| Paris mit dem Fahrrad erkunden |
| Ein gewagter Versuch - doch wer wagt, gewinnt! | |
Paris geht hinsichtlich der Verkehrsverhältnisse nicht der beste Ruf voraus. Der Place Étoile um den Arc de Triomphe herum galt deutschen Autofahrern jahrzehntelang als ein Gräuel, und die engen Straßen mit ihrem dichten Verkehr rundeten dieses Bild treffend ab. Darüber hinaus glich die Suche nach einem Parkplatz der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.
Der Place d'Étoile mit dem Arc de Triomphe Aus diesem Grund hatten wir uns für unseren österlichen Kurzbesuch in der Stadt an der Seine das Fahrrad als Option vorbehalten, natürlich nicht für die Anfahrt..... Diese gestaltete sich dann zum Auftakt der Reise sehr angenehm, da die Franzosen offensichtlich aus Sparsamkeit die mautpflichtigen Autobahnen meiden und so dem - deutschen - Touristen eine nahezu leere "Autoroute" überlassen. Doch das böse Erwachen naht, wenn man auf die "Péripherique" einschwenkt und sich durch den Pariser Feierabendverkehr bis zum Hotel in der Nähe des Arc de Triomphe durchquält. Die Tatsache, dass Paris in den Augen der Pariser die einzige ernst zu nehmende Stadt für Arbeiten und Leben darstellt, führt zu entsprechendem Zuzug und notorisch überlasteten Straßen. Am nächsten Morgen fiel dann der Entschluss, Fahrräder zu mieten, und siehe da, es gibt tatsächlich eine Firma - "Roue libre" mit Namen - die an vier Standorten in Paris Fahrräder verleiht. Die zentrale Verleihstelle liegt inmitten der hässlichen Nachfolgekonstruktion von "les Halles", dem "Forum les Halles". Wir aber wollen uns nicht den bereits etwas heruntergekommenen Konsumtempel ansehen, sondern nur die Fahrräder abholen.
Kaum auf dem Sattel, entdeckt man bald, dass es sich in Paris recht gut radeln lässt. Alle größeren Straßen weisen breite Bus- und Taxispuren auf, die auch den Radfahrern zur Verfügung stehen. Damit entschärft sich bereits nach wenigen Minuten das Problem des dichten Verkehrs, der außerhalb der Busspur nur im Schneckentempo abläuft. Auf den "Champs Élysées" ermöglichen die deutlich verbreiterten Bürgersteige und - weiter unten - separate Fahrradwege zügiges Vorankommen. Überhaupt hat sich diese Prachtstraße wieder recht gut entwickelt, nachdem jahrelang nur Autosalons und Fast-Food-Ketten das traurige Bild geprägt und zu einem Besucherschwund geführt hatten. Jetzt bietet sich dem Besucher wieder breites Spektrum aus Boutiquen, Restaurants, Kaufhäusern - allen voran Fouqué - und Hotels, das zum Flanieren und Schauen auf den gepflegten und breiten Bürgersteigen einlädt.
Die "Pont Alexandre III." Das Fahrrad als Transportmittel stellt den idealen Kompromiss zwischen dem Fußmarsch und der U-Bahn dar. Wie der Fußgänger erhält der Radler einen Eindruck von der Topologie der Stadt, weiß nach wenigen Stunden schon, wo die einzelnen Sehenswürdigkeiten oder Zentren liegen, lernt Entfernungen abzuschätzen und saugt die optische Wirkung der Stadt in sich auf. Die U-Bahn ist zwar viel schneller als das Fahrrad, lässt den Reisenden doch lange Zeit über die Geographie der Stadt im Ungewissen und begrenzt die Kenntnisse auf isolierte "Highlights" wie Notre Dame oder den Louvre.
Diese beiden Attraktionen lassen sich natürlich ebenfalls leicht per Fahrrad erreichen, liegen sie doch an der Seine, an der man entspannt auf separaten Radwegen entlang radeln kann, oder an einer Hauptstraße mit Busspur. Notre Dame präsentiert sich zu Ostern als Touristenattraktion, und man hört nur wenige französische Worte auf dem großen Vorplatz. Der Besuch des Inneren erfordert leider eine etwa einstündige Wartezeit in der Schlange, so dass wir darauf verzichten. Stattdessen erradeln wir die angrenzende kleine Insel St. Louis, die nur durch eine Brücke mit der "Ile de Cité" verbunden ist, und finden uns in einer beschaulichen Welt aus engen Gasse - glücklicherweise Einbahnstraßen - wieder, die wesentlich weniger Touristen anzieht, obwohl hier der über die Stadt hinaus bekannte Eisladen "Berthillon" residiert, der angeblich das beste Speiseeis von Paris anbietet. Natürlich können wir uns dieser Versuchung nicht entziehen.
Notre Dame von unten gesehen Der Louvre lässt sich am Ostersonntag leichter erstürmen als Notre Dame, wohl auch, weil wir früher aufgebrochen sind. Nach wenigen Minuten Wartezeit tauchen wir hinab in die Glaspyramide, um dann jedoch festzustellen, dass sich hier unten schon eine beträchtliche Menschenmenge versammelt hat. Der Weg zur "Mona Lisa" ist daher gepflastert mit Leidensgenossen aus aller Welt, die offensichtlich nur dieses eine, so berühmte Gemälde sehen wollen. In einer langen Kolonne laufen die Besucher an Gemälden aller Größe aus verschiednen Zeiten und Ländern vorbei, ohne ihrer zu achten, und streben wie die Lemminge auf das EINE Ziel zu. Dort hat sich bereits ein Pulk von gut 200 Menschen vor dem abgesperrten Bild versammelt. Doch anstatt das Bild andächtig oder beeindruckt zu betrachten, kämpfen die Besucher nur um den besten Platz zum Fotografieren. So paradox es klingt: Man geht in den Louvre, um etwas mit einer durchschnittlichen Digitalkamera zu fotografieren, das man auf professionellen Fotos in wesentlich besserer Qualität betrachten könnte. Nicht die Rezeption des Gemäldes steht im Vordergrund, sondern die Selbstinszenierung und damit die Selbstvergewisserung ("ich war da") angesichts des berühmten Kultgegenstands.
Das Rathaus ("Hotel de Ville) von Paris mit Olympiawerbung Nach drei Stunden sollte man den Louvre wieder verlassen und später für weitere Kurzbesuche zurückkehren. Zu anstrengend sind die vielfältigen Eindrücke der Exponate sowie die vielen Menschen ringsumher. Von dort aus kann man sich per Fahrrad wunderbar ins "Marais" schlagen, einem alten Stadtviertel östlich der ehemaligen "Halles" und des "Hotel de Ville" (Rathaus). Dort kann man sich in einem kleinen Straßencafé bei einer köstlichen "Tarte de pommes" und eine "Café au lait" wieder entspannen. Mit dem Fahrrad ist es von da auch nicht weit zum Place Vendome im Westen oder dem "Place Vosges" im Osten. Der Vendome beeindruckt vor allem durch den weiten, gepflasterten Platz und die herrschaftliche, geschlossene Fassaden ringsum, der "Place Vosges" durch seine bürgerlich-familiäre Atmosphäre, die durch die Bäume und lockeren Gartenanlage noch verstärkt wird. Ringsum haben sich in den Arkaden der einheitlichen Randbebauung Juweliere und Modefirmen niedergelassen. Auf dem Platz tummeln sich Familien mit Kindern, die die erste Frühlingssonne genießen. Wenn man dann nach zwei Tagen die Räder wieder bei "Roue libre" abgibt, kann man zum Schluss des Kurzbesuches für die Rückkehr zum Hotel noch einmal die Pariser U-Bahn mit ihrem dichten Netz und der raschen Beförderung in Anspruch nehmen. Angesichts der notorischen Fülle dieses Verkehrsmittels weiß man aber, was man an den Fahrrädern gehabt hat.... |