| |
Wie alle Großstädte leidet Wien unter dem Auto- verkehr, dem auch stetig steigende Spritpreise offensichtlich nichts anhaben können. Zwar sind die stinkenden Blechkarossen weitgehend aus der Innenstadt auf den Ring verdrängt worden, aber immer noch krauchen auch „drinnen“ noch genü- gend dieser Gattung durch die engen Gassen zwi- schen renovierten Prachtbauten der Kaiserzeit. Daher raten wir jedem Wien-Besucher dringend ab, Wien mit dem eigenen Auto erforschen zu wollen. Wer bei schönem Frühlingswetter nicht in die U-Bahnschächte abtauchen oder sich dem Zuckeltempo der Straßenbahnen aussetzen möchte, der kann die Stadt auch mit dem Fahrrad erkunden.
Ein enges Wegenetz ebnet dem Radler alle Wege durch das innere und äußere Wien und hält ihm den Autoverkehr weitgehend vom Halse. Einen guten Eindruck von der Stadt erhält man, wenn man sich vom Graben, der zentralen Fußgänger- Zone Wiens, nach Nordwesten an der Freyung vorbei - zum Schottenring wendet. Dort geht es dann auf einem großzügigen Radweg unter früh- lingsgrünen Bäumen bis zum Donau-Kanal. Von hier aus verzweigt sich der Radweg nach links und rechts.
Die linke Spur führt dicht am Kanal entlang nach Norden bis nach Heiligenstadt und Nussdorf, wo Beethoven und Schubert einst gewohnt haben. Auf der Fahrt dorthin durchquert man die verschiede- nen baulichen „Zwiebelschalen“ Wiens. Dominieren anfangs noch die alten Prachtbauten mit Blick auf den früh angelegten Kanal, folgen später typische Nachkriegsbauten aus den sechzi- ger und siebziger Jahren, und noch viel später taucht dann die „Neo-Romantik“ eines Friedens- reich Hundertwassers in Gestalt des neuen Wärme- kraftwerks ganz im Stil des „Meisters“ auf.
In Nussdorf vereint sich das obere Ende des Kanals mit der Donau, wo wir schließlich über eine alte Prachtbrücke vom östlichen auf das westliche Ufer wechseln. Dort geht es zurück bis Universität, wo der Fahrradweg nach Westen abknickt und der über weite Strecken hochgeleg- ten U-Bahn-Linie folgt. Hier sieht es bisweilen aus wie in Berlin, wo auch die Hochbahnen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts das Stadtbild bestim- men. Die Straße führt links und rechts in ausrei- chendem Abstand vorbei und lässt so in der Mitte genügend Platz für Fußgänger und Radler. Man kann hier sogar entspannt nebeneinander fahren und einen kleinen Plausch halten.
Der Weg führt uns durch die Stadtteile Alsergrund (9. Bezirk), Josefstadt(8.), und Neubau (7.) bis nach Mariahilf (6.), wo wir die Fahrräder beim Westbahnhof wieder abgeben. Der Weg führt noch weiter nach Süden über die Wien in die Vorstädte, aber das eigentliche Wien endet im Süden im angrenzenden Margareten (5. Bezirk). Wer will, kann die Umrundung nach Osten fortsetzen, bis er in dem Ortsteil Landstraße wieder auf den Donaukanal stößt, um diesem nach Nordwesten bis zum Schottenring zu folgen. Die gesamte Rundtour ist per Fahrrad in einem Tag zwischen 10 und 16 Uhr gut zu bewältigen, und anschließend kann man die müden Beine in einem typischen Beisl in der Altstadt oder auch am Spitteler Berg bei einem Glas Wein ausstrecken
|