themas "Öko-Terrorismus" angenommen. Dieser Begriff erscheint im ersten Moment widersprüchlich, greifen doch die Umweltschützer gerade den "angeblich staatlichen Terror gegen die Umwelt" an. Doch dass für einige Gruppen bereits die Grenze zwischen engagiertem Aktivismus und Unrecht zu verschwimmen beginnt, wird an Hand dieses "Reality-Romans" deutlich.

Der schwerreiche George Morton unterstützt mit Millionen die Aktionen einer großen Umweltorganisation. Doch verschiedene Ereignisse lassen darauf schließen, dass Nick Drake, der ehrgeizige und profilsüchtige Chef dieser Organisation, mit diesem Geld auch Gruppen und Aktionen außerhalb des legalen Raums unterstützt. Gerade in dem Augenblick, als sich der Verdacht auf gewaltsame Umweltaktionen verdichtet und Morton seine weitere Unterstützung aufkündigt, stirbt er bei einem Autounfall. Doch eine andere, verschwiegene Behörde ist den dubiosen Aktivitäten bereits auf der Spur und klinkt sich bei dem Anwalt und der Umgebung des Mäzens ein, um Schlimmeres zu verhüten. Aus verschiedenen Indizien und Beweisstücken ermitteln sie, dass mit Wissen und Unterstützung Drakes anlässlich einer größeren Umweltkonferenz an verschiedenen Orten Umweltkatastrophen künstlich erzeugt werden sollen, um als schlagende Argumente für weitere und stärkere - staatliche - Unterstützung zu sorgen. Die unter hohem Zeitdruck stehenden Untersuchungen ergeben, dass in der Antarktis als Zeichen der Erderwärmung ein gigantischer Gletscher abgesprengt werden soll, in einem Nationalpark im Süden der USA ein Unwetter künstlich derart verstärkt werden soll, dass mit vielen Opfern unter den Besuchern zu rechnen ist, und dass - last but not least - im Pazifik ein künstlicher Tsunami erzeugt werden soll, der halb Kalifornien unter Wasser setzen würde.

Da angesichts der kurzen Zeitspanne - es dreht sich um wenige Tage - weder in der Antarktis noch im fernen Pazifik an diplomatische und polizeiliche Maßnahmen zu denken ist, entscheiden sich die wenigen Eingeweihten frei nach "Thriller-Manier", die Probleme im Alleingang zu lösen. Nun beginnt ein spannendes Wettrennen mit der Zeit um den halben Globus, und dabei erfährt der Hörer viele Details über die technischen Möglichkeiten, künstliche Katastrophen herbeizuführen. Versteht sich, dass am Ende das Gute knapp siegt, doch darum geht es dem Autor nur in zweiter Linie. Sein Hauptanliegen besteht darin, weltweite Ideologien und vorgefertigte Denkmuster aufzubrechen. Geschickt baut er dabei längere Exkurse über den angeblichen Klimawandel ein. Demnach ist die landauf, landab prophezeite Katastrophe aufgrund der raschen Erwärmung wissenschaftlich in keiner Weise abgesichert, ja es gibt sogar Anzeichen für eine Abkühlung der Atmosphäre entlang großer klimahistorischer Schwankungen. Hätte man nicht vor kurzem in der deutschen Presse die Klage eines renommierten Wissenschaftlers gehört, dass viele Kollegen ihre Ergebnisse bewusst in Richtung Klimakatastrophe unter Nichtbeachtung wissenschaftlicher Sorgfalt aus ideellen Gründen umdeuteten, so wollte man diesen Behauptungen nicht glauben. Doch die detaillierten, teilweise einer wissenschaftlichen Arbeit würdigen Ausführungen wirken zu eindeutig und im Verein mit der grundsätzlich positiven Haltung des Autors zum Umweltschutz zu überzeugend, um sie als Gegenpropaganda abzutun. Zunehmend ergibt sich aus diesem Roman der Eindruck, dass große Umweltorganisationen irgendwann nur noch als Selbstzweck existieren und wie normale Firmen um Ausweitung ihres Marktes und Erhöhung ihres Budgets bemüht sind. Die ökologischen Ziele wurden bei der Gründung festgelegt und - wie ein Bibeltext - nicht mehr hinterfragt. Eine problembezogene Arbeitsweise, die auch Änderungen der ursprünglichen Standpunkte beinhaltet, liegt außerhalb des Denk-Horizonts, und eine De-Eskalierung der Katastrophentheorien wird geradezu als geschäftsschädigend betrachtet. Vor diesem Hintergrund werden dann schließlich auch gewaltsame Aktionen erwogen, um das prinzipiell hehre Ziel mit umso mehr Durchschlagskraft zu verfolgen.

Am Ende, wenn die künstlichen Katastrophen in letzter Minute verhindert worden sind, fügt der Autor noch aus dem Munde des Protagonisten seine eigene Vision einer effizienten Umweltarbeit an: streng am konkreten Problem orientiert und auf pragmatische Lösungen sinnend, sollten kleine Organisationen ohne großen Verwaltungsaufwand aber mit hoher Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein arbeiten. Wenn sie eine bestimmte Größe oder ein bestimmtes Alter erreicht haben, sollten sie aufgelöst werden, um neuen, auch personell frisch besetzten Organisationen Platz zu machen und um damit jegliche Profilierungssüchte und Verselbständigungstendenzen im Keim zu unterdrücken.

Wenn auch der normale Sterbliche zu all den wissenschaftlichen Details keine belastbare Meinung entwickeln kann und deshalb den Aussagen in diesem Hörbuch glauben oder sie ablehnen muss, vermittelt doch der Grundtenor des Romans ein hohes Engagement und den Eindruck einer langjährigen, gründlichen Beschäftigung mit dem Thema. Schon deshalb lohnt es sich, diesen Thriller nicht links liegen zu lassen, sondern sich über seine Aussagen Gedanken zu machen.

Das Hörbuch besteht aus 6 CDs mit einer Spieldauer von 7,5 Stunden und ist im Audiobuch-Verlag  unter der ISBN 3-89964-155-8 erschienen.