Golf mit Panoramablick

 

 

Golfen in Gai in der Obersteiermark

 

Wir verlassen den Neusiedler See bei Trockenheit und fahren direkt in den von Westen aufziehenden Regen hinein. Die Strecke nach Gai in der Obersteiermark - nahe St. Michael - nimmt nur eineinhalb Stunden in Anspruch, doch die für diesen Nachmittag vereinbarte Erkundung des Golfplatzes fällt leider dem Dauerregen zum Opfer. Wir trösten uns mit dem Besuch der Sauna- und Schwimmbadlandschaft unseres Hotels.

Der Golfplatz von Gai-Reiting (für größeres Bild bitte anklicken)

Am nächsten Morgen hat sich dann der Regen soweit gelegt, dass wir es wagen können, das Golfbag zu schultern und den Golfplatz von Gai zu entdecken. Die Anfahrt ist ohne Skizze nicht ganz einfach, da der Golfplatz abseits der Straße am Rande einer Ansammlung kleiner Dörfer liegt. Die Homepage des Golfclubs enthält jedoch entsprechende Hinweise. Da wir bereits am Vortag die Strecke ausgekundschaftet haben, stellt sie für uns kein Problem dar. Da sich die Wolken um neun Uhr morgens noch nicht verzogen haben, nehmen wir sicherheitshalber einen Wagen, was wir sonst aus sportlichen Gründen ablehnen. Ein  Clubmitglied mit niedrigem Handicap schließt sich unserem Flight an und dient uns mit seiner Ortskenntnis als wertvoller Führer. 

Blick in die Stermärkische Landschaft

Der Golfplatz erstreckt sich auf einem lang gestreckten, hügeligen Plateau unterhalb des Reitings. Ringsum grüßen die Zacken der Eisenerzer Alpen, wenn sie denn aus den niedrig hängenden Wolken heraus schauen. Offensichtlich aus topologischen Gründen bildet der Platz ein liegendes "L", wodurch sich vor allem im langen Schenkel ausgedehnte Wanderungen ergeben. Sportliche Golfer sollten dies jedoch eher als Gewinn empfinden, gibt es ihnen doch nicht nur Gelegenheit zur körperlichen Ertüchtigung sondern auch viel Muße für den optischen Genuss der Landschaft. Selten verläuft hier ein Loch eben, meist geht es entweder abwärts oder hinauf. Loch 11 - ein Par 3 - führt von einer Anhöhe, die man nur zu diesem Zweck erklimmen muss, hinunter aufs Grün und eröffnet dabei gleichzeitig einen schönen Rundumblick über den gesamten Ostteil des Platzes.  Die Löcher 8, 9 und 11 sind enge Schräghänge mit seitlichen Hindernissen wie Baumgruppen oder Biotopen. Hier muss man schon recht genau spielen, um den Ball nicht zu verlieren. Ein besonderes "Schmankerl" ist das Loch 13, das bei relativ geringer Länge (Par 3) auf ein Inselgrün führt. Hier darf man weder zu weit noch zu kurz, weder zu weit nach links noch nach rechts spielen. Angeblich ist der Grund des Wassers um das Grün herum mit Bällen gepflastert, und auch wir opfern dem Gott der Golfer zwei Bälle. 

Putten auf schrägem Grün vor tief hängenden Wolken

Überhaupt "lebt" dieser Platz vom Wasser. Kaum ein Loch - außer im nördlichen Teil mit den ersten und den letzten Löchern - kommt ohne dieses Hindernis in der einen oder anderen Form aus. So muss man bei Loch 14 - nach dem nervenaufreibenden Inselgrün! - über einen Bach und zwischen hohen Bäumen hindurch abschlagen, um überhaupt erst einmal das Fairway zu treffen, was leichter gedacht als getan ist. Bei Loch 16 wiederum steigt man auf einen eigens aufgeschütteten Hügel - von den Einheimischen "Monte Rosa" genannt, um von dort aus über das Rough das - wiederum von einem Wasser geschützte - Grün anzuspielen. Und hat man sich dann schließlich mit Glück und/oder Können zum letzten Loch durchgekämpft, glänzt hinter dessen Grün geradezu ein "Badesee", der es vom Clubhaus trennt. Doch gerade dieses letzte Loch spielt sich wegen seiner Länge und des breiten, leicht abschüssigen Fairways besonders schön. Keine Schikanen - bis auf das "finale" Wasser, einige Bunker und die Bäume links und rechts - und freier Platz für lange Schläge.

Wenn man diesen Platz zu Fuß absolviert hat - wir haben ihn zu unserer Schande mit dem Wagen bezwungen -, dann weiß man, was man getan hat, man hat aber auch ein einmaliges Naturerlebnis mit Nah- und Fernblick genossen. Selbst bei diesem wolkenverhangenen Sonntag mit seinen einzelnen Sonnendurchbrüchen zeigte sich der Reiz der steiermärkischen Berglandschaft in seiner ganzen Fülle, vielleicht sogar eindringlicher als bei Postkartenwetter.

Das Appartement-Haus mitten auf dem Golfplatz

Eine besondere Attraktion des Golfclubs Gai-Reiting  stellt das Appartement-Gebäude zwischen den Löchern 8, 12 und 14 dar. Umgeben von Biotopen und eben diesen Löchern liegt dort eine moderne Anlage mit Schwimmbad, in die sich Golf- und Naturbegeisterte einmieten können. Die Appartements bestehen bei einer Fläche  von 40 qm aus getrennten Wohn- und Schlafräumen, separater Dusche und WC sowie zwei Sonnenterrassen. Herz, was willst Du mehr? Die Preise liegen zwischen 62 und 72 € pro Nacht und Person einschließlich Greenfee, und wem es nichts ausmacht, einsam inmitten eines Golfplatzes zu nächtigen, sollte dieses Angebot einmal nutzen. Näheres ist der Homepage des Clubs zu entnehmen

 

 

Das abschließende "Loch 19" bietet ein gemütliches Ambiente und einen aufmerksamen Service, so dass man hier nach einer Platzrunde gerne noch länger verweilt. Wir jedoch müssen nach einer kurzen Rast und Stärkung schon wieder aufbrechen, denn heute geht es noch nach Pertisau an den Achensee in Tirol, wo der nächste Golfplatz auf uns wartet.

Frank Raudszus

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