| Trockener Champagner an historischen Ort |
| Troyes und l'Aube - eine Reise durch die südliche Champagne | |
L'Aube - die "Morgenröte" der Champagne Kartenausschnitt (bitte zum Vergrößern anklicken) "L'Aube", das bedeutet im Französischen "Morgenröte". Aus der Sicht der gesamten Champagne und vor allem aus dem Blickwinkel der Bewohner von Paris, die ihre Stadt als das Maß für Weltläufigkeit betrachten, trifft diese Bezeichnung in jeder Hinsicht zu: liegt doch die Aube im im südöstlichen Teil der Champagne und östlich der Hauptstadt, der sie täglich die Morgensonne bringt. Die Region "Champagne" selbst, deren Name natürlich für ihr Hauptprodukt steht, besteht aus vier Weingebieten: "La Montagne de Reims", "La Vallée de la Marne", "La Côte des Blancs" und "La Côte des Bars". Das letzte Gebiet wiederum liegt in der Region "Aube", dem Gebiet rings um die alte Hauptstadt Troyes, und südlich der Stadt. Die "Côte des Bars" verläuft zwischen den beiden Orten Bar-sur-Seine südlich und Bar-sur-Aube östlich von Troyes in nordöstlicher Richtung.
Troyes - ein einziges Baudenkmal Troyes besteht bereits seit zwei Jahrtausenden und wurde vom gallischen Stamm der Tricasse gegründet. Schon damals verband eine der großen römischen Straßen die Stadt mit dem römischen Imperium. Im Mittelalter entwickelte es sich zur Messestadt und erlebte eine lange Blütezeit, von der die alten Fachwerkhäuser noch heute Zeugnis ablegen. Anfang des 16. Jahrhundert brannte die Altstadt zum großen Teil ab, wurde anschließend jedoch im alten Stil wieder aufgebaut. Unterschiede der baulichen Gestaltung weisen jedoch noch heute auf die unterschiedlichen Entstehungszeiten der Häuser hin. Die Stadt zählt heute etwa 60.000 Einwohner, mit dem näheren Umland zusammen etwa das Doppelte. Ihre Hauptstadtfunktion aus früheren Tagen hat sie jedoch aufgeben müssen. Aufgrund der Jahrhunderte alten Rivalität zwischen Reims und Troyes hat man als Kompromisslösung das kleinere Chalons-sur-Marne zur Hauptstadt der Champagne ernannt. Der "Champagnerkorken" von Troyes (zum Vergrößern bitte anklicken) Troyes hat sich auch in seinem topologischen Stadtbild der Bedeutung seiner Umgebung angepasst, bildet der Stadtkern doch die Form eines Champagnerkorkens, dessen Haube nach Nordosten zeigt, den die Seine umspült und ein ehemaliger Kanal gegen den "Korkenschaft" abgrenzt. Hier steht auch die "Cathédrale St. Pierre", die größte und bedeutendste der zumeist gotischen Gotteshäuser am Orte, die in der Tradition der großen französischen Kathedralen steht und sich durchaus mit diesen messen kann. Zwar hat das Geld für den zweiten Turm irgendwann gefehlt, aber auch ohne diesen beeindruckt der sakrale Bau vor allem durch die besonders strahlenden Farben seiner Fenster und durch die weiträumige Anlage seiner Kirchenschiffe. Der autofreie Platz vor der Kirche verschafft dieser den notwendigen städtebaulichen Raum, um ihre Wirkung voll zu entfalten.
Viele der alten Gassen sind für den Autoverkehr sowieso zu schmal und schützen die Spaziergänger mit ihren überhängenden Stockwerken vor Regen und Wind. Darüber hinaus hat man jedoch große Teile der Altstadt im "Kopf" des Korkens zu Fußgängerzonen oder zu Einbahnstraßen erklärt. Dadurch reduziert sich der Verkehr deutlich und lässt die Erkundung der Stadt zu Fuß zum Vergnügen werden. Überall öffnen sich Gassen und Straßen zu lauschigen Plätzen mit restaurierten Häusern, einer der Kirchen oder einem der Märkte, die man unbedingt einmal aufsuchen sollte, um die typische Atmosphäre lustvoller Kulinarik zu genießen.
Der Eingang zum Hotel "Maison des Rhodes" Wer eine Reise nach Troyes plant, benötigt natürlich auch eine Unterkunft. Die Hotels sind mit viel Gespür für das Stadtbild in die vorhandene Struktur integriert. Besonders reizvoll ist das "La Maison de Rhodes" in der ruhigen Nebengasse Rue Linard Gauthier, das in einem aufwendig restaurierten alten Gebäudekomplex residiert. Die Zimmer bestehen trotz moderner Infrastruktur weitgehend aus alten Materialien, unter anderem grobem Mauerwerk, originalen Deckenbalken und Türen. Dadurch stellt sich ein ganz besonderer Flair aus Alt und neu ein. Die Bäder tragen zum Teil den französischen Namen "salle de bain" zu Recht, fühlt man sich dort doch wie in einem altrömischen Badesaal, nur mit moderner Technik. Das im Landhausstil eingerichtete Restaurant bietet eine vorzügliche Speisekarte, die allein schon den Besuch lohnt. Das "Hotel de la Poste" in der Rue Emile Zola liegt etwas näher am Stadtkern, ebenfalls in einem alten Haus, das jedoch nach modernen Gesichtspunkten restauriert wurde. Hier findet man zwar weniger den Landhausstil des "Maison de Rhodes", dafür aber den Standard moderner Hotels mit geräumigen Zimmern.
Landschaft und Orte der Aube Die Aube zeigt sich dem Besucher als offenes Land mit sanften, weiten Hügeln, verstreuten Wäldern und - natürlich - vielen Weinbergen, die vor allem die Südhänge besetzen. Die geringe Bevölkerungsdichte lässt den Eindruck unberührter Landschaft entstehen, den einzelne Bauernhöfe kaum unterbrechen können. Selbst die Orte, die meist mit dem Weinbau zu tun haben, schmiegen sich in die Täler und an die durchfließenden Flüsse und wirken durch ihre niedrige Bebauung wie ein Teil der Landschaft. Aus der kleinen Ortschaft Chaource im Süden von Troyes kommt ein bekannter Käse, und in dem benachbarten Flecken Maisons les Chaource kann der Gast sein müdes Haupt im Hotel "Aux Maisons" niederlegen, nachdem er im Restaurant ein wahrhaft umwerfendes Sechs-Gänge-Menü bewältigt hat, das natürlich vom eröffnenden Champagner bis zum abschließenden Rotwein ausschließlich Getränke der Aube begleiten.
Der kleine Ort Essoye dagegen bezieht seine Bedeutung von dem Maler Pierre Auguste Renoir, der hier einen Großteil seines Lebens verbracht hat. Sein Wohnhaus ist weiterhin im Besitz der Familie Renoir und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, in dem kleinen Atelierhaus am Ende des Grundstücks hat man jedoch ein bescheidenes Renoir-Museum eingerichtet, das neben Dokumenten über das Leben des Künstlers und seiner Familie auch verschiedene Alltagsgegenstände und Originalmöbel enthält. Im Ort sind an allen Stellen, die Renoir für seine Arbeit aufsuchte, Staffeleien mit Kopien der entsprechenden Bilder ausgestellt. Eine kleine Karte gibt den Verlauf dieser "Renoir-Rallye" wieder. Nach dem Ausflug in die Vergangenheit der Malerei ist es nicht mehr weit bis zur "Domaine de Foolz", einer Hotelanlage nahe dem Dorf Bourguignons am Seine-Ufer, die aus einem Haupthaus mit Restaurant und Seminarräumen sowie elf einzeln stehende brandneuen Blockhütten besteht, in denen die Gäste sich in rustikaler Atmosphäre bei großzügigem Raumangebot entspannen können. Die drei Seen (zum Vergrößern bitte anklicken) Wen es nach Sport und Freizeitvergnügen verlangt, der kann sich nach Osten zu den drei großen Seen wenden. Diese dienen als Rückhaltebecken für die durchfließende Seine und bewahren so Paris in nassen Zeiten vor einer Überschwemmung. Die Seen bestechen vor allem durch ihre Weitläufigkeit und die weit gehend unberührte Natur des "Parc Naturel Régional de la Forêt d'Orient", der das gesamte Seengebiet umschließt. Fahrrad- und Spazierwege sowie schwach befahrene Straßen ermöglichen ausgedehnte Fahrradtouren und Wanderungen, die man an vielen Stellen für ein ufernahes Picknick oder - im Sommer - für ein kühles Bad unterbrechen kann. Der "Lac d' Orient" ist der größte dieses Wasser-Tripels und für Segelboote nahezu aller Größenklassen ein Eldorado. Die unbebauten Ufer verleihen diesem wie den anderen Seen einen natürlichen Charakter. Der "Lac de Temple" ist für Angler und kleine Segelboote reserviert, und der "Lac Armance" schließlich lässt auch Motorboot- und Jetskifahrer zu ihrem Recht kommen.
Das Clubhaus desGolfclubs "La Cordelière" im Regen Wer die sportliche Betätigung auf festem Boden dem Wassersport vorzieht, kann in der Aube auf mehreren Golfplätzen den Kampf mit dem kleinen Ball und den eigenen Nerven aufnehmen. Südlich von Troyes, nahe Chaource, lockt der Golf-Club "La Cordeliéres", ein alteingesessener Verein mit weitläufiger, eingewachsener Anlage und einem Clubhaus, das vermuten lässt, dass bereits Louis XIV. hier Golf gespielt hat. Westlich des Lac d'Orient liegt mitten im Wald der Club "Golf de la Forêt d'Orient" mit angeschlossenem Hotel "Holiday Inn" und und östlich des selben Sees hat mit dem "Golf de l'Ermitage" ein brandneuer Platz seine Löcher geöffnet, der aber noch etwas Zeit für die Feinarbeit benötigt.
Der Champagner - Synonym für Esprit
Doch so einladend sich die Landschaft der Aube auch darbietet, das wichtigste Merkmal dieser Gegend liegt doch in ihrem überragenden Produkt, dem Champagner. Die gesamte Champagne beherbergt etwa 7.000 Champagner-Betriebe, von denen sich die meisten in Familienbesitz befinden und sich vor allem an der "Côte des Bars" konzentrieren. Die mit Reben voll besetzten Südhänge geben darüber deutlich Aufschluss, und die Orte zeigen auch, dass es sich bei diesem Getränk nicht gerade um ein Massenprodukt handelt. Großzügige, aufwendig gebaute Häuser und Weingüter prägen das Ortsbild, wo man auch hinkommt, und der Wein - das heißt natürlich: der Champagner - bestimmt Wirtschaft und Tagesablauf der Einwohner. Die Ortschaft Les Riceys mit ihren drei Ortsteilen Ricey-Haut, Ricey-Bas und Ricey Haut Rive nimmt dabei mit ihren 870 ha Weinbergen eine besondere Stellung ein, da von hier der herausragende Rosé de Ricey kommt, den Kenner als kleines Juwel betrachten. Beim Weingut "Morize Père et Fils" in Ricey-Haut lernt der Besucher, dass die Herstellung eines guten Rosés wesentlich schwieriger als die eines Rotweins ist, da schon kleine Fehler im Verfahren ihn in Rotwein umschlagen lassen. Die Kunst besteht darin, die Gärung so fein zu steuern, dass sich der erwünschte, leichte und spritzige Rosé einstellt. Dieser zeigt denn auch beim Verkosten ein völlig anderes Bouquet als ein normaler Rotwein. Die Stückzahl beschränkt sich jedoch auf einen sehr kleinen Prozentsatz der Gesamtproduktion, da für den Rosé nur die besten Trauben in Frage kommen. Der Champagner ist natürlich auch bei Morize Hauptprodukt, und in den alten Weinkellern kann man Tausende von Flaschen begutachten, die hier jahrelang liegen und täglich nach der Champagnerart um ein Achtel gedreht werden, um langsam die Gärungsstoffe in den Flaschenhals sinken zu lassen, wo sie am Ende dieses Prozesses mit einem "Knall" entfernt werden. Daneben stellt Morize mit dem Coteaux Champenois auch einen Rotwein her, der sonst in der Champagne eher rar ist.
Das Weingut Drappier in Urville nahe Bar-sur-Aube gehört zu den größten Champagner-Herstellern der Region. Der Keller wurde bereits im Jahr 1150 von Mönchen gebaut, der Familienstammbaum der Drappiers lässt sich bis ins 17. Jahrhundert verfolgen. Der Keller wurde in den letzten Jahrhunderten systematisch ausgebaut und wird auch derzeit wieder erweitert. Drappier hat in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gegen Skepsis und Spott der Branche die "Pinot Noir"-Rebe als Grundlage für den Champagner eingeführt, die heute 70% der Champager-Produktion zugrunde liegt. Drappier führt als einziges Weingut der Champagne die Flaschengärung in allen Flaschentypen bis zur 30-Liter-Flasche durch, während die anderen Hersteller die großen Flaschen nach der Gärung aus mehreren kleinen befüllen. Der des Champagners nur als Konsument kundige Besucher lernt hier auch, das es normalerweise keine Champagner-Jahrgänge gibt, da dieses Getränk aus Weinen verschiedener Jahrgänge gemischt wird. Nur einzelne, herausgehobene Champagner tragen eine Jahrgangsangabe. Der Likör, der jedem Champagner zum Schluss in Tropfenmenge beigegeben wird, reift bei Drappier in Eichenfässern und lagert anschließend mehr als zehn Jahre in Glasbehältern. Der weitgehende Verzicht auf - den schädlichen - Schwefel verleiht Drappiers Champagnern den warmen Goldton und ein ausdrucksvolles Aroma. Essen gehört zum Trinken Den Champagner sollte man - wie allen Alkohol - auf nüchternen Magen nur in kleinen Mengen trinken. Daher hat der Gott, der den Franzosen den Champagner brachte, ihnen auch die Kunst des guten Essens in die Wiege gelegt. Wo immer man sich in der Aube zu Tische setzt, kann man davon ausgehen, fürstlich bewirtet zu werden. Nicht satt zu werden steht im Mittelpunkt der kulinarischen Bemühungen sondern der reine Genuss. Ob es nun das bereits vorgestellte "Aux Maison" in Maisons des Chaource ist, das Restaurant der Domaine de Foolz in Bourguignons oder des "Céladon" im Herzen von Troyes: überall speist vom "vom Feinsten", vom "amuse bouche" bis zum Dessert und dem abschließenden Café. Dazu kommen natürlich die passenden Weine und Champagner der Region, so dass sich nach einigen Tagen in der Champagne guten Gewissens sagen lässt, man habe gelebt "wie Gott in Frankreich". Kaufrausch in Troyes Doch neben Essen und Trinken gibt es noch weitere Leidenschaften, Sehnsüchte und Bedürfnisse, die sich in Troyes stillen lassen. Wer gerne einkaufen geht, neudeutsch "shoppen", der findet im Süden von Troyes ein wahrhaft beeindruckendes "Outlet-Mekka" vor, das wohl das größte seiner Art in Europa ist. Alle Markenhersteller von Rang und Namen geben sich in den zwei Zentren an den südlichen Ausfallstraßen nach Nancy und Dijon ein Stelldichein und bilden dabei eigene kleine Ortschaften. Eine Nennung einzelner Namen wäre, da zwangsläufig unvollständig, eine unberechtigte weil einseitige Schleichwerbung für diese Firmen. Kaufräuschige Leser oder Leserinnen dieser Zeilen werden jedoch ihre Lieblingsmarke mit Sicherheit hier vorfinden. Allerdings sollte man sich für einen Besuch einen freien Wochentag aussuchen, denn Paris ist nicht weit und Troyes ist dort für seine preiswerten Outlet-Angebote durchaus bekannt. Am besten, man verbindet die "Shopping-Tour" mit einem Besuch in Troyes, einer Weinprobe bei einem der Champagnerhersteller und einem guten Abendessen. Die lokalen Hotels bieten eine Reihe günstiger Pauschalarrangements für zwei oder drei Tage an, die alles Wünschenswerte enthalten. Näheres dazu erfährt man einfach über die Webseiten der Aube, von Troyes oder über E-Mail |