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Betrachtet man die Geschichte der christliche(n) Kirche(n), so fällt unmittelbar die männliche Dominanz auf: Jünger, Apostel, Papst und katholische Priester - alles Männer. Die Frauen spielen hier nur als Gottesmutter Maria oder Heilige eine Rolle, über entscheidenden Einfluss verfügen jedoch nur die Männer.
Die schwedische Autorin Marianne Frederiks- son hat jetzt mit diesem Buch der Maria Magdalena und ihren Gefährtinnen ein Denkmal gesetzt, die Leben und Sterben von Jesus laut verfügbarer Quellenlage mehr oder weniger direkt miterlebt haben, in der klerikalen Literatur jedoch kaum Spuren hinterlassen haben.
Maria Magdalena ist dem durchschnittlich bibelfesten Bürger nur als Name und von religiösen Malereien aus Mittelalter und Renaissance bekannt. Ihr Lebensweg und Ihre Rolle im längst legendären Leben Jesu sind kaum bekannt und waren bisher keiner längeren Betrachtungen wuerdig.
Marianne Frederiksson füllt diese Lücke mit ihrem Roman über das Leben der Maria aus Magdala, so wie es abgelaufen sein könnte, denn historische Dokumente sind darüber kaum vorhanden.
Maria wächst als ältestes Kind einer kinderreichen Familie auf. Der Vater verwindet die Schmach nicht, dass sein Erstgeborenes eine Tochter ist, und straft sie mit Nichtachtung. Die Mutter schämt sich des zweiten Stigmas, dass Maria blonde Haare und blaue Augen hat. Dem Leser bleiben die Spekulationen überlassen, wer der eigentliche Vater Marias ist....
Als ihre Familie durch römische Soldaten ermordet wird, kommt Maria durch glückliche Umstände zu einem neuen Zuhause, wenn auch in einem Bordell. Dort wächst sie unbehelligt(!) auf und lernt die Liebe mit dem jungen Quintus kennen, dem sie dann jedoch den Laufpass gibt. Aus freien Stücken wird sie anschliessend Edel-Prostituierte, bis sie auf einem Landausflug zufällig Jesus von Nazareth trifft und lieben lernt. Bedenkenlos verlässt sie ihre Stiefmutter und folgt Jesus bis zu dessen bitterem Ende.
Während die Juenger - im Gegensatz zur Bibel! - vor Angst noch vor der Verhaftung von Jesus in die Berge geflohen sind, bleiben Maria und die anderen Frauen da und erleben den Tod Jesu mit.
Anschliessend macht die von Jesus Tod geschockte Maria eine schwere Zeit der seelischen und geistigen Verwirrung durch, ehe sie Ihr alter Wohltäter findet und sie in sein Haus aufnimmt. Nach seinem Tod trifft sie die anderen Frauen der letzten Stunde Jesu wieder - Susanne, Salome und Lydia - und beschliesst, ihre Erlebnisse mit Jesus aufzuschreiben.
Marianne Frederiksson schildert in diesem Roman die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu aus der Perspektive einer beteiligten und betroffenen Frau. Dabei geht sie mit dem historischen Material sehr frei um, wohl wissend, dass das kirchliche Jesus-Bild mehr Legende als historische Wahrheit ist. Bei Frederiksson ist Jesus ein normaler junger Mann, der auch der körperlichen Liebe nicht abgeneigt ist, der aber eine weit über das Übliche hinaus gehende Sensibilität für die Menschen und für seinen Gott zeigt. Keiner hat ihn wirklich je verstanden, und auch Maria Magdalena behauptet das von sich nicht. Sie hält jedoch bis zum letzten Moment unter persönlicher Gefahr zu ihm und versucht, ihm beizustehen.
Die Jesus-Geschichte ist jedoch nur eine Facette, wenn auch die wichtigste, in Marias Leben. Marianne Frederiksson zeigt in diesem Roman dieUnterdrückung der Frau bereits in den alten Kulturen und den Versuch einer jungen, mutigen Frau, sich aus dieser Welt der Vorurteile zu befreien. Sie schildert in diesem Buch keine gesicherten historischen Abläufe, sondern, wie das Leben einer Frau abgelaufen sein mag zu jener Zeit, und das am Beispiel einer herausgehobenen Figur des neuen Testaments.
Der HÖR-Verlag hat den Roman als Audio-Kassette herausgebracht. Sibylle Kuhne liest mit viel Gespür für die Situation dieser jungen Frau und schafft es, der Erzählung die Lebendigkeit eines Hörspiels zu verleihen.
Das HÖR-Buch ist unter der ISBN 3-89584-677-5 erschienen und umfasst 3 Kassetten mit einer Spieldauer von 210 Minuten.
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