| Im Trabi zu Luthers Hochzeit und danach zum Wasserski |
| Wassertourismus in Sachsen-Anhalt | |||||||||
So gegensätzlich die Meinungen über den Epos „Der Herr der Ringe“ auch sein mögen – eines haben Leser, Zuschauer und Kritiker dennoch gemeinsam: sie alle werden dem Autor J.R.R. Tolkien große Anerkennung für seine Phantasie gezollt haben. Sie mögen sich gefragt haben, wer oder was Tolkien zu der Erschaffung einer solch märchenhaften und facettenreichen Welt inspiriert haben könnte. Die Vorlage für das „Auenland“, die Heimat seiner liebenswerten „Hobbits“, dürfte er jedenfalls im Herzen Deutschlands gefunden haben. Denn hier gibt es eine ebenso verträumte, saftig-grüne Welt, durch die sich Flüsse schlängeln: die Elbauenlandschaft in Sachsen-Anhalt. Eine
Paddeltour auf der Elbe
Die Elbe verdient sich ihre Stellung als Namensgeberin dieses Landstrichs: mit 303 Kilometern ist sie der längste Fluss des Bundeslandes. Aber auch Ströme wie Saale, Unstrut, Elster und Mulde überziehen Sachsen-Anhalt mit einem Netz aus Wasserstraßen, das mit wogendem Schilf, üppig blühenden Ufern und einsamen Stränden Lust auf Urlaub auf und am Wasser macht. Neben den Fließgewässern bieten auch Arendsee, Süßer See oder Bergwitzsee und aus der Rekultivierung ehemaliger Tagebauten entstehende Seen - wie die Goitzsche nahe Bitterfeld - zahlreiche Aktivitäten rund um das kühle Nass. Dazu gehören auch für die Mitte Deutschlands eher ungewöhnliche Wassersportarten wie Tauchen, Wasserski oder Surfen. Sachsen-Anhalt war bisher wohl eher unter Experten als Wassersportrevier bekannt; jetzt holt das Landesmarketing auf und bietet mit seinem Konzept „Blaues Band“ mit gleichnamigen Katalog zahlreiche Vorschläge für Motorboot- und Kanutouren auf seinen Gewässern. Eine übersichtliche Gewässerkarte, die Informationen zu Bootsverleih und -wartung, Anlegestellen, Häfen und Schleusenzeiten mit einschließt, erleichtert die individuelle Routenplanung. Seit der Eröffnung des Wasserstraßenkreuzes bei Magdeburg verzeichnet das Land einen deutlichen Anstieg beim Wassertourismus aus dem In- und Ausland. Wen es auf seiner Reise durch Dessau führt, der kommt am Bauhaus nicht vorbei. Das Bauhaus, gegründet 1919 als erste Hochschule für moderne Gestaltung von Walter Gropius, hat die Architektur weltweit revolutioniert. Berühmt wurde es vor allem durch seine avantgardistischen Ideen und sein interdisziplinäres Lehrkonzept, das Kunst und Technik miteinander verknüpfte. 1925 entstanden in Dessau das Bauhausgebäude und sieben Meisterhäuser – heute zählen sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Führung durch das Bauhaus selbst wie durch die Meisterhäuser – allen voran das Klee/Kandinsky-Haus – mitzuerleben ist ein absolutes Muss, gibt sie doch Einblick in die „Gestaltung für den neuen Menschen“, in die weiße, kubische Architektur und Konstruktionen aus Glas und Stahl sowie in das Denken und Arbeiten von bedeutenden Künstlern wie Ludwig Mies van der Rohe. Die Lutherstadt Wittenberg
ist Dessau in punkto Sehenswürdigkeit mindestens ebenbürtig. Das „Best Western Stadtpalais“ im Herzen der Stadt ist der ideale Ausgangspunkt, um Luthers Lebens- und Wirkungsstätten zu Fuß zu entdecken. Wittenberg gilt als Wiege der Reformation: hier schlug Luther im Jahre 1517 seine 95 Thesen wider den Ablasshandel an die Tür des Schlosses. Das ehemalige Wohnhaus Luthers, vormals ein Kloster, zählt heute zum UNESCO-Welterbe und ist das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt. Dr. Martin Luthers Leben wird hier auf einer Fläche von 1.800 qm durch originalgetreue Nachbildung von Szenen seines Alltags veranschaulicht. Dazu kommen diverse museumspädagogische Angebote und Multimedia-Stationen zur Erschließung bedeutender Exponate. Höhepunkt in Wittenberg aber ist das historische Stadtfest mit dem Titel „Luthers Hochzeit“ mit großem Festumzug am Samstag, das jedes Jahr am zweiten Juni-Wochenende stattfindet. Das Fest erinnert an die Hochzeit Luthers mit der aus einem Kloster entflohenen Nonne Katharina von Bora.
Besonders empfehlenswert sind die Stadtführungen ungewöhnlicher und deshalb erlebenswerter Art: beispielsweise mit „Ophelia“ und den „Ehefrauen“ Luthers und Cranachs, die in mittelalterlichen Kostümen und Redensarten bei Nacht durch ihren Klatsch die Geschehnisse in der Stadt Anfang des 16. Jahrhunderts auf amüsante Weise näher bringen. Stärken können sich Wittenbergs Gäste vorher im Restaurant „Schlosskeller“ – hier serviert man traditionelle regionale Spezialitäten wie zu Luthers Zeiten: Met in Zinnbechern, Kümmelfleisch mit sauren Gurken in gusseisernen Pfannen und zum Ausklang Quarkkeulchen mit Beerenmousse.
Eine erste Etappe auf der Reise sollte Ferropolis sein – die „Stadt aus Eisen“ bei Gräfenhainichen in der Dübener Heide. Fünf gewaltige Tagebaugeräte im Ruhestand wurden um eine große Freifläche gruppiert und bilden einen beeindruckenden Rahmen für diverse Freiluft-Konzerte im Sommer. Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten an den Geräten und bedeutenden Verbesserungen in der Infrastruktur gilt Ferropolis mit Fug und Recht als eine in Deutschland einzigartige Open-Air-Arena. Dass sie 2004 sowohl Bühne für die Oper „Nabuco“, Kulisse für das Festival Melt! für elektronische Musik als auch Plattform für Udo Lindenberg darstellt, zeigt, wie wandelbar die Eisenstadt ist. Mittels komplexer Bühnenaufbauten und Bestuhlung sowie außergewöhnlicher Lichtinstallationen gelingen individuell unterschiedliche Stimmungen. Außerhalb der Veranstaltungstage bietet Ferropolis seinen Besuchern geführte Touren durch ein Museum über den Tagebau und das Gelände mit seinen Giganten aus Eisen. Bei soviel Kultur steigt die Sehnsucht nach dem Wasser – das dritte UNESCO-Weltkulturerbe der Region, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, vereint beides in sich. Im 18. Jahrhundert nahmen sich Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und sein Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf die Gärten Englands zum Vorbild für eine ausgedehnte Parklandschaft zwischen Dessau und Wörlitz, Elbe und Mulde. Die Gestaltung des Gartenreichs wurde von der Idee bestimmt, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden. Besucher können es heute mit dem Fahrrad erkunden. Die Wörlitzer Anlagen, mit dem Schloss Wörlitz im Zentrum, faszinieren durch die exakt berechneten Sichtachsen, die fortwährend überraschende Ein- und Ausblicke gewähren. Bei einer Gondelfahrt mit einem leichten Mittagessen oder Kaffeegedeck auf den verzweigten Kanälen bewundern die Gäste schwarze Schwäne und ungewöhnliche Brücken, tauchen wie aus dem Nichts plötzlich Schlösser, Tempel und Skulpturen auf, laden Grotten und aufwändige Ornamente zur näheren Betrachtung ein. Den ganzen Sommer über erwecken Konzerte auf den Wörlitzer Gewässern den Park am Abend zu neuem Leben. Aus dem erstklassigen Programm von Barock, Klassik, Jazz und Swing sticht ein Termin besonders heraus: die Uraufführung des „Blauen Klangs“ am 3. Juli 2004. „Der Blaue Klang“ ist eine eigens für die Wörlitzer Anlagen entwickelte Landschaftsklangkomposition von Johannes Wallmann, die sich sowohl vom Wasser aus als auch bei einer geführten Klangwanderung erleben lässt.
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