"Tropical Islands": Die Tropen in der Mark Brandenburg

Wiederauferstehung eines gescheiterten Projekts in neuem Gewand

 
Zu Zeiten des Internet- und Börsenbooms Ende der 90er Jahre fand auch eine andere technologische Idee Förderer und Finanziers: die Entwicklung und Produktion eines Luftschiffes in Anlehnung an die "Zeppeline" der Vorkriegszeit, das große Lasten in unzugängliche Regionen transportieren sollte. Das "Cargolifter" genannte Projekt erntete berechtigte und unberechtigte Kritik und fiel schließlich dem Börsenkrach von 2001/2002 zum Opfer, als sich keine weiteren Investoren fanden. Doch ganz folgenlos blieb die kurze Geschichte des "Cargolifter" nicht. Neben einem Experimental-Luftschiff überlebte auch die überdimensionale Luftschiffhalle - 360 Meter lang, 210 Meter breit und 107 Meter hoch - im Brandenburgischen Brand im Gebiet Dahme-Spreewald 70 km südlich von Berlin. Auf dem Gelände des vormals größten Militärflughafens der DDR erhebt sich dieses monumentale Gebäude wie ein neuzeitlicher "Uluru" mitten in einer weiten Lichtung der flachen Kiefernbewaldung.
Ein solches Gebäude lockt natürlich mutige Investoren, und mit dem malaysischen Geschäftsmann Colin Au fand sich schließlich ein Käufer für die einmalige Immobilie. Seine Idee: ein tropisches Bade- und Urlaubsparadies mitten in der eher nüchternen und im Winter grauen Landschaft des südlichen Brandenburgs zu installieren, in der die Besucher den kaltgrauen Winter vergessen können.
 
Blick über die Halle: links die "Südsee", rechts die Lagune
 
In erstaunlich kurzer Zeit entstand so in der ehemaligen Luftschiffhalle, die sich eher durch pragmatische Nüchternheit auszeichnet, eine tropische Landschaft mit allem, was man sich darunter vorstellt. In der Mitte der 66.000 qm großen Grundfläche breitet sich auf einem etwa zwanzig Meter hohen Hügel ein von gewundenen Spazierwegen durchzogener tropischer Regenwald aus, der Pflanzen und Bäume aus allen tropischen Gebieten - Asien, Afrika und Südamerika - beherbergt. Noch sind die Pflanzen klein, der Boden unter den Bäumen noch nicht bewachsen, und man sieht die Bewässerungseinrichtungen. Doch die aus Asien verpflanzten Bäume haben sich bereits akklimatisiert und treiben frische Zweige aus, die anderen Pflanzen wachsen und gedeihen und werden den Boden bald mit einer grünen Decke überziehen. Umgebungsgerechtes, d.h. der jeweiligen Pflanzenkultur entsprechendes Vogelgezwitscher aus versteckten Lautsprechern sorgt zusätzlich für Regenwald-Atmosphäre.

Die tropische "Lagune"

 
Auf der südlichen Seite des Regenwaldes schließt sich die "Südsee" an, ein etwa 250 Meter langes Wasserbecken mit 28 Grad Temperatur und 1,35 Meter Wassertiefe sowie zwei Inseln. An der Außenwand der Halle erhebt sich über der "Südsee" auf deren gesamter Länge eine blaue Bespannung, auf der mittels Rückwandprojektion Wolken und Sonne erscheinen. Zum Regenwald hin schließen sich ein echter Sandstrand mit 850 Liegen sowie eine Restaurations- und die Umkleidezone an. Auf der Nordseite des Hügels bietet die "Lagune" ein Freizeitbad mit 32 Grad warmem Wasser, vielen Wasser-Attraktionen und 150 Liegen. An der Ostseite begrüßt eine Ansammlung typisch tropischer Siedlungen aus Asien, Afrika und Südamerika die Besucher, angefangen mit dem 13 Meter hohen "Bali-Tor", das extra zu diesem Zweck aus Bali eingeflogen wurde. In diesem Bereich befindet sich auch eine Bühne, auf der während des Tages kultrelle Darbietungen aus verschiedenen tropischen Ländern stattfinden. Der gastronomische Bereich um die Bühne bietet nahezu dreitausend Sitzplätze und garantiert den Vorführungen dadurch immer ein ausreichendes Pubikum.
 
Showtänze malaysischer Tänzer 
 
Spielfelder für "Beach-Volleyball" und andere Spiele. Daneben erstreckt sich ein Zeltplatz (!) mit zahlreichen Zweipersonen-Zelten, die müde Besucher stundenweise für ein kleines Nickerchen mieten können. Hier ist auch das Schweizer Unternehmen n-ufo angesiedelt, das "Flüge" mit einem  Helium-Ballon unter die Hallenkuppel anbietet. Wer nicht unter Schwindelanfällen leidet, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Aus 80 Metern Höhe eröffnet sich dem mutigen "Höhenforscher" ein eindrucksvoller Blick auf die ganze Halle. Da der Ballon mit einem Seil mit dem Boden verbunden ist, kommt man nach einigen Minuten auch wieder sicher auf den Boden der Tatsachen zurück.
Bei den Preisen zeigen sich die Betreiber der "Tropical Islands" verbraucherfreundlich. Für 15 Euro kann man alle Einrichtungen bis auf den Ballon vier Stunden lang nutzen, an Wochenenden erhöht sich diese Gebühr auf 20 Euro. Wer die Nacht durchfeiern möchte - die Anlage ist um die Uhr geöffnet! -, bezahlt von 22 bis 6 Uhr nur 5 Euro! Ein freier Shuttle-Transfer vom und zum nächsten Bahnhof ist in allen Preisen enthalten, wer mit dem Auto anreist, findet einen mehr als großzügigen Parkplatz vor (das frühere Flugfeld). Die Preise der Restauration sind ebenfalls als moderat zu bezeichnen.
 
Die Eröffnung der "Tropical Islands" fand am 19. Dezember 2004 statt, und die Weihnachtsfeiertage brachten bereits die erste Bewährungsprobe. Der Ansturm war zeitweise so stark, dass die Anlage für weitere Besucher gesperrt werden musste, da die Kapazität erschöpft war. Dieser Start lässt weiterhin guten Zuspruch erwarten, was angesichts der 500 Arbeitsplätze der Region Brandenburg ausgesprochen gut tun würde. Die Großstädte Berlin (80 km) und Dresden (100 km) liegen in einer für einen Tagesausflug akzeptablen Entfernung, und die geplanten Hotels nahe der Halle sowie weitere zukünftige Freizeitangebote sollten auch Wochenend- und Mehrtagesgäste nach Brand locken.
 
Weitere Informationen unter www.my-tropical-islands.com