„F@lco“ – Emotionen bis aufs Blut

Musical über Wiens verlorenen Popstar ist „bockstark“
 
In der neuen Wiener Szene setzt das Musical „Falco“ Emotionen „pur“ frei. Vom 1. bis 30. April läuft im „Ronacher“ die Cybershow um den Popstar, der vor zwei Jahren bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik zu Tode kam. 

Bei dieser musikalischen und szenischen Biografie des Wiener Idols geht soundmäßig „die Post ab“, dass es zum Schluss keinen Zuschauer mehr auf dem Sitz hält. Laser- und 3D-Animationen knallen optische Effekte ins Publikum, Wasserfontänen ergießen sich über die Bühne, Strip-Girls tanzen provozierend „an der Stange“, und Falcos „Blut“ wird eimerweise an das Publikum ausgeschenkt. Ein Feuerwerk aus Sinnes- eindrücken pumpt die Besucher auf, setzt Emotionen frei, dass selbst Schubert, Mozart und Beethoven in ihren zerknautschten Kleidern neiderfüllt aus der Unterwelt auftauchen und und lautstark skandieren: „wir wollen auch Popstars werden ...... wir wollen ficken....!“, da die klassischen Konzerte – nur noch von achtzigjährigen Schnarchern besucht – den musikalischen Altvordern nach Falcos Cybershow nicht mehr genügen.....

Die „Location“, ein plüschiges Theater mit rotsamtenen Sitzen und geschwungenen Balkonen, in dem man sich ein gediegenes Mozart-Konzert 
 
vorstellen könnte, gerät zur brodelnden Hölle, wenn Rapper-Glatzkopf Gregory und sein Kumpel Makazaria dem Publikum mit „Der Kommissar geht um“ einheizen. Die Songs stammen alle aus Falcos bekanntem Repertoire und vor allem die Stehplatz-Inhaber im Parkett grölen als „Groupie-Chor“ begeistert mit.

Regisseur Paulus Manker hat eine mitreißende Inszenierung hingelegt, die mit vielen neuen Ideen überzeugt und das Publikum mit hohem Tempo ins neue Jahrtausend beamt.
André Eisermann spielt überzeugend den sensiblen Hans Hölzl alias „Falco“, der erst per Computer-Animation sein „Alter Ego–Golem“ aufbaut und dann über den Erfolg und die totale Vermarktung seine Identität verliert. Die Cybershow entrollt das typische Leben eines Popstars des ausgehenden 20. Jahrhunderts, in dem das Publikum dem Star alles nimmt: 

seine Gefühle, sein Herz und sein Blut. Er gibt alles und vernichtet damit am Ende sich selbst. „Showbiz at its best!”. Bist Du ausgelutscht, wirst Du entsorgt. André Eisermanns Falco steht in nichts seinem André in „Schlafes Bruder“ nach.

Bei allem Tempo und Ideenreichtum und den vielen schmissigen Falco-Songs ist „Falco“ auch ein kritisches Stück, das die Zuschauer nicht verschont....

Joshua Sobol hat dieses Musical der neuen Generation geschrieben. Bereits 1996 überzeugte er bei den Wiener Festwochen mit „Alma – a Show Biz ans Ende“, das vier Jahre lang das Kultstück der Wiener Theaterszene war. „Falco“ hat alle Chancen, zum Kult- Musical der Jahrtausendwende zu avancieren.

 „Falco – a Cybershow“ läuft noch bis zum 30. April  im Ronacher/Wien. „He´s only an entertainer, a short lived creature....“, ein dekadenter Säufer als Produkt einer dekadenten Gesellschaft.

Wie wär´s mit etwas Sushi nach dem Theaterbesuch? Gleich um die Ecke in der Stubenbastei 12 gibt es das kleine Restaurant „Asahi Sushi“, das täglich bis 23.30 Uhr geöffnet hat. Zu empfehlen ist das kleine Sushi-Set mit sechs Sushi und drei Maki für 98 Schilling. Alle Speisen werden ganz frisch und appetitlich zubereitet.