Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Der Krimi um den geheimen Templerorden als Hörkassette
 

Geheimbünde und Verschwörungstheorien haben die Menschen seit jeher fasziniert. Die Idee geheimer Zirkel, die abseits aller öffentlichen und legalisierten Gewalten die wahre Herrschaft ausüben, befriedigt offensichtlich ein tiefsitzendes Verlangen nach Autorität, Unterordnung und Fatalismus. Der Orden der Tempelritter, gegründet während der Kreuzzüge und lange Zeit ein militärischer Schild gegen die "Heiden", erfüllt alle Voraussetzungen für die Legendenbildung. Die seltene Mischung aus monastischer Askese und wildem Draufgängertum sowie das plötzliche Ende durch königliche Auflösung und Massenhinrichtungen bieten ausreichend Stoff für Mythen. Der italienische Erfolgsautor Umberto Eco ("Im Namen der Rose") hat sich in seinem Roman "Das Foucaultsche Pendel" dieses Themas angenommen und es zu einem zeitgenössischen Roman verarbeitet. Der HÖR-Verlag hat diesen Roman jetzt in seiner Reihe "Audio-Books" unter der Regie von Otto Düben als Hörspiel herausgebracht.

Eine Gruppe Mailänder Verlagslektoren, die sich vorrangig mit esoterischer und mystischer Literatur beschäftigen, entwickeln aus Verdruß über die abstrusen Verschwörungs-Manuskripte verrückte Esoteriker und mehr oder weniger aus intellektuellem Spaß eine Verschwörungstheorie um den Templer-Orden. Aus zufälligen Computer-Collagen alter Texte erstellen sie einen entsprechenden Text, der beim ersten Hinsehen sogar eine gewisse Konsistenz aufweist. Als einer von ihnen den Text plötzlich ernster als geplant nimmt und den selbsterfundenen Theorien in der Realität nachforscht, wandelt sich das scheinbar harmlos-spöttische Spiel zum tödlichen Krimi für die Beteiligten. Informanten verschwinden spurlos, und dann wird auch der "Spiritus Rector" der Lektorgruppe" entführt, während er in einem panischen Telefongespräch dem verblüfften Ich-Erzähler und Kollegen mitteilt, daß die Spott-Theorie voll und ganz zutrifft.....

An dieser Stelle beginnt das Höspiel. Casaubon, der Ich-Erzähler, reist sofort zum Ort des Geschehens, nach Paris, um dort nach dem Rechten zu sehen. Was er innerhalb eines Tages und einer Nacht erlebt, faßt er in einem Brief an seine Freundin zusammen. Dabei geht er bis zu den spielerischen Anfängen der jetzt so dramatisch endenden Ereignisse zurück und entwickelt die Geschehnisse in einzelnen Episoden. Diese Rückblenden-Technik erlaubt es dem Autor, wie in einem Krimi von Anfang an hohe Spannung zu erzeugen und gleichzeitig sein eigentliches Anliegen zu verwirklichen, nämlich die Geschichte der Esoteriker, Mystiker und Geheimorden der letzten 800 Jahre zu erzählen. Immer wieder werden die Tempelritter, die Rosenkreuzler, die Freimaurer und andere Bünde geschickt in die aktuellen Ereignisse eingeflochten, mal als historischer oder literarischer Diskurs der Protagonisten, mal als geschichtliche Tatsachen. Die Verlagerung des eigentlichen Geschehens in unsere heutige Zeit erleichtert die Identifikation mit den handelnden Personen und schlägt eine Brücke vom Jetzt zum Damals.

Eco bemüht sich, die herrschenden Theorien und ihre historischen Begleitumstände bei aller romanhaften Spannung sachlich und verständlich darzustellen. Dafür bietet sich natürlich das Medium Buch als ideale Plattform an, während das Hörspiel hier immer Abstriche machen muß. Im Gegensatz zur Lesung reduziert ein Hörspiel die Vorlage immer auf die Handlung auf Kosten der Hintergrund-Schilderung. Das ist auch die einzige Schwäche der Hörform: oftmals wirken die Theorien etwas kraus und kurzatmig, wie eine hastige Zusammenfassung. Dabei geht die inhaltliche Konsistenz des Romans an manchen Stellen verloren, und eine einfache Liebesbeziehung erhält mehr Gewicht als die Entwicklungsgeschichte der Templer-Legende.

Dennoch vermittelt auch die Hörspielform dem Zuhörer Fakten und Hintergrundwissen über die Geschichte der Mystiker, Geheimbünde und Esoteriker der letzten tausend Jahre. Wer sich dieses Wissen in der Verbindung mit einer spannenden Geschichte aneignen möchte, sollte sich das Ausdio-Book "Das Foucaultsche Pendel" nicht entgehen lassen. Es ist im HÖR-Verlag unter der ISBN 3-89584-028-9 erschienen und besteht aus 3 Kassetten mit einer Gesamt-Laufzeit von 229 Minuten.