| Robert Gernhardt: Die Toscana-Therapie |
| Satirisches Zeitgeist-Portrait als Hoerspiel | |
Als der Frankfurter Cartoonist und Satiriker Robert Gernhardt 1986 das Schauspiel Die Toscana-Therapie veröffentlichte, erntete er befreiendes Lachen, auch der Betroffenen, da diese darin den Nachbarn und Kollegen wiedererkannten.
Zehn Jahre später ist der Zeitgeist dieser Jahre etwas verflogen oder hat sich verschoben, dennoch ist die Audio-Version dieser Satire immer noch hörenswert.
Das Akademikerpaar (wichtig!) Gerhard und Karin verbringt den Urlaub im toskanischen Domizil eines Freundes. Natürlich passt der Traktor des Bauern und das Zirpen der Zikaden überhaupt nicht in die ach so linksliberale und naturgeneigte Idylle des Paares, und wie selbstverständlich stellt man den - bürgerlichen - Ruheanspruch über die Bedürfnisse und Pflichten der lokalen Bevölkerung.
Zusätzlich hat sich Karin in einem Anfall intellektuell gefärbten Großmuts einen vermeintlichen Schriftsteller ins Haus geladen, der sich nun als schnorrender Alkoholiker erweist und Anspruch auf Dauerasyl erhebt.
In die durch einen unerwartet bevorstehenden Kurzbesuch des Hauseigentümers gespannte Atmosphäre platzt plötzlich ein jüngeres Pärchen, angeblich ebenfalls Freunde des Eigentümers. Im Handumdrehen nisten sich die beiden ein und setzen sich an den gedeckten Tisch. Als der Nachbar, umschwärmter FAZ-Feuilletonist, zum Abendessen eintrifft, ist die Runde komplett. Nun entspinnt sich ein satirischer Multilog, in dem alle munter den Zeitgeist der 80er satirisch widerspiegeln. Das reicht vom gespaltenen Bewusstsein eines bürgerlichen Linksintellektuellen über die zotigen Witze eines Pseudo-Literaten bis zur aufgesetzter Betroffenheit und epigonalem Erkenntnis-Geplapper.
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