Enge als Herausforderung

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Schruns

 

Präzisionsgolfen im Brandner Tal

 

Nicht weit von Braz mit seinem Golfplatz liegt das Brandnertal mit dem namensgebenden Ort Brand. Am Ortsrand von Bludenz biegt man auf eine aufwärts führende Nebenstraße ab, die sich nach kurzer Zeit in engen Serpentinen den Berghang hinauf zieht. Über die kleinen Orte Bürs und Bürserberg führt die Straße weiter hinauf ins Brandner Tal, an dessen Ende sich das Gebirgsmassiv Chesaplana erhebt. Der kleine Ort Brand liegt mitten im engen Tal, an dessen tiefster Stelle ein Wildbach zu Tal schießt. Im Herbst ist es hier am Morgen noch schattig, die Sonne lugt jedoch bereits um die Ecke und erleuchtet die Berggipfel. Der Golfplatz von Brand liegt mit seinem Clubhaus direkt an der hier nur noch wenig befahrenen Straße auf rund 1000 Metern Höhe und begrüßt die Besucher mit der frohen Botschaft, dass der Platz ab September 2006 um neun Löcher auf deren achtzehn erweitert wurde.

Blick auf den Herrenabschlag von Loch 1 (zwischen den Häusern)

Wenn man sich mit seinem Trolley vom Clubhaus hinab und entlang des rauschenden Baches zum Abschlag des ersten Loches begibt, sieht man schnell, was von diesem Platz zu erwarten ist: der Herrenabschlag erhebt sich jenseits des Baches auf einem erhöhten Podest und weist auf eine schmale Schneise zwischen den Bäumen auf der anderen Seite des Baches. Hinter dieser Öffnung liegt der ebenso schmale Beginn des Fairways, der überdies noch nach links abknickt. Die Herren haben also wenig "gute" und viele "schlechte" Möglichkeiten, denn links und rechts des Fairways fangen der steil zum Bach abfallende Hang und dichter Wald ungenaue Abschläge auf. Das Loch 1 kann man durchaus als "Motto" dieses Golfplatzes auffassen. Zwar wollen wir nicht gerade Dantes ".. der Du hier eintrittst, lasse alle Hoffnung fahren" zitieren, aber die Spieler sollten sich doch auf hohe spielerische Anforderungen gefasst machen. Durchweg sind die Fairways schmal, und an den Seiten geht es entweder steil hinab oder hinauf. Und selbst, wenn ein verzogener Abschlag auf dem unteren Fairway landet, verbietet sich das Weiterspielen von dort fast von selbst, da der Abstieg über den steilen Hang zu unbequem und der Rückschlag auf den richtigen Fairway zu unsicher ist. 

So schmal sind hier die Fairways!

Bis zum Loch 7 verläuft der Platz fast ausschließlich zwischen bewaldeten Höhen, die mal aufwärts und mal abwärts zu spielen sind. Dabei sind immer wieder mehr oder minder tiefe Einschnitte zu überwinden, wobei sich in dem einen oder anderen Fall auch der Begriff "Schlucht" aufdrängt. Dabei sind die einzelnen Löcher vollständig in die Landschaft integriert, man spürt kaum ein bewusstes Bemühen, hier einen Golfplatz anzulegen, so selbstverständlich nutzen die Fairways und Greens vorhandene Lichtungen und Schneisen im Wald. Auch die natürlichen Höhen und Tiefen des Geländes gehen in die Struktur des Platzes ein, was dazu führt, dass man des Öfteren steil bergan oder bergan spielen muss. Meistens ist diese Situation noch mit der Überquerung eines wild bewachsenen oder mit Geröll gefüllten Geländeeinschnitts verbunden, der zur Schneeschmelze wahrscheinlich wild zum Tal stürzendes Wasser enthält. Im Herbst kommt die Sonne spät auf die Fairways, und diese sowie die Greens sind entsprechend schwer und langsam. Die zu dieser Jahreszeit und auf dieser Höhe recht kühle Witterung erweist sich im Sommer als Segen, denn hier herrscht auch bei sehr sommerlichen Temperaturen immer ein kühler Wind.

Über Weg und Bach aufs Grün

Wer sich durch Berg, Tal und Wald bis zu Loch 8 vorgearbeitet hat, den erwartet vom erhöhten Abschlag ein grandioser Blick nicht nur auf den langen Fairway dieses Par-5-Loches, sondern auch auf das dahinter liegende Bergmassiv. Nach rechts blickt man auf die "Halfway-Hütte" hinunter und kann bereits jetzt abschätzen, wann etwa die Sonne die kleine Terrasse erreicht, um die Vesper zu planen. Bereits jetzt die Pause einzulegen empfiehlt sich nicht, weil man dann zum Abschlag 8 anschließend wieder aufsteigen müsste. Also genießt man lieber den langen und ebenen Fairway von Loch 8, um anschließend nach einem kurzen Zwischenspiel auf Loch 9 (Par 3) den Rückweg eine Etage höher auf der 10 (Par 5) anzutreten und jetzt vielleicht an der "Halfway-Hütte" die verdiente Pause einzulegen. Auf diesem Loch sollte man jedoch Ausreißer nach rechts - Slice bei Rechtshändern - vermeiden, denn die Bälle landen ziemlich tief auf der 8, und der Hang dorthin ist steil und meist sehr rutschig. Anschließend führen die Löcher 11 und 12 noch einmal an den äußersten Zipfel der gesamten Anlage, wo nur noch dichter Wald auf getoppte Annäherungsschläge wartet, ehe die wieder recht schmalen Löcher 13 und 14 auf der höchsten Terrassenstufe dieser Anlage zurück zur Pausenhütte führen. Jetzt tauchen wir wieder in den uns schon bekannten Wald ein und schlagen vom gut 10 Meter erhöhten Abschlag der 15 über den schäumenden Bach und undurchdringliches Unterholz hinweg auf einen von Obstbäumen bestandenen Gegenhang hinüber. Dort geht es steil hinauf zum Green und auf der 16 wieder hinunter zum nächsten Green. Der schmale Fairway von Loch 17 verläuft - optisch sehr verführerisch - in unterschiedlichen Höhenlagen dicht am Ufer des Wildbachs entlang, und wenn man dieses Loch ohne Ballverlust überstanden hat, muss man den Fluss wieder überqueren, nur um ihn noch einmal mit dem Ball vom erhöhten Abschlag des letzten Loches zu überqueren. In der Abschlaglinie liegt ein von dickem Rough umstandender Teich, der schon so manchen Ball eingefangen hat. 

Erhöhter Abschlag auf Loch 18 (im Hintergrund das Clubhaus)

Dieser Platz ist sicher nicht das geeignete Übungsrevier für Anfänger, und auch so mancher Fortgeschrittene wird hier an seine technischen Grenzen kommen. Daher empfiehlt es sich, die Hölzer des Öfteren im Bag zu lassen und ein geeignetes Eisen zu wählen. Spielern, die breite Fairways gewohnt sind und deswegen die Eisen vielleicht ein wenig vernachlässigt haben, bietet sich hier die einzigartige Gelegenheit, wieder einmal ihr Eisenspiel zu pflegen und zu verbessern. Der Score wird es ihnen auf diesem Platz danken. Wer das technisch anspruchsvolle, "trickreiche" Spiel liebt, findet hier ein wahres Eldorado an Herausforderungen vor. Und wenn man dann die Schwierigkeiten dieses Platzes mit einem guten Ergebnis gemeistert hat, kann man auf der Terrasse des Clubhauses guten Gewissens einen Latte sowie den Ausblick auf den Wildbach und das Gebirgspanorama genießen. 

 

Die Anordnung der Löcher kann man dem Plan des Golfplatzes von Brand entnehmen. Um eine größere Version zu erhalten, sollten Sie das Bild anklicken. Die Löcher im oberen Teil sind überwiegend in diesem Jahr neu hinzugekommen. Weitere Informationen sind erhältlich über das Internet oder E-Mail.




Frank Raudszus

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