Wintersport-Spaß bei Nacht


Fun-Sportarten am Erlebnisberg Nagelköpfli
  In Zeiten knapper werdender Reisebudgets müssen die Tourismus-Regionen viel Kreativität entwickeln, um Stammgäste zu halten und neue Besucher zu gewinnen. Dies gilt besonders für die Ski-Regionen Österreichs, die vor allem auf die deutschen Besucher setzen, denen das Geld nicht mehr so leicht von der Hand geht wie noch vor wenigen Jahren. Schneekanonen sind mittlerweile überall zum Standard geworden, und so müssen neue Ideen her, um den Gast zum Kommen und Bleiben zu animieren.

Harry Liebmann, der Geschäftsführer des Tourismusverbands Piesendorf/Niedernsill, hatte sich schon einige Zeit seine Gedanken gemacht, ehe er sie an die zuständigen Stellen herantrug. Nun mag mancher Leser fragen, wo denn diese beiden Orte liegen, von denen nur Wenige bisher gehört haben dürften. Sie befinden sich genau zwischen den bekannteren Orten Mittersill und Zell am See, die beide als touristische Zentren bekannt geworden sind und sich hinsichtlich neuer Ideen doch von den benachbarten beiden Dörfern den Rang ablaufen ließen.

Harry Liebmann hatte die Vision eines "Weißen Erlebnisparks", der an einem einzigen Ort verschiedene unterhaltsame und nervenkitzelnde Wintersportarten bieten sollte. Bei der Realisierung hatte er hohe Hindernisse zu überwinden, waren die Behörden nach dem Unglück von Kaprun doch sehr sensibilisiert und vorsichtig gegenüber neuen Ideen. Doch seine Beharrlichkeit und nicht zuletzt seine Begeisterung behielten schließlich die Oberhand, und mittlerweile hat der "Erlebnisberg Nagelköpfli" den Betrieb aufgenommen.

 

Ein  beleuchteter Schlepplicht führt auf eine Anhöhe, die von dem Restaurant "Nagelbauer" gekrönt wird, das vor allem für seine einfallsreiche österreichische Küche bekannt ist. Das besondere an diesem Lift ist jedoch - neben seiner normalen Funktion - die Möglichkeit, sich von ihm auch auf einem Rodelschlitten hinaufziehen lassen zu können. Oben geht es dann auf einer flachen Piste bis zum Eingang in die Rodelbahn, die professionellen Geschwistern ihrer Art nachempfunden ist. Gleich zu Beginn stürzt sich ein enger Schlauch mit hoch gezogenen Seitenwänden in die Tiefe, um dann etwas abzuflachen und anschließend in abenteuerlich enge, glücklicherweise überhöhte Kurven überzugehen. Wer nur das normale Rodeln mit Kind und Kegel am Übungshang gewohnt ist, muss sich hier auf sportlicheres Ambiente gefasst machen, denn es erfordert alle Mühe und Aufmerksamkeit, um den Schlitten durch die schnellen Kurven zu steuern. Für die zusätzliche Bremse ist man da bisweilen schon dankbar. Doch so aufregend es beim ersten Mal aussieht, gefährlich ist die Fahrt in keiner Weise, höchstens Adrenalin fördernd.

Der Erlebnisberg bei Nacht

Wem das Rodeln zu aufregend ist, der kann sich beim "Tubing" ausruhen - denkt er vielleicht. Von einem Kinderlift lässt man sich auf einem Gummireifen in LKW-Format auf eine - diesmal kleinere Anhöhe ziehen und sich dann auf die glatt gebügelte Piste gleiten. Allerdings ist zu empfehlen, die Fahrt bäuchlings anzutreten, andernfalls man sich sitzend in immer schnellerer Fahrt dreht und mit dem Rücken zur Talrichtung abwärts saust, was etwas unangenehm ist, da man unten durch die hohen Kurven geschleudert wird. So mancher lustvolle Schrei begleitet vor allem das Ende dieser Rutschpartie. 

Eine Steigerung hierzu stellt der "Zipflbob" dar, der seinen Namen von der delikaten Form und Anordnung des Haltegriffs entlehnt. Man sitzt auf einem Plastikbrett vom Zuschnitt einer größeren Kohlenschaufel und hält sich nur an dem "Zipfl" zwischen seinen Beinen fest, bevor man in den Hang abkippt. Die rasante Fahrt nimmt den Atem und sorgt vor allem bei Anfängern für reichlich Schnee in Mund und Nase, da die meisten mit den Füßen voraus steuern.

Wer genug vom rasanten Rutschen hat, der kann sich beim Drachenfliegen ausruhen. An einer etwa 200 Meter langen Seilbahn ist ein echter Paraglider befestigt, auf dem sich die beiden Probanden bäuchlings festschnallen lassen, in Säcke eingepackt und sicher im Gebälk des Fluggefährts aufgehängt. Dann geht es mit den Füßen voran aufwärts zum Startpunkt, von wo aus dann die sausende Fahrt abwärts bis zum Einstiegspunkt geht. Gerade Besuchern, denen ein echter Paraglider-Flug zu gefährlich erscheint, können hier einen Eindruck von dieser Sportart und vielleicht Geschmack daran gewinnen. Nach Aussagen von Insidern ist hier schon so mancher Besucher zum Anhänger dieser Raum greifenden und Freiheit atmenden Sportart geworden.


Entspanntes Gleiten 

Wer nun immer noch nicht genug des Nervenkitzels hat, der kann sich noch von einer "Rakete" die Piste hoch schießen lassen. Ein beidseitig befestigtes Bungee-Seil wird nach hinten wie eine "Zwille" gespannt, an deren Ende eine Luftkissen den Besucher bäuchlings aufnimmt. Bergauf starrend und sich krampfhaft an den Haltebügel klammernd, harrt er des Moments, da der Auslöser betätigt wird, um dann wie ein Pfeil nach vorne zu schießen. Wer sich nicht richtig festhält, sieht sich plötzlich unsanft auf den harten Schnee fallen und die Gummimatte vor sich enteilen. Tut zwar nicht weh, sieht aber ziemlich dumm aus! Gerade junge Männer können von diesem nur scheinbar waghalsigen Spiel nicht lassen und kommen immer wieder. Die ins Horizontale gekippte Bungee-Variante ist zwar nicht ganz so aufregend wie ihr vertikales Vorbild, dafür aber auch ungefährlicher als diese.

 


Wenn man dann alle Übungen einmal oder mehrmals absolviert hat, hat man sich zwecks Beruhigung der Nerven einen Absacker in der "Schirmbar" verdient und kann sich von der fetzigen Musik der 70er, 80er und 90er Jahre zum Mitsingen oder einfach nur zum Wohlfühlen animieren lassen.

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