Metropole des Mittelalters: 20,90 €

Nix wie weg! In Sachsen-Anhalt wird die Städtereise zur Zeitreise.
 
Der Entschluss steht fest: diesen Sommer soll es eine Städtereise sein. In welche Stadt die Reise gehen soll, erweist sich angesichts der Angebotsvielfalt auf dem Billigflieger-Markt als die schwierigere Entscheidung. Da lockt Paris mit 34,90 € hin und zurück, Barcelona überbietet mit 29,90 € und das Ticket nach London ist sogar schon für 19,90 € zu haben. Der Traum vom Billigurlaub ist jedoch ein kurzer – gleich nach der Landung wird der Reisende kräftig zur Kasse gebeten: für die Unterkunft, das Frühstück im Hotel, das Nahverkehr-Ticket ebenso wie für die Sonderausstellung im Museum. 

Warum also nicht „Städtetour“, „Kulturgeschichte“ und „günstige Reisemöglichkeit“ als Konstanten beibehalten, das böse Erwachen aber vermeiden? Das Geld in den eigenen Tank oder eine Bahnfahrkarte investieren und wahlweise im Jahrtausend alten Magdeburg, der Kulturhauptstadt Halle an der Saale oder einer der verträumten mittelalterlichen Kleinstädte und Dörfer Sachsen-Anhalts aussteigen und ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis vorfinden? Die Strecke Berlin-Magdeburg beispielsweise legt man mit der Regionalbahn für einen Preis von 20,90 € zurück.

Drei Bänder durchziehen die Städte Sachsen-Anhalts und verflechten sie miteinander: das kulturhistorische Band der Straße der Romanik, das Band der „Gartenträume“ und das „Blaue Band“ des Wassertourismus. 


Die Landeshauptstadt Magdeburg

Das Jahr 2005 steht eindeutig im Zeichen des 1200-jährigen Stadtjubiläums Magdeburgs. Magdeburg ist Dom- und Klosterstadt an der Straße der Romanik; mit Elbauenpark, Rotehornpark und der „Grünen Zitadelle“ Hundertwassers ebenso eine grüne, blühende Stadt und durch die Lage an der Elbe auch eine Wasserstadt. Die Stadt feiert ihr Jubiläum mit mehr als 150 Veranstaltungen. Die Ausstellung „Magdeburg 1200“ im Kulturhistorischen Museum, die in 12 Kapiteln die Geschichte der Stadt von 805 bis 2005 erzählt, ist gleichzeitig ein kultureller Höhepunkt wie auch hilfreicher informativer Hintergrund jedes Stadtbesuches. Das Museum wurde bereits 1906 eröffnet und erfüllt seit jeher die Funktion, Exponate der Stadtgeschichte auszustellen. Der „Magdeburger Saal“ mit einem prunkvollen farbigen Wandgemälde ist das Herzstück des Gebäudes. 

Das Magdeburger "Dom-Kapitular"

Die Jubiläumsausstellung präsentiert bis zum 4. September auf über 1.500 m² mehr als 2.000 Exponate, darunter zahlreiche nationale wie internationale Leihgaben; ab 2007 werden Ausschnitte daraus zu einer Dauerausstellung zusammengefasst. Ein originaler Querschnitt des Magdeburger Erdbodens bildet 200.000 Jahre Geschichte ab – fast meint der Museumsbesucher, die Fußspuren Ottos des Großen erkennen zu können. Sehr bedeutendes, da die Stadt begründendes Dokument, ist das „Diedenhofener Kapitular“, ein Gesetzestext Kaiser Karls des Großen von 805, der erstmals „Magadoburg“ als Grenzhandelsplatz an der Elbe erwähnt. Es besagt, dass von diesem Ort aus Handel mit den Ostgebieten getrieben werden dürfe, weist aber wohl aus Eigenschutz auch explizit darauf hin, dass Schwerter und Brustpanzer nicht an die Slawen verkauft werden dürften. 968 verkündet Otto der Große das „Erzbistum“ Magdeburg – diese Schrift ist hier im Original ausgestellt; ebenso wie zwei Handschriften Luthers. Kurios muten die Fundstücke des Geländes an, wo im Mittelalter das St. Annen-Hospital stand: die Sammlung beinhaltet zahlreiche Krücken, Apothekengefäße, Rippenflaschen und Pillendöschen. 

Die Ausstellung zeigt, dass die Stadt Magdeburg mittelalterliche Metropole und bedeutende Hansestadt war. In ihrer Blütezeit um 1600 verzeichnete sie um die 35.000 Einwohner. Die Silhouette der Stadt muss mit ihrer großen Zahl an Kirchtürmen eine ähnliche Wirkung auf die Besucher gehabt haben wie heute die Silhouette New Yorks. Die Reformation erfasste die Region wie im Sturm und 40 Jahre, nachdem Luther hier das erste Mal auf Deutsch zum Volk gepredigt hatte, nahm Magdeburg als zweite große Stadt nach Nürnberg den protestantischen Glauben an. 

Am 16 Mai 1631 aber brachten die kaiserlichen Truppen unter General Tilly Feuer, Tod und Zerstörung über die Stadt und die wenigen Überlebenden wurden aus den Stadtmauern vertrieben, so dass die Stadtbevölkerung ein Jahr später nur mehr 400 Menschen zählte. In Folge wurde die Stadt 1640 gegen ihren Willen Preußen angeschlossen. Sie erstarkte innerhalb von 100 Jahren zur stärksten preußischen Festung, so dass im 7jährigen Krieg sowohl die königliche Familie als auch deren Besitztümer zum Schutz von Berlin nach Magdeburg gebracht wurden. 

Die Ausstellung führt die Stadtgeschichte fort über die Industrialisierung zur Zeit des Dritten Reiches und der zweiten völligen Zerstörung Magdeburgs durch einen 23minütigen Luftangriff im Jahr 1945, durch 40 Jahre DDR bis hin zur Gegenwart.

Otto der Erste und (ob Zufall oder einige Jahrhunderte später bewusst gewählt) Otto von Guericke waren große Namen, welche die Stadt prägten. Von Guericke zählte zu den zehn reichsten Familien Magdeburgs. Er gilt als Entdecker des Vakuums und des „Halbkugel-Versuches“, besitzt aber eine viel größere Bedeutung als Stadtrat über 50 Jahre, Bürgermeister über 30 Jahre und „Gesandter“ der Hansestadt über 20 Jahre. Sein Denkmal findet man nahe des Alten Marktplatzes, der zugleich Standort des ältesten freistehenden Reiterstandbildes nördlich der Alpen ist, das vermutlich den gen Osten blickenden Otto I. mit erster und zweiter Ehefrau an seinen Seiten darstellt. 

Das Chorgestühl des Magdeburger Doms

Die Seele Magdeburgs sind der imposante gotische Dom romanischen Ursprungs und das romanische Kloster Unser Lieben Frauen. Beide Bauwerke überlebten die Zerstörungswellen und prägen heute wie damals das Stadtbild.
Der Dom hat 120 Meter Länge und 34 Meter Breite, die beiden Türme ragen etwas über 100 Meter in den Himmel; somit ist er das größte sakrale Bauwerk in den neuen Bundesländern. Die Grundsteinlegung für den Dom wird mit der Jahreszahl 1207 beziffert. Der Bau dauerte die gesamte Epoche der Gotik an und endete um 1520, weshalb man keine Stilbrüche in der Architektur findet. Französische Baumeister wurden eigens in die Stadt geholt, um die deutschen Handwerker den gotischen Stil zu lehren. 
Im Innern des Doms befinden sich Schätze wie ein Jahrtausende altes Taufbecken (von dem man vermutet, dass es vor 2000 Jahren ein römischer Feldherr als Springbrunnen aus Ägypten mitbrachte), ein außergewöhnlich detailreich gestaltetes Chorgestühl oder die Marmorgrabplatte Ottos I.

Magdeburg bietet neben diesen Zeugen mittelalterlicher Geschichte auch zahlreiche Orte der Ruhe in üppiger Natur, einige davon liegen direkt am Elbufer - wie etwa der Rotehornpark. Der 46 ha große Herrenkrugpark eignet sich wunderbar für einen ausgedehnten Spaziergang; im Anschluss lädt das Restaurant und 4-Sterne-Hotel „Herrenkrug“ im Jugendstilambiente zu Kaffee und Kuchen im Schatten efeuumrankter Wandelgänge. Von hier aus ist es nicht weit zur Anlegestelle der „Weißen Flotte“. An Bord eines ihrer Schiffe eröffnen sich von der Elbe aus völlig neue Ansichten der Stadt. 

Im Magdeburger Zoo

Lohnenswert ist in jedem Fall ein Besuch des Zoologischen Gartens, der am 21. Juli seinen 55. Geburtstag feiert. Knapp 1.000 Zootiere in 170 Arten leben in dieser „Tieroase mitten in der Stadt“ auf 12 Hektar Grünfläche. Das diesjährige Motto drückt aus, was diesen Zoo wirklich einmalig macht: „Tierisch Nah – Der Zoo im Wandel“ lautet das Konzept für einen erlebnisorientierten Tierpark. Die Besucher können hier täglich selbst Giraffen füttern, den Elefanten bei ihrem Fitness-Training zusehen oder in der Futterküche die einzelnen Menüzusammenstellung verfolgen. Wer mit einem ganz bestimmten Tier auf Tuchfühlung gehen möchte, kann das besondere Angebot „Tierpflege live“ nutzen. Für 95 € geht es drei Stunden lang in Gummistiefeln und robuster Kleidung mit den Tierpflegern ins Gehege – tierisch nah an die Bewohner heran. Berühren und füttern der Tiere gehören ebenso dazu wie das Ausmisten und –fegen der Ställe. Der Zoo möchte damit lang gehegte Träume verwirklichen, aber auch ein Problembewusstsein für die Notwendigkeit artgerechter Haltung schaffen und der Entfremdung des Menschen von der Natur entgegenwirken.

Kommende Höhepunkte in Magdeburg sind der Sachsen-Anhalt-Tag vom 1. bis 3. Juli, die Open-Air-Veranstaltungen auf der Seebühne im Elbauenpark, ein Besuch des Jahrtausendturms, die Konzerte im Rahmen des MDR-Musiksommers entlang der Straße der Romanik (26. Juni bis 28. August) sowie abschließend am 3. Oktober die Einweihung des letzten Hundertwasserhauses, der „Grüne Zitadelle“ am Domplatz sein. 


Die Straße der Romanik

Entlang der Straße der Romanik laden 72 rund 1000 Jahre alte Kirchen, Dome, Klöster, Burgen und Pfalzen an 60 Routenorten zur Zeitreise ins Mittelalter ein. Vier Angebotssäulen tragen das Projekt: 
Die Romanik-Ansichtssachen sind die Besichtigungen der Bauwerke sowie der in ihnen untergebrachten temporären und ständigen Ausstellungen. Dieses „Kernprogramm“ kann beliebig erweitert werden. Zunächst bieten sich nach einer mehrstündigen Führung die Romanik-Kostproben an. In Salzwedel etwa haben acht Gastronomen gemäß den im Mittelalter üblichen Zutaten und Zubereitungsarten ihren eigenen „Romanik-Teller“ kreiert, der in der Kaiser-, König- oder Edelmannversion je unterschiedlich ausfällt. Im Restaurant Zur Post labt sich der Gast am Pfannengericht „Des Kutschers Rast“, das sind Schweinemedaillons mit reichlich Lauch und Schinken in einer würzigen Käsesauce, dazu gibt es warmes, knuspriges Roggenbrot. Der Bürgermeisterhof serviert ein „honigglaciertes Hähnchenbrustfilet auf Mandelmilchsauce an knoblauch-duftendem Radieschen-Gurkengemüse sowie Pfifferlings-Safranreistimbale“. 

In Tangermünde stillt man den Durst stilecht in der Alten Zecherei, die in einer ehemaligen Kirche beheimatet ist, mit einem süffigen Kuhschwanzbier, dazu gibt es selbstgebackenes Brot mit Speck und Griebenschmalz. Danach ist zwischen „Von Vögelin“ „Von Fischen“ oder etwa „vonn kalte Spisen“ ein Schmaus zu wählen, beispielsweise der gebratene Zander mit Spinatfüllung, Radieschensauce und Bandnudeln oder ½ Grillhähnchen im Salatbett mit Tangermünder Gewürzmarmelade und kalter grüner Sauce. Ein milder Bierbrand, Produkt der lokalen Braukunst, rundet das Festmahl auf angemessene Weise ab.

Die "Alte Zecherei" in Tangermünde

Nach solch deftiger Kost tut Bewegung Not und gut. Der Romanik-PfadFinder hat dafür zahlreiche Vorschläge parat: vom Radfahren übers Reiten, Paddeln oder Wandern – alle diese Aktivitäten werden entlang der Route auch als Paket mit Sportgerätverleih und Tourenvorschlägen angeboten.

Die Region ist vor allem prädestiniert für den Reitsport: als einziges Bundesland erlaubt Sachsen-Anhalt das Reiten grundsätzlich auf allen Wegen (mit einigen wenigen Ausnahmen). Eine große Zahl an Reiter- und Landgasthöfen bietet Sport- wie Treckingreitern attraktive Angebote. Insbesondere Wanderreiter haben dies erkannt und nutzen mit wachsender Begeisterung die rund 1.000 km kartierten Reitrouten der Altmark, an deren Anfang und Ende immer ein Gasthof mit Stallungen und Gastronomie steht. Vor allem Reiter aus Nordrhein-Westfalen sind begeistert vom Konzept dieses so genannten „Sternreitens“. Eine Station könnte das Landhotel „Albrechtshof“ sein. Mitten auf einer Sommerwiese, an weiß eingedeckten langen Tafeln, wird der lange Ritt mit einer herzhaften altmärkischen Bauernvesper belohnt. 

Schließlich vervollständigen die Romanik-Erlebniswelten die Zeitreise mit einem breit gefächerten Programm „zum Spaße und zur geistigen Erbauung“, das von Sommermusikreihen in romanischen Bauwerken über Winzer- und Burgfeste bis hin zu Freiluftkonzert und –theater reicht. 


Die Altmark

Erweitert die Straße der Romanik die Städtetour als erster Ring, so umfasst die bezaubernde Region der Altmark sie als zweiter Ring. 
Die „Alte Mark“ ist die Region im Dreieck von Berlin, Hamburg und Hannover und von allen diesen Städten schnell erreichbar. Mit ihren blühenden, parkähnlichen Landschaften, den wogenden Rapsfeldern und kleinen Wäldchen wirkt sie wie gemalt. Sie macht aber auch den Eindruck, als befinde sie sich noch im Dornröschenschlaf und warte darauf, dass jemand käme, um sie wach zu küssen. 
Wer allerdings auf der Suche nach solch Ruhe und Beschaulichkeit ist, der hat hier sein Ziel erreicht. Alle 5 bis 7 Kilometer stößt der Wanderer, Radfahrer oder Reiter auf ein verträumtes Dorf mit kleinen Fachwerk- oder Backstein-Gehöften. Bemerkenswerterweise besitzt jedes Dorf seine eigene kleine Feldsteinkirche; insgesamt zählt die Altmark etwa 300 davon. Manche davon sind Patronatskirchen alteingesessener Adelsgeschlechter – so auch die kleine Kapelle Henningens, die unter der Obhut von Baron Werner und Baronin Edda von dem Knesebeck steht und deren Geschichte mindestens auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Die Adelsfamilie, seit Jahrhunderten in Langenapel in der Altmark ansässig, wurde nach dem 2. Weltkrieg von ihrem Gut vertrieben und vollständig enteignet. Zu diesem Zeitpunkt war Werner 5 Jahre alt. In Bayern baute sich die Familie eine neue Existenz auf. Nach dem Fall der Mauer entschlossen sich Baron Werner und seine Frau Edda, die Familientradition fortzuführen und zu den alten Ländereien zurückzukehren. Der Ort Langenapel empfing sie mit offenen Armen und unterstützte die Familie, wo es nötig war; die Nähe der Bevölkerung zu den von dem Knesebecks scheint auch 50 Jahre später ungebrochen zu sein. Sie gründeten einen neuen landwirtschaftlichen Betrieb statt das alte, halb verfallene Gut zu übernehmen, pflegen aber in vielerlei anderer Hinsicht die Tradition ihres Geschlechts. Dies bedeutet speziell für die Kirche, dass sie hier zahlreiche Restaurations- und Instandsetzungsarbeiten durchführen. Sie folgen dabei einer alten Familienweisheit, die auch in der Kapelle verewigt ist: „Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen“.

Eine "Bauernvesper" in der Altmark

Es ist das Glück der Altmark, dass es hier viele Menschen gibt, die sich stark mit der Region identifizieren und mit Herzblut für die Erhaltung der Natur wie der historischen Bauwerke einsetzen. Beispielsweise der Arzt Dr. Ernst Allhoff, von der Herkunft her Westfale, der sich vor ein paar Jahren spontan in das Dörfchen Tylsen verliebte, hier ein Gutshaus erwarb und mit seiner Frau und seinen Pferden das neue Domizil bezog. Seitdem ist er Initiator unterschiedlicher Aktionen, die einerseits die Denkmalpflege von Gebäuden wie dem Alten Dorfkrug oder der Tylsener Schlossruine zum Inhalt haben oder aber dem Dorf mit Einrichtungen wie der „Kulturscheune“ eine Einrichtung bietet, die ebenso Theater, wie Lesung, Konzert oder Kinderfest im Programm hat. 

Nicht nur Dörfer durchziehen die Altmark: sie weist eine Reihe im Mittelalter bedeutsamer Städte auf, die heute nicht minder eine Reise wert sind. Stendal, einst vom Marktflecken zur Hansestadt herangewachsen, galt gar als reichste und schönste Stadt der Mark. Relikte aus dieser Epoche sind die historischen Bauten der typisch norddeutschen Backsteingotik. Ein Stadtrundgang mit Führung stellt auch Marktplatz und Rathaus der Stadt, die Rats- und Hauptpfarrkirche St. Marien, den Dom St. Nikolaus und die Marienkirche vor. 

Die Inselstadt Havelberg hat ihre Stadtführungen kurzerhand auf das Wasser verlegt – bei der 4-Insel-Rundtour lauscht man im Kanu, mit den Füßen im kühlen Nass baumelnd, den Erzählungen des „mittelalterlichen Handelsmannes“ Hagen von Alemann. Wie sie dort auf der Erhebung im Urstromtal von Elbe und Havel thront, ringsherum umgeben von Wasser, verströmt Havelberg ein fast maritimes Flair. Immerhin ist sie die einzige Stadt Sachsen-Anhalts, die einen Verleih für Hausboottouren vorweisen kann; ergänzt wird das Angebot durch einen Yachthafen und diverse Kanu-Stationen. Wahrzeichen wie kultureller Mittelpunkt ist der romanische und gotische Stilelemente vereinende Dom St. Marien. Der Sommer wartet unter anderem mit dem Domfest Ende Juni und dem Havelberger Pferdemarkt auf. 

Stadtrundfahrt in Havelberg

Und schließlich gelangt der interessierte Besucher auf seiner Reise durch die Altmark sogar nach „Klein-Venedig“: die Stadt Salzwedel. Zu diesem Ruf verhalfen dem Städtchen die auf Eichepfählen gegründeten Häuser der Burgstraße. Salzwedel besitzt 54 kleine Brücken, die über schmale Flussläufe führen und von denen sich immer wieder der Blick auf versteckte Terrassen und die Blütenvielfalt verwunschener Gärten eröffnet. Im Stadtbild wechseln sich niederdeutsches Fachwerk und norddeutsche Backsteingotik ab – kennzeichnend für viele Orte der Region.

Jahrhunderte lang standen zwei Ansiedlungen an dieser Stelle eng beieinander und dennoch in stetem wirtschaftlichem Wettstreit, bis sie schließlich von 1263 bis 1518 gemeinsam Mitglied im Hansebund waren. Die juristische Vereinigung fand tatsächlich erst 1713 per Dekret des preußischen Königs statt.

Ein malerischer Blick auf Salzwedel

In früheren Zeiten war Salz die meist gehandelte Ware; heute ist der Baumkuchen in allen erdenklichen Variationen der „Verkaufsschlager“ Salzwedels und trägt zu Recht das regionale Gütesiegel. Im Café Kruse wird der Baumkuchen vor den Augen der Gäste „live“ über dem offenem Feuer gebacken. Der Teig wird mit einer Schöpfkelle auf eine sich konstant drehende Walze aufgetragen und durch die Flamme Schicht für Schicht erhärtet. Auf diese Weise entstehen langsam die Baumringe des Kuchens, denen er seinen Namen verdankt. Der handgemachte Kuchen hat im Gegensatz zu dem maschinell erstellten keine ebenmäßige, sondern eine unregelmäßige Struktur, die je nach Umdrehungsgeschwindigkeit der Walze variiert. 


Um dieses hier nur in Auszügen vorgestellte (kultur-)touristische Angebot voll nutzen zu können, sollte man bereits die Morgenstunden nutzen. Es trifft sich also hervorragend, dass man in Sachsen-Anhalt sowieso 9 Minuten früher aufsteht als im restlichen Bundesgebiet, nämlich schon um 6:39 Uhr. 


Da bleibt nur noch die Bitte an alle Gastgeber dieses Bundeslandes, ihren Kaffee mit etwas mehr Liebe zuzubereiten: ein guter Kaffee mit einer Schaumkrone aus Milch gehört zum Frühaufstehen einfach dazu! 


Text: Anna Raudszus
Fotos: Sebastian Heger



Hilfreiche Links:

www.sachsen-anhalt-tourismus.de

www.altmarktourismus.de

www.12hundert.magdeburg.de