Hörbücher
Mo Hayder: "Haut"

                                                                    
April 2010 Englischer Thriller über medizinische Experimente mit logischen Brüchen
 

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CD-CoverEin Gespenst geht um im Gebiet von Bristol, allerdings nur bei den Nachforschungen der Polizei. In einer illegalen Wohnung wurden ein Ritualmörder und sein afrikanischer Helfershelfer gefasst sowie das enthauptete Opfer gefunden. Vieles deutet auf alte afrikanische Stammes-Rituale hin, bei denen Glücksbringer aus menschlichen Organen, vorzugsweise von Weißen, angefertigt und verkauft werden. Verschiedene Phänomene verweisen auf ein besonders kleinwüchsiges Wesen, das sich durch kleinste Öffnungen Zugang zu Häusern verschaffen und beliebig verstecken kann. Die afrikanischen Mythen kennen ein solches Wesen - halb Mensch, halb Tier - mit übernatürlichen Fahigkeiten. Doch Inspektor Caffery sowie die Polizei-Sergeantin Flea Marley zeigen sich skeptisch gegenüber solch mystischen Hintergründen und vermuten eher handfeste Ursachen.

Kurz nach der erwähnten Razzia wird eine junge Frau gefunden, die sich nach der Einnahme einer Überdosis von Beruhigungsmitteln offensichtlich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Doch einige Kleinigkeiten passen nicht zu der Selbstmordtheorie, und Caffery verfolgt gegen die Weisung seines Vorgesetzten hartnäckig diesen offiziell bereits abgeschlossenen Fall weiter. Gleichzeitig verschwindet eine andere Frau aus einer Entzugsklinik und wird nicht mehr gefunden. Dafür entdeckt Flea Marley bei einem Such-Tauchgang durch einen alten Steinbruch den Kadaver eines gehäuteten Hundes. Sie selbst hat große Probleme mit ihrem Bruder, der auf einer entlegenen Straße mit ihrem Auto betrunken einen Menschen getötet und in den Kofferraum gelegt hat. Flea ist also beruflich wie privat äußerst angespannt und muss gleichzeitig zwei Probleme lösen.

Während Caffery dem geheimnisvollen afrikanischen Minimonster nachjagt und es rational zu erklären versucht, erfährt er von ihrem geschiedenen Mann, dass die angebliche Selbstmörderin trotz Arbeitslosigkeit über beträchtliche Einkünfte verfügt hat, und tippt sofort auf Erpressung mit nachfolgender Ermordung der Blutsaugerin. Doch die bereits vorgefertigte Selbtmordtheorie seiner Vorgestetzen erschwert ihm die Arbeit außerordentlich. Währenddessen verwickelt sich Flea immer mehr zwischen ihren privaten und beruflichen Problemen, muss sie doch feststellen, dass beide über die überfahrene Person eng miteinander verzahnt sind. Um ihrem labilen Bruder zu helfen, verstößt sie gegen alle dienstliche Vorschriften, kann jedoch nicht verhindern, dass die Dinge eine Eigendynamik entwickeln und sich mehr und mehr ihrer Kontrolle entziehen. Dabei spielen auch ihr Bruder und dessen intrigante Freundin eine mehr als unrühmliche Rolle.

Als plötzlich eine Krankenschwester einer Schönheitsklinik ebenfalls als "offensichtliche" Selbstmörderin nach demselben Strickmuster wie die andere Tote stirbt, schält sich für Inspektor Caffery langsam ein Muster heraus, das zu der Klinik führt. Gleichzeitig landet Flea bei einer Frau, die angeblich über belastendes Material über ihren Bruder verfügt, ohne dessen Sprengkraft zu kennen. Doch als Flea beschließt, der Frau das Material für viel Geld abzukaufen, geht diese zu einer Schönheitsoperation in die besagte Klinik, und nun überschlagen sich die Ereignisse. Für Caffery ist klar, dass irgendetwas mit den Schönheitsoperationen eines bestimmten Arztes an dieser Klinik nicht stimmt, und er schleicht sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ohne Durchsuchungsbefehl - schließlich gibt es nicht einmal einen handfesten Verdacht - in die Klinik und das Privatwohnung eines Arztes ein.

Nun kommt es zu dem typischen "Showdown" jedes Thrillers, wobei der Held noch einmal in Lebensgefahr gerät, weitere Menschen sterben und alle Beteilgten versuchen, ihre Probleme mit mehr oder weniger legalen Mitteln zu lösen. Am Ende kennt Caffery das dunkle Geheimnis seiner Kollegin, ahnt aber einen schweren Gewissenskonflikt und denkt an eigene schwere Entscheidungen in seiner Vergangenheit. Flea wiederum löst ihr Problem auf sehr unkonventionelle Weise mit Hilfe angeblicher afrikanischer Fabelwesen und weiß nicht einmal, dass sei einen nahen Mitwisser hat.

Mehr wollen wir hier nicht verraten, denn spannend ist das Hörspiel und kann eine längere Autofahrt durchaus verkürzen. Allerdings leidet die Logik der Handlung unter einer gewissen Inkonsistenz. So hat die Geschichte der afrikanischen Rituale und Fabelwesen wenig mit der eigentlichen kriminellen Handlung zu tun, und auch nach der Auflösung werden die logischen Zusammenhänge nicht klar. Sie werden durch eine Nebenhandlung eher künstlich hergestellt. Weiterhin muss der "deus ex machina" oder "Kommissar Zufall" helfen, um die verschiedenen Erzählstränge schließllich zusammenzuführen. Denn um Kenntnis von Flea Marleys "Parallelwelt" und ihren aktuellen Problemen zu erlangen, muss Inspektor Caffery mitten in der Nacht (!) intuitiv und ohne konkreten Grund genau an die abgelegene Stelle an den Steinbrüchen fahren, wo Flea gerade ihr Problem zu lösen gedenkt. Das wirkt denn doch arg an den Haaren herbeigezogen, frei nach dem Morgenstern-Motto: "das Tier tat's um des Reimes willen".

Das Hörbuch umfasst 5 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 425 Minuten, ist im Audio-Verlag unter der ISBN 978-3-89813-965-6 erschienen und kostet 19,99 Euro.

Frank Raudszus


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