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Michael Sontheimer: "Natürlich kann geschossen werden" |
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Eine kurze Geschichte der Roten Armee
Fraktion (RAF) |
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Sontheimer
geht sein Thema chronologsich und mit großer Sachlichkeit an. Ihm
geht es in erster Linie um die genaue Schilderung der Ereignisse,
soweit sie überhaupt bekannt sind. Wer sich mit dem Thema
beschäftigt hat, weiß, dass alle Inhaftierten zu den Morden
der siebziger und achtziger Jahre eisern schweigen, und dass die Morde
der dritten RAF-Generation Ende der achtziger und Anfang der neunziger
Jahre - Herrhausen, Zimmermann, Rohwedder - nie aufgeklärt wurden.
Sontheimer stößt in diesen Fällen auf natürliche
Grenzen, achtet diese aber insoweit, als er auf jegliche Spekulation
verzichtet, die über die Verdachtsmomente der
Ermittlungsbehörden hinausgeht. Die
erste Generation der RAF bestand aus den mittlerweile zu Ikonen
gewordenen Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin nebst
einigen anderen Mitgliedern. Aus dieser frühen Konstellation
entstand der Begriff "Baader-Meinhof-Bande", obwohl Andreas Baader
eigentlich mit Gudrum Ensslin liiert und die Beziehung zu Ulrike
Meinhof stets problematisch war. Die Geschichte der RAF begann nach dem
"Startschuss"-Ereignis des Todes von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967
während der Berliner Studenten-Demonstrationen gegen den Besuch
des Schahs von Persien. Für die Brandanschläge auf ein
Frankfurter Kaufhaus ging Andreas Baader ins Gefängnis, wurde aber
in einer spektakulären Aktion durch Gudrun Ensslin und die damals
noch als reguläre Journalistin arbeitende Ulrike Meinhof befreit.
Nach weiteren Banküberfällen und Morden wurde die gesamte
Gruppe verhaftet und schließlich 1976 in Stuttgart-Stammheim zu
lebenslänglicher Haft verurteilt. Aus der Haft organisierte die
Gruppe nicht zuletzt mit der Hilfe ihrer Anwälte - Croissant,
Schily, Ströbele - den weiteren Widerstand und den Aufbau der
zweiten RAF-Generation. Diese bestand unter anderem aus Brigitte
Mohnhaupt und Christian Klar und war für den Mord an Bundesanwalt
Siegfried Buback im April 1977 verantwortlich. Die genauen
Tatbeteiligten sind bis heute nicht mit Sicherheit identifiziert
worden, da alle RAF-Mitglieder die Aussage zur Sache verweigern. Als im
selben Jahr die versuchte Entführung von Jürgen Ponto, dem
Vorstandssprecher der Dresdner Bank, mit dessen Ermordung endete und
damit die Freipressung der in Stammheim Inhaftierten scheiterte,
entführte die RAF auf Druck der Stammheim-Insassen
schließlich im September 1977 den Arbeitgeberpräsidenten
Martin Schleyer und forderte die Freilassung der Inhaftierten. Als
Bundeskanzler Schmidt dies ablehnte, entführte eine
verbündete Palästinensergruppe ein Lufthansaflugzeug bis nach
Mogadischu, wo die GSG 9 des Bundesgrenzschutzes die Insassen befreite
und die Terroristen tötete. Als sich daraufhin die inhaftierten
RAF-Mitglieder in Stammheim das Leben nahmen, wobei sie die Selbstmorde
als Morde inszenierten, war die Geschichte der ersten RAF-Generation
abgeschlossen. Die zweite Generation lebte nur wenige Jahre länger
in Freiheit und saß ab Anfang der achtziger Jahre weitgehend im
Gefängnis. Während die zweite Generation sich weniger mit
politischen Aktionen als vielmehr mit dem Selbstzweck der Befreiung der
ersten Generation beschäftigt hatte - hieran erkennt man auch
deren im Grunde unpolitische Egozentrik -, unternahm die eher
schemenhafte dritte Generation erst gar keine Entführungs- und
Freipressungsversuche, sondern tötete lediglich fast wahllos
führende Vertreter von Politik und Wirtschaft. Bis heute sind die
Mitglieder dieser epigonalen Truppe nur vage bekannt, wobei Zuordnungen
zu einzelnen Taten kaum möglich sind und auch kaum
Fahndungserfolge erzielt wurden. Sontheimer
beschreibt die hier in Kurzform beschriebenen Ereignisse in ihrer
Entstehung und allen Details, soweit sie bekannt sind, bis hin zu
Diskussionen innerhalb der RAF oder der Ermittlungsbehörden.
Sontheimer vermeidet dabei jegliche politische Stellungnahme zu den
Motiven der RAF und der Politiker, legt jedoch Widersprüche,
Fehler und bedenkliche Entwicklungen konsequent offen. Genauso, wie er
die zunehmende politische Unglaubwürdigkeit der RAF aufdeckt,
zeigt er auch die Einschränkungen, die der demokratische
Rechtsstaat verfügen zu müssen glaubte, bis hin zu der bis
heute nicht geklärten Frage, ob die Behörden von den geheimen
Kommunikationsmechanismen und Waffen der Stammheim-Gefangenen wussten
und ihre wenig verschlüsselten Selbstmorddrohungen billigend in
Kauf nahmen. Ohne Zweifel war der Tod der Inhaftierten die beste
Lösung für die Politik, musste man doch jetzt keine
Freipressungen mehr befürchten. Als
Sprecher fungiert der Schauspieler Bernt Hahn. Er trägt den Text
ohne jedes Tremolo oder persönliche Empörung vor und bleibt
dem sachlichen Stil des Autors treu. Diese Geschichte der RAF
benötigt keine nachträgliche Entrüstung, sie spricht
für sich. |
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