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Sjöwall/Wahlöö: " Die neuen Fälle - Kommissar Beck ermittelt" |
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Drei Kriminalromane um Kommissar Martin
Beck aus den siebziger Jahren |
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Bei
diesen Hörbüchern beeindruckt zuerst einmal die Ansammlung
großer Namen unter den Sprechern. Charles Wirths, Horst Frank,
Gert Haucke, Benno Sterzenbach, Hans-Helmut Dickow, Ernst Jacobi und
Charles Brauer werden allerdings nur älteren Hörern bekannt
sein. Der zweite Eindruck zeigt jedoch, dass mittlerweile gut 35 Jahre
ins Land gegangen sind, in denen sich auch die Krimi-Zunft
weiterentwickelt hat. Im Vergleich zu heutigen Krimis, etwa von Arne
Dahl oder Stig Larsson, wirken sie geradezu harmlos und bescheiden.
Brutalität und Grausamkeit - physisch wie psychisch - wurden
damals ausgeblendet oder höchstens angedeutet. Eine Vergewaltigung
wurde lediglich erwähnt, jedoch nicht im Detail dargestellt.
Ähnliches galt für Morde. Die Opfer waren einfach tot und es
ging darum, den Täter zu identifizieren. Heute - durchaus kein
Fortschritt - glauben die Autoren Folter und Quälerei zwecks
Aufbau und Erhaltung der Spannung detailliert beschreiben zu
müssen, da die Leserschaft durch dreißig Jahre
Medienentwicklung abgehärtet und abgestumpft ist. Auf der anderen
Seite recherchieren heutige Krimiautoren auch die sachlichen und
poitischen Hintergründe wesentlich genauer, während damals
allein die Aufnahme eines aktuellen Themas schon zu reichen schien. Schon der erste Krimi, "Der Polizistenmörder", irritiert, da der Titel eigentlich nicht dem Inhalt entspricht. In einer Kleinstadt an der Küste wird eine Frau umgebracht. Schnell geraten ein nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe in der Nähe wohnender Sexualtäter sowie der Ex-Mann in Verdacht. Dem ersten traut man sowieso jede einschlägige Schandtat zu, und der zweite, ein ehemaliger Kapitän, ist Alkoholiker und konnte sich nie mit der Trennung von seiner Frau abfinden. Die Indizien gegen den Sexualtäter verdichten sich, so dass die Polizeiführung energisch entsprechende Maßnahmen fordert. Nur Martin Beck glaubt nicht an die Täterschaft, da die Tatumstände nicht eindeutig sind und er außerdem persönlich von der Unschuld des Verdächtigen überzeugt ist. Ähnliches gilt für den Ex-Ehemann. Hier findet man die typische, mittlerweile zum Klischee gefrorene Konstellation: aufrechter, vom (menschlichen) Instinkt getriebener Polizist gegen inkompetente, karrieregeile Vorgesetzte. Mitten
während dieser fast totgelaufene Ermittlung ereignet sich
plötzlich an anderer Stelle eine Schießerei zwischen
Polizisten und Kriminellen, wobei ein Polizist ums Leben kommt.
Über das Auto der Kriminellen ergibt sich dann plötzlich eine
Verbindung zu dem anderen Fall, wobei "Kommissar Zufall" in
unglaublicher Weise zuschlägt, da die Kriminellen das Auto
gestohlen und mit dem ersten Mord überhaupt nichts zu tun haben.
Dass auch der Polizist nicht an Verbrecherkugeln gestorben ist, erweist
sich nicht nur als Pointe, sondern ermöglicht dem Autorenduo die
Reinwaschung des Kriminellen zum fehlgeleiten Jugendlichen und die
Stigmatisierung der Polizisten als schießwütige Rambos. Die
Autoren verzichten dabei auf eine eingehende Milieuschilderung und
belassen es bei den publikumswirksamen Andeutungen. Der eigentliche
Mörder wird dann sozusagen nebenher erwischt, aber das ist auch
schon nicht mehr so wichtig. Im
zweiten Krimi, "Die Terroristen", kommt ein republikanischer US-Senator
nach Schweden. Natürlich gehört er zu der üblen Sorte
der texanischen Selbstjustizler mit ihren Rambo-Manieren und kommt als
Reinkarnation des "american way of life", der gegen Ende des
Vietnamkrieges weltweite Ächtung erfuhr, auch wenn er mal nichts
mit dem Krieg im fernen Osten zu tun hatte. Martin Beck fürchtet
eine Aktion einer weltweit agierenden Terrorgruppe, die aus ehemaligen
Söldnern und Berufsterroristen besteht. Aufschlussreich ist dabei,
dass er diese Gruppe keiner politischen Richtung zuordnet, sondern sie
in einem nebulösen Raum zwischen internationalem Politterrorismus
um seiner selbst willen und dunklen Geschäftemachern ansiedelt.
Offensichtlich sind es keine politisch orientierten Terroristen, wohl,
weil die Autoren gegen diese keine erfolgreiche Polizeiaktion
inszenieren wollten. Man lässt seine geheimen Idole nicht durch
Polizisten entlarven und vernichten, und geheime Idole waren die Linken
in den Siebzigern - vor dem Zusammenbruch des real existierenden
Sozialismus - in den Intellektuellenkreisen der meisten westlichen
Länder allemal. So kämpft Beck halt gegen eine von vornherein
dubiose und einwandfrei verbrecherische Bande, wobei diese
literatur-politisch den Nachteil aufweist, dass sie keine Entsprechung
in der Wirklichkeit findet. Natürlich gelingt es Beck nicht nur,
das Attentat zu verhindern oder besser zu "neutralisieren", sondern er
und seine Leuten töten auch nahezu alle Tatbeteiligten, was bei
der unpolitisch-despotischen Ausrichtung der Gruppe - wer genau hinter
ihr steht, lassen die Autoren aus einer gewissen Verlegenheit offen -
die politisch eher links angesiedelte Leserschaft nicht störte. Das
sind nur zwei Beispiele von insgesamt drei Hörspielen in dieser
Sammlung. Natürlich fehlt es in diesen Kriminalhörspielen
nicht an einer gewissen Spannung, doch die geschilderten Schwächen
mindern am Ende den Erkenntniswert auf die rasche Entwicklung dieser
Literaturgattung. Und so, wie die Krimis der sechziger Jahren nur
Affirmation mit den bestehenden Verhältnissen lieferte - gute
Polizisten, gute Opfer, Bösewichter als Täter -, haben die
Autoren Sjöwall und Wahlöö rückblickend die
Realität in ganz ähnlicher Weise an ihre Weltsicht angepasst. Das
ist im Audio-Verlag
unter
der ISBN 978-3-89813-952-6 erschienen, besteht aus sechs CDs
mit einer Gesamtlaufzeit von 321 Minuten und kostet 19,99 €. |
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