Abschläge über Sonnenhänge

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Der Golfplatz von Braz im Vorarlberg

 

Von Bregenz aus zieht sich die Landstraße Richtung Arlberg und Innsbruck durch eine Reihe mittelgroßer Ortschaften, die jede für sich ein Stück alten Österreichs repräsentieren: Dornbirn, Feldkirch und Bludenz heißen die größeren unter ihnen, und wer Zeit hat, sollte auf die zweifellos schnellere Autobahn verzichten und sich stattdessen einen intensiven Eindruck der Region Vorarlberg verschaffen. Hinter Bludenz verzweigt sich die Straße: eine führt nach rechts ins Montafon, die andere nach links zum Arlberg, der an schönen Tagen bereits gut auszumachen ist. Wir folgen dieser Straße in das enge Klostertal zwischen den hohen Hängen der Lechtaler Alpen und gelangen nach wenigen Kilometern in den kleinen Ort Braz. Besitzer eines Navigationssystems werden ihn vergeblich einzugeben versuchen, denn eigentlich gibt es den Ort Braz gar nicht. Der Ortsteil Außerbraz gehört zu Bludenz, und nur der Ortsteil Innerbraz führt ein Eigenleben als Gemeinde. Dennoch begrüßt uns das Ortschild mit "Braz".

Abschlag am Loch 1 mit Blick ins Klostertal

Am Westrand des beschaulichen Straßendorfs ist vor einigen Jahren auf 700 Metern Seehöhe ein Golfplatz entstanden, der alle Wünsche anspruchsvoller Golfer erfüllt. Ausreichenden Parkraum und eine großzügige Drivingrange kann man heute zwar bereits als Grundausstattung voraussetzen, aber hier kann man die Bälle sogar vom Dach des Gerätehauses abschlagen. Das moderne und helle Clubhaus liegt zentral zwischen Loch 1 und 18 einerseits sowie zwischen der Drivingrange und dem Parkplatz andererseits. Das Besondere am Golfplatz Braz ist seine Lage an einem Südhang. Das hat zur natürlichen Folge, dass man auch im Frühjahr und im Herbst durchgehend in der Sonne spielen kann. Nur im oberen Teil des Platzes schiebt sich ein langes und dichtes Waldstück wie ein Keil zwischen die ersten und die zweiten neun Löcher, und seine Nord-Süd-Ausrichtung lässt kaum Schatten auf die Fairways fallen. Unterhalb dieses Waldstücks öffnet sich zwischen den Löchern 13 und 14 auf der westlichen und den Löchern 2 und 3 auf der östlichen Seite eine große quadratische Freifläche, die sich geradezu anbietet, um hier später einmal einen Kleinplatz anzulegen. Derzeit besteht jedoch der Eigner dieser Fläche, ein Landwirt, auf der weiteren landwirtschaftlichen Nutzung, was die natürliche Einbettung des Golfplatzes in die Umgebung noch betont.

Putten vor Bergkulisse

Doch zurück zur heutigen Realität: nachdem uns die charmante Dame im Sekretariat die Greenfee-Karten ausgehändigt hat, geht es von der Terrasse des Clubhauses zum ersten Abschlag neben der Drivingrange. Von nun an geht`s bergauf! Die Löcher 1 bis 3 (Par 4/320, Par 4/325, Par 3/128) liegen mehr oder minder in Ost-Westrichtung und zeichnen sich durch eine noch geringe Steigung aus. Außerdem erlauben die breiten und relativ anfängerfreundich gestalteten Fairways den Einstieg in den Golftag. Das auch noch im Oktober satte Grün der teppichdichten Fairways macht das Laufen zum Vergnügen und lässt jedes Divot als Sünde an der Natur erscheinen. Die Löcher 4 bis 9 führen terrassenförmig den Hang hinauf, wobei Loch 4 - ein Par 5 mit 438 Metern Länge - in einem leichten Rechtsbogen mehr oder minder der "Direttissima" folgt. Nach einem langen Par 3 von 190 m und einem Rechts-Dogleg (Par 4/359) schließt die erste Runde mit drei Par 4-Löchern, die terrassenartig entlang des Hanges verlaufen. Das Grün der 9 ist halb vom Wald umschlossen und daher empfiehlt es sich, die Annäherung vorsichtig zu gestalten, zumal auch noch - statt eines Bunkers - ein großer Baum unmittelbar vor dem erhöhten Grün im Hang steht.

Sattgrüne Fairways auf 1200 Metern Höhe

Nach diesem Aufstieg mit Bag und Wagen hat man wahrlich eine Pause verdient. Ein kurzer Marsch auf einem festen Weg durch den hohen Wald führt uns zu einer nagelneuen Hütte am Abschlag von Loch 10 und bietet von der Terrasse einen weiten Blick hinunter über die nun abfallenden Fairways und auf die an der anderen Seite des Tales aufsteigenden Berghänge. Hier lässt man sich gerne nieder und verzehrt seine Vesper. Im Sommer und bei Turnieren gibt es hier auch eine temporäre Bedienung. Nachdem uns das kurze Loch 10 (3/114) aufwärts am Waldrand entlang geführt hat - man darf sich hier keinen Slice leisten -, geht es zum höchsten Punkt des Golfplatzes, dem Abschlag der 11. Dazu muss man einen gewundenen Weg hoch zum "Gipfel" aufsteigen, und es wäre nicht verwunderlich, wenn man hier ein Gipfelkreuz mit Gipfelbuch vorfinden würde. Der Blick vom Abschlag ins Tal entschädigt für die kurze Mühe, doch den Flug des Balles kann man wegen des starken Gefälles des Fairways nicht bis zum Auftreffen verfolgen. Links und rechts des Fairways nimmt der hohe Wald "Querschläger" für immer auf, und auch im dichten Gras neben dem Fairway kann sich ein Ball erfolgreich verstecken. Die 11 und die 12 - jeweils Par 4 mit mehr als 300 Metern Länge - führen zwischen den Waldrändern steil den Hang hinab, dann öffnet sich das Gelände zu einem breiten, nur noch mäßig abfallenden Hang, auf dem die letzten Löcher sehr kompakt in verschiedenen Richtungen angelegt sind. Drei Par 4-Löchern unterschiedlicher Länge mit einem ausgeprägtem Dogleg (Loch 14) folgt ein kurzes Aufwärtsloch (Par 3) und dann geht es in einem langen Linksbogen hinab in die 17 vor das Clubhaus. Das letzte Loch verläuft dann entlang des kleinen Sees vor der Terrasse, der gerne auch verzogene Abschläge zum Bade einlädt, da sich das Grün hinter ihm versteckt.

Die Gaststube des Gasthofs "Traube" in Braz

Wer die 18 Löcher erfolgreich hinter sich gebracht hat, hat eine sportliche Leistung vollbracht, die an Bergwandern erinnert, vor allem, wenn er oder sie dazu keinen Elektrowagen benutzt hat. Die Golfplätze in den Bergen lassen alle Behauptungen, dass Golf ein Sport für alte Leute sei, wie blanker Hohn erscheinen. Und doch wirkt die Mattigkeit nach diesen 18 Löchern angenehm, und gerne sitzt man anschließend auf der sonnigen Terrasse des Clubhauses, um dort einen typisch österreichischen Milchkaffe und ein Stück Kuchen aus der Küche des Gasthofs "Traube" zu sich zu nehmen. Denn dieses Vier-Sterne-Haus am westlichen Ortseingang von Braz betreut den Golfplatz gastronomisch. Hotelchef Christoph Lorünser spielt selbst Golf, falls ihm sein gut besuchter Betrieb dazu Zeit lässt, und weiß, was Golfer nach einem langen Golftag zur Stärkung benötigen. Die "Traube" selbst ist ein alter österreichischer Gasthof, der lokale Atmosphäre verströmt und voll historischer Details steckt. Vor allem der Gastraum im alten Teil des Hauses mit seiner holzgetäfelten Decke, den Jagdtrophäen an den Wänden und den rustikalen Tischen mit ihren Einlegearbeiten verbreitet typisch Vorarlberger Gemütlichkeit. Gerne bleibt man hier nach dem hervorragenden Menü der Haubenküche noch länger sitzen und genießt einen österreichischen Rotwein. Wie auch andere Häuser in Braz und Umgebung bietet die "Traube" spezielle Arrangements, so ein 4-Tage-Paket mit 3 Übernachtungen/Halbpension und 3 Greenfees ab 369 Euro oder ein 8-Tage-Paket mit 7 Übernachtungen/Halbpension und 5 Greenfees ab 764 Euro. Im Frühjahr wartet das Haus mit einer besonderen Attraktion auf: vom 16. bis zum 30.4. kann man in der "Traube" kombinierte Arrangements mit 2 Tage Skipass - am Arlberg mit Lech und Zürs - und 2 Greenfees in Braz und Brand ab 336 Euro oder mit 6 Tage Skipass und 4 Greenfees ab 777 Euro buchen. Da Golfer oft auch gute Skiläufer sind, eröffnen sich hier völlig neue Perspektiven.

Übersicht des Golfplatzes von Braz (zoombar)

Die zweite gastronomische Perle in Braz ist der Gasthof "Rössle". Hausherr Valentin Bargehr hat sich bisher auf die kulinarische Seite des Urlaubs konzentriert und sein Haus Schritt für Schritt auch für längere Aufenthalte ausgebaut. Eine treue Stammkundschaft reist gerne für ein oder zwei Tage nach Braz, um seine Küche zu genießen. Sein besonderes Angenbot besteht in Kochkursen, die er zu verschiedenen Themen periodisch anbietet und die jedesmal kurz nach Ankündigung bereits von seinen lokalen Stammkunden ausgebucht sind, so dass er sich jetzt überlegt, wie er freie Plätze für neue Interessenten schafft.

Weitere Informationen sind erhältlich über das Internet oder E-Mail.


Frank Raudszus

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