Ralf Kramp:"Tief unterm Laub"

Kriminalroman über alte Geschichte(n) in einem Eifelstädtchen
 

In Köln läuft ein alter Mann bei Rot über die Straße und wird überfahren. Ein junger Mann, der ihn als "Zivi" betreut hat, erlebt seine letzte Stunde im Krankenhaus und erfährt seine hingehauchte Bitte, jemanden zu finden. Der einzige Anhaltspunkt für die Suche ist ein altes Vorkriegsfoto eines glücklichen Paares. Der junge Mann geht der Sache nach und stirbt plötzlich eines unnatürlichen Todes, bei dem alles auf einen Sprung aus dem Fenster nach übermäßigem Drogengenuss hindeutet. Larentius Bock, der introventierte Besitzer eines kleinen Kopierladens, gerät zufällig in die Szenerie und an Lindy, die Freundin des Toten, die ihn sofort als Täter verdächtigt. Um sich zu entlasten, erklärt er sich bereit, zusammen mit ihr die Hintergründe aufzudecken. Die vorhandenen Spuren führen in ein verschlafenes Eifeldorf, deren einziger Tribut an den Wandel der Zeiten eine Reihe von Ferienhäusern darstellt. Eins dieser Häuser gehört einem verdächtigen Antiquitätenhändler, dem die beiden Zufalls-Detektive folgen.

Nachdem sich die Dinge in dem kleinen Dorf erst nur zäh entwickeln, überschlagen sich die Ereignisse, als die beiden Rechercheure durch ihre Fragen anfangen aufzufallen. Dem plötzlichen vermeintlichen Unfalltod des Verdächtigen folgen Anschläge auf das Leben von Bock und Lindy. Langsam beginnt sich das Mosaik aus den Steinchen der Nachforschungen herauszukristallisieren, und es kommen alte, häßliche Geschichten aus der Vergangenheit ans Licht.

Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, sondern Interessenten empfehlen, sich die Hör-Kassette selbst anzuhören. Der Sprecher Stepan Benson liest nicht nur mit enger Textfühlung, sondern intoniert auch die verschiedenen Dialekte aus dem Kölner Raum und der Eifel sehr lebensnah, einschließlich unterschiedlicher Tonlagen und Mentalitäten. Auf diese Weise werden die handelnden Personen plastisch und in ihrer Motivation deutlich. Überhaupt verzichtet dieser Krimi auf die heute üblichen Versatzstücke wie "coolen" Humor oder obligatorische Liebesgeschichten. Andeutungen reichen, wo andere Autoren dick auftragen. Die Geschichte wird mit Tempo, aber ohne übertriebene Dramatik vorangetrieben, genau so, wie man es sich in einem kleinen Eifeldorf vorstellt. Die beiden Hauptdarsteller treten nie als geniale Amateur-Detektive mit dem schnellen Durchblick auf sondern decken eigentlich nur Dinge auf, die nach Entdeckung schreien. Auch die Bösewichter agieren mit der typischen Kurzsichtigkeit und Panik des realen Lebens, in dem die meisten Verbrechen eher aus Affekt oder kurzsichtiger Habgier entstehen denn aus strategischer Planung. Die Täter stehen ebenso unter Druck wie die Ermittler und begehen einfache Fehler.

Am Ende läuft alles auf eine Auflösung hinaus, die der erfahrene Krimi-Leser schon erahnt hat, ohne deswegen von dem Resultat enttäuscht zu sein. Machart und Darbietung des Geschehens sind geradlinig und überzeugend, ohne Mätzchen und spektakuläre Dramatik, und überzeugen gerade deswegen.

Die Hör-Kassette "Tief unterm Laub"ist in der Reihe KBV-Krimi im Verlag Klein & Blechinger erschienen (ISBN 3-927658-67-7) und beinhaltet zwei Kassetten mit einer Gesamt-Laufzeit von 216 Minuten..